Anleihemarkt

Anleihen senden neue Kaufsignale

03. März 2003 Es ist kaum zu glauben! Aber die Rally am Rentenmarkt geht weiter. Und ein Ende ist noch nicht im Sicht. Legt man die Charttechnik zu Grunde, muss sogar von neuen Kaufsignalen gesprochen werden. Denn neben den seit Wochen unverändert gut laufenden euopäischen Anleihen präsentieren sich jetzt auch US-Anleihen wieder in Bestform.

Diese hatten sich zuletzt eine Auszeit genommen, doch nun sind die Renditen wieder in Regionen gesunken, die rein charttechnisch gesehen den Weg frei machen für noch tiefere Renditen. So sind zweijährige US-Anleihen zuletzt mit 1,51 Prozent auf den tiefsten Stand seit einem halben Jahrzehnt gefallen.

Irak-Konflikt ein bestimmendes Thema

Zum Wochenauftakt deutet sich nun zwar eine kleine Verschaufpause an. Denn die jüngsten Entwicklungen in der Irak-Krise werden so gedeutet, dass ein Krieg zumindest zeitlich etwas aufgeschoben werden könnte. Nach wie vor sind aber die Kriegsangst und die damit verbundene Sorge vor einen erneuten Rückfall in die Rezession die Hauptstützen für den Rentenmarkt.

Steve Mansell, Anleihenstrategen bei BNP Paribas, glaubt deshalb auch: „Wenn militärische Aktionen hinausgezögert werden, wird das die US-Anleihen treffen, da die Kurse derzeit praktisch nur von der politische Seite dominiert werden.“ Und Desmond Soon, Anleihenfondsmanager bei Pacific Asset Management, ergänzt nach der Zerstörung erster Raketen durch den Irak: „Die letzten Züge bei diesem Schachzüge haben die Gefahr eines Krieges etwas verringert.“

Bund-Future hat einen Lauf

Bisher war es aber so, dass der Rentenmarkt selbst wenn wie zuletzt einige Konjunkturdaten in den USA besser ausfallen als erwartet, dann hat dies der Markt gut verkraftet. Dies zeigt deutlich, dass die Anleger derzeit in den Rentenmärkten ganz einfach einen Hort der Stabiltität sehen. Das geht soweit, dass auch durchaus bestehende Risiken, wie etwa eine jederzeit denkbare Korrekturbewegung, weitgehend ignoriert werden.

Diese „Betriebsblindheit“ kann zwar irgend wann sicher einmal zu eine herben Korrektur und folglich zu deutlichen Kursverlusten führen. Doch solange der Irak-Konflikt schwelt, scheint dieses Szenario noch kein Thema zu sein. Zumindest sprechen die Charts aktuell eine andere Sprache. So notiert der Bund-Future am Montag trotz kleinerer Tagesverluste mit 116,52 Prozent praktisch auf Kontrakthoch. Alleine in diesem Jahr hat er damit schon glatte 300 Basispunkte zugelegt. Im Tief ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen dadurch schon bis auf 3,86 Prozent gefallen.

Europäische Titel hinken noch hinterher

Die damit verbundene günstige charttechnische Ausgangslage basiert fundamental betrachtet auch auf der Hoffnung weiterer Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank. Geht es nach der Einschätzung der Volkswirte, dann wird der Leitzins schon in dieser Woche ein weiteres Mal gesenkt werden. Mehrheitlich wird sogar mit einem großen Zinsschritt, also einer Senkung um 50 Basispunkte gerechnet.

Hinter dieser erwarteten Zinssenkung steht als alles überragender Faktor für die Rentenmärkte natürlich die schwache Konjunktur. Diese würde vermutlich auch ohne Irak-Krieg dazu führen, dass die Renditen auf rekordniedrigen Niveaus tendieren. Ein in den vergangenen Jahren sehr erfolgreicher Rentenfondsmanager, der nicht namentlich genannt werden will, sieht die Rally weiter intakt: „Der Aufschwung wird vermutlich weiter gehen. Korrekturen sind zwar auch jederzeit drin, aber die strukturellen Ungleichgewichte sprechen für anhaltenden Schwung“, lautet sein Fazit.

Speziell für die europäischen Anleihen leitet er weiteres Potenzial auch aus einen Quervergleich ab. So seien die Renditen der langfristigen Staatsanleihen in den USA, in Japan und in der Schweiz bereits unter ihre zum Jahreswechsel 1998 erreichten Tiefs gefallen, die vergleichbaren europäischen Titel aber noch nicht. Angesichts der schwierigen konjunkturellen Ausgangslage in Europa mache diese Ausnahmestellung aber keinen echten Sinn, so dass mit einem Nachziehen der europäischen Titel zu rechnen sei.


Die beiden Charts zeigen in dieser Reihenfolge die Kursentwicklung der zehnjährigen deutschen und der US-Staatsanleihen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder



Text: @JüB

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