Staatsanleihen

Bulgarische Anleihen trotz Höherstufung nicht attraktiv

03. März 2006 Die Musik auf den Finanzmärkten spielt in den Schwellenländern. Das gilt für Aktien und Anleihen gleichermaßen. das Wirtschaftswachstum ist höher, die öffentlichen Finanzen auch nicht mehr so verheerend wie sie einmal waren und überhaupt zeigen sich die Staaten wesentlich zukunftsträchtiger als die depressiven Nationen Westeuropas.

Das geht auch nicht spurlos an den Einstufungen der Schulden dieser Länder durch die internationalen Rating-Agenturen vorbei. Nachdem Standard & Poor's im Dezember den Status der russischen Fremdwährungsanleihen auf „BBB“ angehoben hatte, waren diesmal Moody's und Bulgarien an der Reihe.

Schuldenmanagement verbessert Beitrittsaussichten

Die Ratingagentur hat die Bonitätsnote des Balkanstaats auf „Baa3“ angehoben. Dies ist um so bedeutender, als Bulgarien damit der Rang eine investmentwürdigen Staates verliehen wird. Bislang lautete das Urteil „Ba1“ und erkannte den Papieren somit Risiko-Status zu. Indes hat Moody's damit nur nach vollzogen, was die anderen Rating-Agenturen bereits vorwegnahmen. Fitch und Standard & Poor's hatten Bulgarien bereits im Jahr 2004 auf Investmentstufe gehoben.

Hintergrund der Höherstufung ist ein aktives Schuldenmanagement. Bulgarien hatte im Juli 2005 Brady-Bonds im Volumen von 4,27 Milliarden Euro zurückgezahlt und im Dezember weitere 177 Millionen Euro an Krediten bei der Weltbank und dem Internationalem Währungsfonds vorzeitig getilgt .

Damit haben sich nach dem Dafürhalten der Moody's-Analysten die Aussichten für den EU-Beitritt des Landes verbessert und somit auch seine Kreditwürdigkeit. Bulgariens Wirtschaft wächst seit zwei Jahren mit einer Rate von über fünf Prozent pro Jahr.

Finanzen besser als die der meisten Euro-Länder

Die Staatsverschulung bezifferte das Finanzministerium Ende Dezember auf 32,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zum Vergleich: die Maastricht-Kriterien begrenzen die Staatsverschuldung auf 60 Prozent des BIP. Von den zwölf Euro-Ländern wiesen im vergangenen Jahr nur Irland und Luxemburg eine niedrigere Verschuldungsquote auf.

„Die finanzielle Lage des Staates und die Qualität seiner Institutionen haben jetzt ein Niveau erreicht, das es ermöglicht, Bulgarien auf Investmentstufe zu setzen“, erläutert Moody's. Seit zwei Jahren verzeichnet das Land einen Haushaltsüberschuß, in diesem Jahr soll er drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreichen.

Auf der Sollseite sieht Moody's dagegen ein sich ausweitendes Leistungsbilanzdefizit, das im vergangenen Jahr 14,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichte. Bulgarien werde „verletzlich bei Schocks und raschen Veränderungen in der Stimmung der Investoren.“ Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit solcher Schocks gering.

Anleihen bereits hoch bewertet

So positiv die Höherstufung für Bulgarien ist, für die Anleihen des Landes blieb sie letztlich von geringer Bedeutung. Denn die Papiere haben die Bewertung längst vorweggenommen. Zwar gibt es zu den beiden bulgarischen Papieren keine direkten Vergleichsobjekte. Doch Panama-Bonds, die bisher von Moody's gleich eingestuft wurden, rentieren trotz halb so langer Restlaufzeit deutlich höher. Und auch eine marokkanische Euro-Anleihe mit erheblich niedrigerer Laufzeit rentierte nur 14 Basispunkte unter der Euro-Anliehe Bulgariens.

Kein Grund also, sich auf bulgarische Anleihen zu stürzen. Im Gegenteil: der südafrikanische Euro-Bond mit einer Restlaufzeit von 2,1 Jahren und einem immer noch um zwei Stufen besseren Moody's-Rating. Ähnliches gilt für die bulgarische Dollar-Anleihe und vergleichbare Papiere aus Chile und Mexiko.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

 
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