25. Juli 2008 Die Börsen sind in den vergangenen Wochen aufgrund der Kreditkrise und der dadurch ausgelösten Kreditkontraktion deutlich volatiler geworden als in den Jahren der allgemeinen Wirtschaftseuphorie zuvor.
Allerdings gibt es einzelne Papiere, die sich davon weitgehend abkoppeln können. Zum Beispiel die Aktien und die Wandelanleihen des Schweizer Biotech- und Chemieunternehmens Lonza. Sie hielten bisher entgegen aller Marktturbulenzen den im August des Jahres 2004 etablierten, etwas Aufwärtstrend und legten in dieser Zeit bis zu 185 Prozent zu. Mit einem Kurs von 148,5 Franken liegen die Aktien am Donnerstag nur knapp unter dem noch vor wenigen Tagen erreichten Mehrjahreshoch.
Lonza wächst zielgerichtet und profitabel
Die Kursentwicklung lässt sich fundamental weitgehend erklären. Denn das Unternehmen richtete sich in den vergangnen Jahren darauf aus, in lukrativen Nischen im Zuliefererbereich von Biotech- und Pharmaunternehmen profitabel wachsen zu können.
Der Erfolg der Strategie lässt sich an den in den vergangenen Tagen vorgelegten Halbjahreszahlen ablesen. Lonza konnte in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres den Umsatz im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 13 Prozent auf 1,462 Milliarden Franken steigern. Der operative Gewinn vor Steuern und Zinsen legte um 15,2 Prozent auf 235 Millionen Franken zu, während der Nettogewinn sogar um 82,9 Prozent auf 267 Millionen Franken gesteigert werden konnte. Allerdings spielte unter dem Strich ein außergewöhnlicher Ertrag in Höhe von 91 Millionen Franken in Form eines Buchgewinns aus dem Verkauf der 69-Prozent-Beteilung an der italienischen Polynt eine Rolle. Ohne diesen Ertrag hätte der Nettogewinn um mehr als 20 Prozent zugelegt.
Trotz Währungseffekten und der Herausforderungen angesichts hoher Rohmaterialpreise sei man auf Kurs, erklärte Lonza bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Die Verbesserungen im Bereich Kosten und Effizienz hätten Währungseffekte aufgefangen können. Die strategischen Projekte, mit deren Hilfe Lonza profitables Wachstums erreichen will, schritten planmäßig oder sogar schneller als geplant voran, hieß es weiter.
Erste strategische Allianz mit Novartis
Lonza arbeitet an der Weiterentwicklung des Geschäftsmodells - weg vom reinen Produktionsbetrieb hin zum Partner von Pharma- und Biotech-Unternehmen für die Entwicklung, Produktion und Vermarktung der gesamten Produktpalette. Um in den nächsten Jahren weiter wachsen zu können, sucht Lonza nach der vor kurzem bekanntgegebenen Zusammenarbeit mit Novartis weitere umfangreiche Kooperationen mit Life-Science-Unternehmen. Ein weiterer Vertragsabschluss sei noch in diesem Jahr zu schaffen, erklärte Vorstandschef Stefan Borgas.
Mitte Juli hatten Lonza und Novartis bekannt gegeben, für die Erforschung und Entwicklung biologischer Medikamente eine strategische Allianz einzugehen. Die Kooperation könnte, je nach Entwicklungsfortschritt von Novartis-Medikamenten, für Lonza in ein paar Jahren einen Umsatz im dreistelligen Millionen-Bereich generieren, rechnete Borgas den Medien vor.
Kurzfristig könne das Wachstum in den kommenden Monaten zwar etwas zurückgehen, hieß es weiter. Allerdings entwickelten sich alle strategischen Projekte nach Plan und 80 Prozent der Kapazitätserweiterungen seien bereits über Kundenaufträge gebucht. Wir erwarten ein Wachstum des operativen Gewinns vor Zinsen und Steuern im unteren Bereich der mittelfristigen Zielsetzung, bei rund 15 Prozent, so Borgas.
Insgesamt profitiert das Unternehmen von der ziel- und ertragsorientierten Führung und der robusten Entwicklung der Branche. Auf dieser Basis bietet nicht nur die Aktie mittel- bis längerfristig weitere Kursperspektiven, sondern auch die noch ein Jahr wandelbaren Wandelanleihen. Nach den Kursgewinnen der vergangenen Monate haben sie inzwischen den ursprünglich defensiven Charakter weitgehend verloren und ähneln unter Risikoaspekten den Aktien.
Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 20 und knapp 18 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr sind die Aktien keine Schnäppchen ausgeprägten Schnäppchen. Allerdings sprechen die operativen als auch die charttechnischen Trends für sich.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Lonza
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.387,01 | -7,07 |
| TecDax | 604,17 | -11,27 |
| DowJones | 9.955,50 | -3,58 |
| Nasdaq | 1.862,96 | -4,34 |
| STOXX 50 | 2.872,38 | -7,75 |
| Nikkei 225 | 10.473,09 | -4,25 |
| S&P 500 Zert. | 10,69 | -5,15 |
| Euro/Dollar | 1,35 | -1,11 |
| Bund Future | 116,98 | +0,66 |
| Gold | 858,35 | +2,82 |
| Öl | 86,68 | -6,11 |
@ Gordian Hense (Klar_und_hell) Herr Hense, ich zitiere Sie:
22:05Verfallsmöglichkeit des Wissens? Zugangsschwierigkeiten?
21:37