Rating-Agenturen

Bundesbank reitet Attacke

Von Stefan Ruhkamp

Bundesbank-Vizepräsident Zeitler: Geringerer Einfluss der Ratingagenturen

Bundesbank-Vizepräsident Zeitler: Geringerer Einfluss der Ratingagenturen

01. Juli 2009 Die Bundesbank hat auf einer Tagung zur Bankenaufsicht die Ratingagenturen attackiert. Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler sagte vor einigen hundert Bankmanagern, die Ratingagenturen hätten vor allem strukturierte Wertpapiere „dramatisch herabgestuft“, obgleich die tatsächlichen Ausfälle relativ gering seien. Von dieser „Achterbahnfahrt“ gingen prozyklische Effekte aus.

Die Bundesbank dringt auf einen geringeren Einfluss der Ratings auf die Kapitalanforderungen der Banken. Im Baseler Ausschuss, in dem neue Aufsichtsregeln entwickelt werden, habe die Bundesbank angeregt, dass für Verbriefungen und andere strukturierte Finanzprodukte Agenturen wie Fitch, Moody's oder Standard&Poor's keine bevorzugte Stellung mehr zugesprochen wird, berichtete Erich Loeper, Zentralbereichsleiter Banken und Finanzaufsicht. Bisher müssen Banken bei der Ermittlung der Risikogewichtung externe Ratings verwenden, auch wenn sie die Wertpapiere mit eigenen Verfahren selbst bewerten.

Übergangsweise Standardrisikogewichtung?

Es habe eine Welle von Herabstufungen gegeben, weil viele Verbriefungen gar nicht verlässlich bewertet werden könnten. „Wenn das so ist, warum sollte ich den Ratings der Agenturen weiter vertrauen?“, fragt Loeper. Er schlägt vor, dass bei der Ermittlung des Kapitalbedarfs übergangsweise eine Standardrisikogewichtung für Verbriefungen verwendet wird. Herabstufungen hätten dann keinen unmittelbaren Einfluss mehr auf den Kapitalbedarf der Banken.

Eine andere Schwierigkeit resultiere daraus, dass nach den derzeitigen Regeln bei niedrigen Ratings eine weitere Verschlechterung zu einem sprunghaften Anstieg des Kapitalbedarfs führe. Falle die Note für eine Verbriefung um einen Schritt von „BB-“ auf „B+“, vervierfache sich der Kapitalbedarf. Diese Regel sei eingeführt worden, um zu riskante Anlagen der Banken zu verhindern. Aber viele Verbriefungen seien vor der Krise als erstklassige Titel gekauft worden und seien erst durch die Finanzkrise zu Risikopapieren geworden. Deshalb sollten die Regeln entschärft werden, forderte Loeper.

Text: F.A.Z.

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