EZB

Auch Trichet schürt Erwartung höherer Zinsen

25. Juni 2008 Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hat die Neigung des EZB-Rats zu einer Zinserhöhung bereits in der kommenden Woche bekräftigt. Angesichts der hohen Inflationsrisiken im Währungsraum befinde sich der EZB-Rat in einem Zustand „erhöhter Alarmbereitschaft“, sagte Trichet am Mittwoch vor dem Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel. Es sei unerlässlich, dass die Inflationserwartungen weiterhin sicher verankert blieben und Zweitrundeneffekte infolge hoher Preis- und Lohnsteigerungen vermieden würden.

In den vergangenen Monaten seien die Inflationsrisiken weiter gestiegen, vor allem wegen der kräftigen Preissteigerungen bei Rohstoffen und Nahrungsmitteln, sagte Trichet. Die Inflationsraten im Euroraum dürften länger als zunächst angenommen erhöht bleiben. Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten des Euroraums stellten sich unterdessen weiter robust dar. Jüngste Daten sprächen für ein zwar moderateres, aber anhaltendes Wachstum im Währungsraum. Nach wie vor sei die Unsicherheit wegen der anhaltenden Finanzmarktturbulenzen sehr hoch.

Zinserhöhung ist für Juli schon eingepreist

An den Finanzmärkten wird seit der Juni-Sitzung für Juli eine Zinserhöhung eingepreist. Andere EZB-Offizielle haben diese Erwartung seither bestärkt. So hatte das EZB-Ratsmitglied Athanasios Orphanides am Dienstag gesagt, bei Erfordernis müsse die EZB über den Juni-Schritt hinaus weitere Zinserhöhungen in Erwägung ziehen. Die EZB strebt mittelfristige Preisstabilität an und sieht diese bei einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent gewährleistet. Im Mai waren die Euroraum-Verbraucherpreise mit einer Jahresrate von 3,7 Prozent gestiegen.

Hinsichtlich des Wachstums verwies der EZB-Präsident auf die im Juni veröffentlichten Stabsprojektionen, denen zufolge die EZB einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) des Euroraums 2008 und 2009 zwischen 1,5 Prozent und 2,1 Prozent oder 1,0 Prozent und 2,0 Prozent sehe. Allerdings komme in den Jahresraten nicht die Dynamik des Geschehens zum Ausdruck.

Sorge wegen starker Wechselkursschwankungen

Trichet sagte, das BIP-Wachstum in der Eurozone im ersten Quartal von 0,8 Prozent sei vor dem Hintergrund der Schwankungen dieser Datenreihe zu sehen. Die Entwicklung des Wachstums im ersten und zweiten Quartal müsse daher im Zusammenhang gesehen werden, der Wachstumstiefpunkt dürfte im zweiten Halbjahr durchschritten sein.

Trichet äußerte sich zudem besorgt über das starke Auf und Ab der Wechselkurse. Das könne Folgen für die Weltwirtschaft und die Finanzstabilität haben, sagte er. Er habe mit Interesse zur Kenntnis genommen, dass die amerikanische Regierung ebenso wie Notenbankchef Ben Bernanke betont hätten, dass ein starker Dollar im Interesse der Vereinigten Staaten sei. Der Eurokurs hat in diesem Jahr stark zugelegt und liegt derzeit mit 1,56 Dollar nur knapp unter seinem Rekordhoch von rund 1,60 Dollar.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: REUTERS

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