02. Februar 2007 Was die in der jüngeren Vergangenheit immer stärker auftretenden Spam-Mails anrichten können, legt der Verlauf der Notierung der EECH nahe, das sich als Emissionshaus für erneuerbare Energien versteht, aber auch im Kunst- und Immobilienhandel tätig und an einem Yachtbauer beteiligt ist. Die Aktie des ehemaligen Windparkprojektierer, der früher P&T Technology hieß, verzeichnete am Mittwoch einen Kurssprung von 61 Cent auf 1,29 Euro.
Hintergrund war offenbar eine Spam-Mail, die Kursgewinne der Aktie des Unternehmens bis Dezember 2007 in Aussicht stellt. EECH selbst distanziert sich davon. Das Unternehmen sei weder Urheber, Auftraggeber noch Versender der E-Mails und bedauere die Unannehmlichkeiten der betroffenen Empfänger.
Rückzahlung der Anleihen gefährdet?
Die deutlichen Worte sind verständlich, denn EECH hat seit Monaten genug Ärger mit Anlegerschützern, denen die Anleiheemissionstätigkeit des Unternehmens suspekt ist (siehe auch: Vorsicht bei der Art Invest 2006-Anleihe) und die davor oft warnten. Zwar ist EECH dagegen zum Teil gerichtlich vorgegangen und hat auch Erfolge erzielen können.
Dennoch warnte die Zeitschrift Finanztest am 16. Januar davor, dass die Rück- und Zinszahlungen für die Anleihen gefährdet seien. Dabei beruft sich das Magazin auf ein Gutachten, das die Kanzlei CLLB-Rechtsanwälte in München in Auftrag gegeben habe, wonach die finanzielle Lage der EECH AG angespannt und die Gesellschaft bereits überschuldet sei.
CLLB-Rechtsanwälte haben nach einer Pressemeldung des Bundes für soziales und ziviles Rechtsbewusstsein (BSZ) auch für Anleger der EECH mehrere Klagen beim Landesgericht Hamburg unter Berufung auf das Gutachten eingereicht. Es sei fraglich, ob die Aktiva der EECH ausreichten, die Verbindlichkeiten zu erfüllen.
Hohe Innenerlöse
Laut Gutachten habe die Gesellschaft im Jahr 2005 lediglich im Kunsthandel Umsätze erzielt, und zwar vor allem durch den Verkauf von Kunstgegenständen an verbundene Unternehmen. Nach einem Vermerk der Wirtschaftsprüfer der EECH hänge die Werthaltigkeit der bilanzierten Forderungen von 41,4 Millionen Euro von der zukünftigen Kapitalisierung der Schuldner ab, was die Zeitschrift Börse Online als schockierend bezeichnete.
Im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres entstammten die Umsatzerlöse von EECH wieder zum Großteil aus dem Handel mit Kunstgegenständen sowie dem Verkauf von Betriebsteilen an die Biltrain (vgl. auch Mantel-Spekulation treibt Biltrain-Aktie in die Höhe), an der EECH zu diesem Zeitpunkt mit 48,34 Prozent beteiligt war. Im selben Zeitraum verringerten sich die Zahlungsmittel im Unternehmen um 1,49 Millionen Euro auf 637.925 Euro, wobei immerhin 3,3 Millionen Euro an Zinsen gezahlt wurden.
Gleichwohl wies das Unternehmen im Berichtszeitraum einen Konzernüberschuss von 3,3 Millionen Euro nach einem Verlust von 2,65 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum aus, allerdings bei einer um rund 15 Prozent geringeren Gesamtleistung. Insbesondere die positive Entwicklung der Geschäftseinheiten Kunst und Direktvertrieb (gebündelt in der Beteiligung Biltrain) verlaufe viel versprechend, so dass kurz- und mittelfristig entsprechende Ergebnisbeiträge erwartet würden.
Sehr niedrige Eigenkapitalquote
Seit der Meldung über die Klageeinreichung gab es vom Unternehmen auch positive Meldungen. Zum einen wurde die Übergabe eines baureifen, 178 Megawatt-Windkraftprojekts an Iberdrola vermeldet. Allerdings haben die Spanier erst bei einem Teil von 86 Megawatt mit den ersten Bauabschnitten begonnen. Der Bau der zweiten Projekttranche soll in der ersten Jahreshälfte starten.
Zum anderen entwickele sich der Yachtbauer Grand Azur positiv und suche bereits nach zusätzlichen Werft-Kapazitäten, um die große Nachfrage nach seinen Yachten befriedigen zu können. Die Aufträge für die Modellreihe Grand Azur Classic 33 seien bis ins Jahr 2008 gesichert.
In beiden Fällen machte EECH keine Angaben zu Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn. Indes ist Grand Azur erst vor zwei Jahren gegründet worden, so dass sich das Ertragsvolumen der Minderheitsbeteiligung wohl in Grenzen halten dürfte, sofern nicht Anlaufkosten Gewinne aufzehren.
Alles in allem ist ein Engagement bei EECH nur für risikofreudige Investoren geeignet, nicht zuletzt weil die Bilanz mit einer Eigenkapitalquote von 3,2 Prozent zum 30. Juni 2006 äußerst stark gehebelt ist. Gewinnrücklagen von 52.680 Euro und einem gezeichneten Kapital von 4,17 Millionen Euro stehen langfristige Verbindlichkeiten von 63,24 Millionen Euro gegenüber.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET
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