13. Oktober 2006 Asiens Währungen sind unterbewertet - das kam inzwischen wohl bei den meisten Anlegern an. Lehman Brothers bietet jetzt ein Zertifikat an, mit dem Anleger auf eine Aufwertung dieser Devisen gegen den Dollar wetten können: die kapitalgeschützte Dragon FX Garant Anleihe (Isin XS0268043709).
Der Anleihe liegt ein Währungskorb zugrunde. Der chinesische Yuan, die indonesische Rupiah, die indische Rupie, der malaysische Ringgit und der philippinische Peso machen jeweils 20 Prozent dieses Korbes aus.
Kapitalschutz nur bei Fälligkeit
Am 1. Dezember 2010, dem Beobachtungstag und letzten Handelstag, wird die durchschnittliche Wertentwicklung des Währungskorbes berechnet. Die Partizipationsrate beträgt 200 Prozent. Der Anleger bekommt also, wenn die Währungen aufgewertet haben, das Doppelte der durchschnittlichen Aufwertung ausbezahlt.
Bei negativer Wertentwicklung wird der Nennbetrag zurückbezahlt, nur der Ausgabeaufschlag wäre dann verloren. Der Verkauf des Wertpapiers vor Fälligkeit - das Papier soll im Frankfurter Freiverkehr gehandelt werden - kann aber zu Verlusten führen. Anleger können Anteile zu je 1.000 Euro zuzüglich eines einprozentigen Ausgabeaufschlages bis zum 30. November zeichnen. Fällig werden die Papiere im Dezember 2010.
Deutliches Aufwertungspotential
In zahlreichen Ländern des asiatischen Raumes könnte sich ein deutliches Aufwertungspotential der jeweiligen Währung ergeben, schreibt die Bank in der Werbebroschüre für das Zertifikat. Denn nur massive Interventionen mehrerer asiatischer Notenbanken hätten in den vergangenen Jahren eine deutliche Aufwertung asiatischer Währungen gegenüber dem Dollar verhindern können.
Doch der politische Druck auf viele asiatische Länder könnte sich wohl erhöhen, was für ein baldiges Ende dieser künstlichen Abwertung spricht, heißt es weiter. Als ein Beispiel läßt sich China anführen, das bereits durch eine leichte Aufwertung seiner Währung reagiert hat - eine Entwicklung, der sich andere asiatische Länder aufgrund des Vorbildcharakters Chinas anschließen könnten.
Eine Wette mit ungewissem Ausgang
Ein Rechenbeispiel: Wenn die asiatischen Währungen in den kommenden vier Jahren im Schnitt um 15 Prozent gegen den Dollar aufwerten, würde der Anleger einen Kupon von 30 Prozent erhalten, was einer Verzinsung von jährlich 6,8 Prozent entspricht. Bei zehn Prozent durchschnittlicher Aufwertung würde der Zins noch 4,7 Prozent im Jahr bedeuten, bei fünf Prozent Aufwertung bloß 2,4 Prozent. Nur bei einer satten Aufwertung würde sich das Zertifikat also rechnen.
So weist Lehman Brothers in der Produktinformation ganz richtig darauf hin, daß die Schuldverschreibungen zu einem Wert zur Rücknahme fällig werden (können), der erheblich unter den Erträgen liegt, die mit anderen Anlagen erzielt werden könnten.
Klar ist: Es gibt schlechtere Möglichkeiten, auf die asiatischen Währungen zu wetten (siehe auch: Manche Short-Zertifikate sollte man shorten). Doch eine Prognose, wie sich die Devisen entwickeln werden, ist seriös kaum möglich. Wenn zwei der fünf Währungen deutlich an Wert verlieren, ist die satte Aufwertung bei anderen Devisen eventuell schon aufgefressen. Außerdem ist nicht gesagt, daß die asiatischen Notenbanken ihre sture Währungspolitik so schnell aufgeben. Anleger sollten keinesfalls auf zwischenzeitliche Kurssteigerungen hoffen, sondern einen Kauf nur erwägen, wenn sie das Zertifikat bis zur Endfälligkeit halten wollen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @bemi
Bildmaterial: FAZ.NET
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