08. Mai 2008 Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittag ihren Leitzins unverändert ließ, schienen die Finanzmärkte davon zunächst wenig beeindruckt. Das änderte sich jedoch im Laufe des Nachmittags.
Der in jüngster Zeit chronisch depressive Bund-Future schoss 63 Basispunkte in die Höhe und auch der Euro verschärfte seine Aufwertungstendenz zumindest vorübergehend. Denn die Erwartungshaltung begann sich zu ändern. Bislang erwarteten die meisten Volkswirte dass die Zentralbank für einige Monate noch die Zinsen konstant halten werde, bevor sie gegen Jahresende aufgrund Zeichen einer konjunkturellen Abkühlung dieser mit Zinssenkungen wieder unter die Arme greifen werde.
Mit nichts Neuem Hoffnungen zerstreut
Doch obgleich die Mehrheit der Ökonomen noch an dieser Anschauung festhält, bekommt die Theorie einige Risse. dabei hat Notenbankpräsident Trichet nichts Neuss gesagt. Aber genau das ist der Punkt. Würde sich die EZB Zinssenkungen nähern, so wäre zu erwarten gewesen, dass der Notenbanker einige relativierende Adjektive ins eine Ausführungen einfließen lassen würde, meint etwa auch Antje Hansen von HSBC Trinkaus. .
Das aber hat er nicht getan. Im Gegenteil, weist Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer daraufhin, dass deiser die zuletzt hohen Inflationsdaten nicht mehr mit dem Adjektiv vorübergehend relativiert habe. Die rasanten Preisanstiege bei Energie und Nahrungsmitteln in der jüngsten Vergangenheit sorgten nicht nur kurzfristig für einen enormen Inflationsdruck. Die Risiken für den mittelfristigen Inflationsausblick bleiben klar nach oben gerichtet. Deshalb habe die Eindämmung der langfristigen Inflationserwartungen auch höchste Priorität.
Ein kleines Zuckerl für die Konjunkturbesorgten gab es dann aber dennoch: Es sei absolut klar, dass die Inflationsraten graduell zurückgehen würden, sagte Trichet. Wohin die Politik insgesamt zielt, machte dieser auch deutlich: in der Verankerung der Inflationserwartungen. Ausweislich der jüngsten Umfrage der EZ-Kommission sind die Inflationserwartungen der Verbraucher im April leicht gestiegen. Steigen die Erwartungen weiter an, erhöht sich das Risiko von Zweitrundeneffekten via höhere Lohnabschlüsse und das einer Inflationsspirale deutlich.
Eingekeilt zwischen hoher Inflation und nachlassendem Wirtschaftswachstum
Auch zu einer von manchen Beobachtern erwarteten pessimistischeren Einschätzung des Konjunkturausblicks neigt der EZB-Rat derzeit offenbar nicht. Trichet sagte auf eine entsprechende Frage, das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sei im ersten
Quartal widerstandsfähig gewesen.
Die EZB steckt seit Monaten im Dilemma zwischen steigender Inflation und ersten Anzeichen einer Konjunkturabkühlung in Folge der Finanzkrise. Krämer sieht die EZB eingekeilt zwischen hoher Inflation und nachlassendem Wirtschaftswachstum.
Da der Abschwung anders als in den Vereinigten Staaten in geordneten Bahnen verlaufe, dürften die Frühindikatoren bis zum Jahresende nicht stark genug gefallen sein, um die Inflationsängste der EZB zu überwinden.
Stagflationäres Szenario
Indes scheinen angesichts des nur wenig veränderten zinspolitischen Umfelds starke Zugewinne der Renten-Futures eher schwer verständlich. Erste-Bank-Analyst Rainer Singer führt diese daher mehr auf den Renditerückgang amerikanischer Anleihen zurück. Die HSH Nordbank sieht für europäische Staatsanleihen in der anhaltenden konjunkturellen Unsicherheit eine Stütze.
Indes ist das Aufwärtspotential auch in den Vereinigten Staaten begrenzt. Positiv wirken derzeit die anhaltende Krise am Immobilienmarkt und Aktienmärkte, die als schwach angesehen werden. Doch mehr noch als in Europa setzt sich angesichts der Divergenz zwischen niedrigen Zinsen und hohen Teuerungsraten das Szenario durch, dass keine weiteren Zinserhöhungen mehr folgen, ja die Fed gar die Zinsen wieder anheben könnte.
In diesem stagflationär anmutenden Umfeld sind die Aussichten für die Anleihenmärkte nicht sonderlich positiv - und nicht nur für die. Das könnte angesichts der in der Welt weiter herumvagabundierenden Liquidität das Dilemma der Notenbanken sogar verschärfen. denn wenn nur ein schwaches Wachstum und vergleichsweise hohe Preissteigerungen zu erwarten sind, begünstigt dies noch am ehesten die Entwicklung der Rohstoffpreise. Das könnte noch mehr Geld auf diese engen Märkte und die Inflationsraten weiter nach oben trieben.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho mit Material von Bloomberg
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
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| Dax | 7.063,13 | +0,39 |
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| Nasdaq | 2.483,20 | -0,21 |
| STOXX 50 | 3.819,84 | +0,19 |
| Nikkei 225 | 13.953,73 | +1,53 |
| S&P 500 Zert. | 13,97 | +0,65 |
| Euro/Dollar | 1,55 | -0,49 |
| Bund Future | 114,32 | -0,51 |
| Gold | 863,70 | -2,43 |
| Öl | 123,93 | +1,20 |
