07. Juli 2008 Zukäufe sind immer eine zweischneidige Sache. meistens steigt der Aktienkurs eines Objekts, während der des handelnden Unternehmens etwas nachgibt. Derzeit sind die Börsenzeiten nicht wirklich normal und von etwas nachgeben kann beim Aktienkurs des im MDax notierten Gesundheitskonzerns Fresenius am Montag keine Rede sein. Um fast zehn Prozent gibt dieser nach.
In die andere Richtung dagegen bewegen sich die Preise der Kreditversicherungen und erreichten auf diese Weise den höchsten Stand in fast vier Monaten. 42 Basispunkte verteuerten sich die Prämien, mit denen das Risiko der zugrundeliegenden Anleihen gehandelt wird.
Günstiger Zeitpunkt
Das ist zwar nicht viel, vergleicht man es etwa mit den 1781 Basispunkten um die die Prämien für den Kammerjäger und Gartenbaudienst Service-Master anzogen. Es zeigt indes, wie die Übernahme am Rentenmarkt eingeschätzt wird.
Mit der Übernahme von APP Pharmaceuticals für rund 3,7 Milliarden Dollar in bar will Fresenius das Infusionsgeschäft stärken. APP ist nach Angaben von Fresenius einer der führenden nordamerikanischen Hersteller von intravenös verabreichten Arzneimitteln. Der Umsatz mit intravenös verabreichten Generika im Geschäftsbereich Fresenius Kabi mache derzeit etwa 400 Millionen Euro aus, APP komme mit Erlösen von 650 Millionen Dollar hinzu.
Der Zeitpunkt der Übernahme sei unter anderem wegen der derzeitigen Dollarschwäche günstig gewesen, sagte Vorstandschef Ulf Schneider. Die Transaktion soll Ende 2008 oder Anfang 2009 abgeschlossen sein. Fresenius erwartet, dass sie sich 2009 neutral und von 2010 an deutlich positiv auf das Ergebnis pro Aktie auswirken wird.
Auswirkungen auf die Ratings minimieren
Nichtsdestotrotz sprechen Marktteilnehmer zum Teil von einer teuren Übernahme. An den Anleihemärkten kommen auch offenbar die Aussagen zur Finanzierung nicht gut an. Zwar will Finanzvorstand Stephan Sturm Details zur Finanzierung erst in den kommenden Tagen bekannt geben, einige Eckpunkte nannte er aber doch.
Geplant sei eine Mischung aus Eigen- und Fremdfinanzierung. Der weitaus größere Teil der Aufwendungen solle über Fremdkapitalinstrumente finanziert werden. Die Relation von Nettoverschuldung zu operativem Ergebnis soll bis 2010 wieder auf ein Niveau von 2,5 bis 3,0 zurückgehen. Im ersten Quartal hatte der Faktor 2,6 betragen, zwischenzeitlich dürfte diese aber merklich steigen. Dabei sollen laut Sturm aber die Auswirkungen auf die Ratings minimiert werden.
Gleichzeitig sei aber mit Blick auf die Aktionäre klar, dass der Gewinn durch die gleichfalls geplante Kapitalerhöhung nicht beliebig verwässert werden dürfte, meint Schneider. Einen Börsengang von Kabi lehnt das Unternehmen kategorisch ab.
Anleihen seit einiger Zeit unter Druck
Die im Januar 2013 sowie 2016 fälligen Fresenius-Anleihen mit Kupons von 5,0 bzw. 5,5 Prozent stehen bereits seit Ende Mai deutlich unter Druck. Das ist zum einen marktbedingt. Zum anderen aber sagte Schneider auch seinerzeit dem Handelsblatt, man sei auch nach der Ende April erfolgten Mehrheitsübernahme der indischen Dabur Pharma weiter an Zukäufen interessiert und werde diese fremdfinanzieren. Die Verschuldungskapazität sei noch nicht ausgelastet, das Kapital könne noch weiter erhöht werden.
Noch kurze Zeit zuvor hatte Die Rating-Agentur Moody's ihre Bonitätsnote für den Konzern von Ba2 auf Ba1 angehoben und Standard & Poor's den Ausblick für die Ratings auf positiv von zuvor stabil angehoben. S&P hatte dies mit den Schuldenverbesserungsmaßnahmen des Unternehmens begründet. Dies dürfte bei der Wendung im Kursverlauf eine Rolle gespielt haben. Schließlich suggeriert das zeitliche Zusammentreffen eine nicht-optimale Kommunikation mit den Rating-Agenturen. Darüber hinaus dürfte sich auch der Machtkampf im Aufsichtsrat nicht eben positiv auf die Kurse ausgewirkt haben (Machtkampf: Streit im Hause Fresenius).
Mit Kursverlusten von 2,35 bzw. 1,6 Prozent gehören die beiden Renten an der Börse Stuttgart zu den größten Tagesverlierern, gemeinsam mit Anleihen unter Druck stehender Unternehmen wie General Motors, GMAC oder Stora Enso.
Absage an weitere Übernahmen könnte zur Beruhigung beitragen
Die Rendite der Anleihen ist damit auf 7,35 bzw. 7,4 Prozent geklettert. Dennoch handeln sie nicht unbedingt billig. Die im Juni 2014 fällige Anleihe von Europas führendem Schnittholzproduzenten Stora Enso rentiert nach einer jüngsten Herabstufung auf Ba1 zu 8,2 Prozent.
Indes werden Anleihen längst nicht streng nach aktuellem Rating gehandelt. Stora Enso erwägt zum Jahresende eine dauerhafte Kapazitätsverringerung, nachdem man unlängst eine Gewinnwarnung herausgab. Der Anstieg der Holzausfuhrzölle habe in Finnland viele Maschinen und selbst Fabriken unrentabel gemacht.
Den Fresenius-Anleihen zugute kommen könnte daher, dass nach Aussage von Schneider derzeit keine weiteren Übernahmen zu erwarten seien. Im Vordergrund stehe nun vielmehr die Integration von APP. Indes dürfte die Erholung etwas auf sich warten lassen, zumindest bis die Details der Belastungen deutlich werden und auch das Urteil der Rating-Agenturen dürfte noch abgewartet werden. Wer indes darauf spekulierte, dass Fresenius in absehbarer Zeit ein Investment-Grade-Rating erhalten könnte, muss wohl noch etwas länger warten.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: F.A.Z., Fresenius SE
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.801,06 | +5,65 |
| TecDax | 570,55 | +10,41 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.556,73 | +5,57 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 9,30 | +5,32 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,01 |
| Bund Future | 114,50 | -0,15 |
| Gold | 864,15 | +1,98 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |