Anleihemarkt

Nach der ersten Zinserhöhung fallen die Anleihenkurse in der Regel

07. Juli 2004 Eine Woche ist es nun her, daß sich die amerikanische Notenbank nach einer langen Anlauf- und Vorbereitungsphase endlich dazu durchgerungen, mit einer Erhöhung der Leitzinsen die Wende im Zinszyklus einzuläuten. Doch an den Rentenmärkten hat dieser Schritt keinen Schock mehr ausgelöst. Ganz im Gegenteil: Da der Beschluß allgemein erwartet worden war, war anschließend sogar eine gewisse Erleichterung zu spüren.

Die weitaus schwächer als erwartet ausgefallenen Arbeitsmarktdaten in Amerika vom vergangenen Freitag taten dann ein übriges, um am Rentenmarkt sogar eine kleine Rally ins Laufen zu bringen. Seit vergangenen Dienstag, dem Tag der Zinsentscheidung also, haben sich die Renditen für zehnjährige amerikanische Staatsanleihen von 4,66 Prozent bis auf 4,45 Prozent im Tief zurückgebildet.

In der Regel steigen die Renditen zwischen der ersten und zweiten Zinsanhebung

Angesichts der erwähnten Umstände kommt diese Bewegung zwar nicht vollkommen überraschend. Erstaunlich wäre es aber, zumindest historisch betrachtet, wenn dieses Verhaltensmuster Bestand haben sollte. In der Vergangenheit war es nämlich in der Regel so, daß sich in der Phase zwischen der ersten und der zweiten Zinserhöhung per saldo Kursverluste am Rentenmarkt einstellten.

Beim Blick zurück bis in das Jahr 1980 haben die Analysten beim Analyse-Haus Ned Davis Research jedenfalls herausgefunden, daß die T-Bonds in den seitdem zu beobachtenden vier Zinserhöhungsphasen im Schnitt zwei Prozentpunkte an Wert eingebüßt haben. Die Verluste wären sogar noch größer, wenn es im Zuge des Crashs am Aktienmarkt im Jahr 1987 trotz der Zinsanhebungen nicht zu einem Ansturm der Anlagegelder auf den sicheren Anleihehafen gekommen wäre.

Werden die unterschiedlichen Laufzeiten mit in die Betrachtung einbezogen, zeigt sich, daß die Renditen der dreißigjährigen Anleihen im Schnitt um 35 Basispunkte gestiegen sind und damit stärker als die Renditen der zehnjährigen Anleihen, die um durchschnittlich 24 Basispunkte kletterten.

Historische Daten keine Gewähr für die Zukunft

Interessant an der Auswertung von Ned Davis Research ist im übrigen auch, daß die Euro-Dollar-Futures in allen vier Phasen nachgegeben haben - und zwar im Schnitt um 0,9 Prozent.

Wie immer bei derartigen Auswertungen gibt es natürlich keine Gewähr dafür, daß sich die in der Vergangenheit zu beobachtenden Tendenzen wiederholen werden. Das ist leicht nachzuvollziehen, schließlich gestalten sich auch die fundamentalen Rahmendaten stets etwas unterschiedlich. Gewisse Rückschlüsse lassen solche historischen Betrachtungen aber dennoch zu, oder sie geben zumindest Gedankenanstöße.


Der Chart zeigt die Entwicklung der Rendite der zehnjähirgen amerikanischen Staatsanleihen.



Text: @JüB

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