Geldanlage

Zinsknüller der Banken oft ein Flop

28. Februar 2005 Mit Sonderzins-Aktionen gehen derzeit viele Banken auf Kundenjagd. Bis zu 4,5 Prozent werden geboten, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ) in einer aktuellen Marktuntersuchung ermittelt hat. Die Angebote scheinen wahre Renditeknüller zu sein, immerhin bringen Sparbriefe mit langjähriger Laufzeit derzeit kaum mehr als drei Prozent.

Doch Vorsicht ist geboten: „Liest man das Kleingedruckte, erweisen sich die Hochprozenter plötzlich als Renditekrepierer“, sagt VZ-Experte Georg Tryba. So wirbt ein großer Onlinebroker laut VZ mit einem Tagesgeld-Zinssatz von 2,6 Prozent, hinzu kommt ein kostenloses Depot und Girokonto. Allerdings hat das „limitierte Kontingent exklusiv für Neukunden“ einen Haken: Das Girokonto gibt es nur für drei Monate kostenlos, danach braucht man monatlich mindestens 1.250 Euro Geldeingang, um den 4,90 Euro Kontoführungsgebühren zu entgehen.

Manche Angebote grenzen sogar an Abzocke

Und wer Konto und Depot kündigt, um nur in den Genuß des Tagesgeldes zu kommen, der wird bestraft. Dann gibt es bei einem Anlagebetrag bis 5.000 Euro nämlich nur noch 0,1 Prozent Zinsen. Als zwiespältige Offerte erweist sich auch das „Top-Zins-Sparen“ einer großen Bank. Bei Laufzeiten zwischen vier und zehn Jahren bietet sie Garantiezinsen zwischen 3,0 und 4,1 Prozent. Doch wehe dem, der die vereinbarten Sparbeitrage ab 25 Euro pro Monat nicht vollständig und pünktlich zahlt, eine Rate aussetzt oder nur verspätet bezahlt. Der kann nämlich auf den Basiszins von einem Prozent zurückgeworfen werden und zwar für die gesamte Restlaufzeit.

„Eine absolute Frechheit, das grenzt an Abzocke“, sagt Tryba. Gleich zwei Ausnahmen hat eine weitere Bank in ihr „BonusSparen“ eingebaut: Wer an die 3,5 Prozent Zinsen gelangen will, muß in der Filiale nämlich ein einstündiges Verkaufsgespräch führen. Und nach einem halben Jahr ist es mit den Top-Zinsen ohnehin vorbei, dann gibt es nur noch 1,5 Prozent.

Auch öffentliche Geldinstitute machen mit beim Lockzins-Spektakel. So offerierte eine Sparkasse im Ruhrgebiet bis zum Schlußtermin am 28. Februar ihr Festgeld-Angebot mit satten 4,5 Prozent ab einem Anlagebetrag von 2.000 Euro. Allerdings gilt der Zins nur bis zum 18. März, danach fließt das gesamte Geld in einen Garantiefonds. Wer den nicht sechs Jahre durchhält, der trägt neben dem fünfprozentigen Ausgabeaufschlag auch das volle Kursrisiko. Solche und ähnliche Angebote werden laut Verbraucherzentrale mit großem Werbeaufwand auf den Markt gebracht. „Das hat seinen Grund, denn bei der aktuellen Zinsflaute wollen viele Anleger ihr Geld erst einmal parken“, weiß Tryba. Diese Situation werde von den Banken zur Neukundengewinnung genutzt. Das geschehe auch in der Erwartung, daß viele Anleger ihr Konto nach Ablauf der Hochzinsphase aus Bequemlichkeit zu Mager-Bedingungen weiterführten.

Risiko bei Kombi-Angeboten

Auch die Stiftung Warentest hält nichts von den angepriesenen Produkten. „Das gilt insbesondere für Kombi-Angebote, bei denen Zinsprodukte mit Fonds gekoppelt werden“, sagt Uwe Döhler vom Magazin „Finanztest“. Das Risiko liege hier vor allem in den Fonds, und die gewährten Zinsen würden durch den Ausgabeaufschlag oftmals gleich wieder aufgezehrt. Ärgerlich sei zudem, daß viele Bankkunden gar nicht in den Genuß der Zins-Angebote kommen könnten, da diese nur für Neukunden gelten würden. Wer sein Geld kurzfristig verfügbar halten will, der findet laut Döhler dennoch empfehlenswerte Tagesgeld-Angebote, und Zinsen von 2,5 Prozent seien durchaus drin.

Allerdings sollten sich Kunden nicht blind auf Vergleichslisten für die besten Angebote verlassen. „Dort werden nämlich die Anlagebedingungen oft nicht erläutert“, betont der Experte. Stiftung Warentest empfiehlt, zwei bis drei Monatsgehälter als Notreserve kurzfristig verfügbar zu halten. Vorsichtige Anleger, die darüber hinaus noch Geld zur Verfügung hätten, sollte es möglichst kostengünstig und sicher anlegen, beispielsweise in Bundesschatzbriefen.

Text: AP

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