Von Kerstin Papon
08. Juli 2008 Steigende Leitzinsen zahlen sich auch für die Sparer aus - zumindest in der Tendenz, aber meistens leider nicht sofort. Einen Tag nach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), den Leitzins im Euro-Raum um 25 Basispunkte auf nun 4,25 Prozent zu erhöhen, gibt es aus den Banken erste Reaktionen. Beispielsweise verkündete die isländische Kaupthing Bank am Freitag, den Zinssatz für Festgeld mit zwölf Monaten Laufzeit um ebenfalls 25 Basispunkte auf 5,45 Prozent zu erhöhen.
Manche Geldinstitute hatten den Zinsschritt, der von den meisten Finanzauguren erwartet worden war, schon vorweggenommen. Zum Beispiel die Norisbank: Sie hatte den Zinssatz für jederzeit verfügbare Einlagen auf ihren Tagesgeldkonten schon am 1. Juli angehoben. Die meisten Banken beraten allerdings noch über die Anpassung der Zinssätze für die Termin- und Spareinlagen ihrer Kunden. Die Comdirect Bank werde die Zinsen der kurzfristigen Geldanlageformen erhöhen, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Allerdings könne man noch nicht genau sagen, wann die Erhöhung komme und wie hoch sie sein werde.
Günstige Refinanzierung
Die Zinsänderungen der Banken sind nicht fest mit dem Tag der EZB-Entscheidung verbunden, erläutert Max Herbst von der FMH-Finanzberatung: Die Institute reagieren vielmehr auf das, was der Markt verlangt und was die Konkurrenz macht. Bleiben ihnen die Kunden erhalten, dann müssen sie ihre Zinsen auch nicht erhöhen. Anders ist dies bei zunehmender Wechselbereitschaft. Denn die Banken benötigen die Einlagen der Sparer, um sich vergleichsweise günstig zu refinanzieren. Sie reichen die Mittel zu weit höheren Zinsen an andere Kunden in Form von Krediten weiter.
Wir passen unsere Zinsen häufiger an, sagt beispielsweise André Kauselmann, Sprecher der ING-Diba-Bank. Man beobachte ständig die - je nach Anlageform maßgeblichen - Zinssätze am Kapitalmarkt, daher sei der eigentliche EZB-Schritt nur indirekt relevant. ING-Diba beabsichtigt in den nächsten Wochen, die Zinssätze für Festgeld um durchschnittlich 25 Basispunkte anzuheben - abhängig von der Laufzeit und der Anlagesumme.
1,5 Prozent und weniger
Nach Ansicht von Herbst ist eine Verbesserung der Konditionen für viele Institute wie die indische Bank ICICI nicht unbedingt notwendig, da ihre Zinssätze deutlich über dem Marktdurchschnitt lägen. Für Tagesgeld beträgt der Durchschnitt, gemessen am FMH-Index, der aus Daten der etwa 80 befragten Banken errechnet wird, 3,27 Prozent. Manche Konditionen gelten nur für Neukunden und zugleich nur für eine begrenzte Zeit. Doch viele Anleger geben sich mit schlechten Zinskonditionen zufrieden.
Der niedrigste Tagesgeldzins für eine Anlagesumme von 5000 Euro liegt unter den von der FMH-Finanzberatung erfassten Banken aktuell bei 1,50 Prozent. Mit Sicherheit gibt es bei den regionalen Banken wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken Anbieter, die diese Zinssätze noch unterbieten, sagt Herbst. Von diesen kleineren Instituten gebe es in Deutschland Tausende: Größere Banken werben aggressiver um Kunden und nutzen attraktive Zinsen, um später in anderen Geschäftsbereichen zu profitieren.
Achten auf die Einlagensicherung
Ein Vergleich lohnt sich also für Anleger - und möglicherweise auch der Wechsel der Bank. Doch so verlockend sich viele Zinsangebote anhören, sie dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Geld auf der ganzen Welt zur Zeit merklich weniger Wert wird. Das ist auch der Grund für die steigenden Leitzinsen.
Im Euro-Raum lag die Inflationsrate im Juni nach jüngsten Schätzungen bei 4 Prozent. Mit Zinssätzen, die darunter liegen, ist also nicht einmal mehr der Gelderhalt gewährleistet. Sind die Freibeträge überschritten, dann unterliegen die Zinsen zudem der Besteuerung. Herbst rät Anlegern zu gut verzinstem Festgeld: Hier sind die Zinssätze meist höher als bei Tagesgeld. Festgeld ist überdies häufig steuerlich vorteilhafter. Bei einer Laufzeit von mindestens sechs Monaten werden die Zinsen erst 2009 fällig. Sie unterliegen dann nur der Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent.
Doch hohe Zinsen sind nicht alles. Die Einlagen der Kunden sollten sicher sein. Bei manchen Banken sind sie im Fall einer Insolvenz nur bis zu einem vergleichsweise geringen Betrag gesichert, wie bei Kaupthing. Die Niederlassung der isländischen Zentrale bietet zwar die besten Tages- und Festgeldsätze im Markt, doch die Kundengelder sind jeweils nur bis etwa 21000 Euro durch die Einlagensicherung abgedeckt. Komfortabel dürften sich dagegen die meisten Anleger bei ICICI fühlen: Hier sind bis zu 1,5 Millionen Euro je Kunden über den Sicherungsfonds der Banken gegen den Konkursfall geschützt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
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