Von Ben Steverman
14. März 2008 Anleihen sind in der Regel der langweiligste Teil des Portfolios eines Investors. Während Aktien im Rampenlicht stehen, bringen sie kleine, wenn auch regelmäßige Erträge. Nicht so jedoch in der jüngsten Zeit, nicht seitdem die Sorgen um Subprime-Hypotheken eine internationale Finanzkrise auslösten.
Die Krise hat sich derart ausgeweitet, dass sie in den Vereinigten Staaten zu einer Rezession führen könnte. Infolgedessen hat die Federal Reserve die Zinssätze immer wieder gesenkt und wird sie aller Voraussicht nach erneut zurücknehmen, wenn ihr die Strategie festlegendes Komitee am 18. März zusammentritt.
Während auf den Kreditmärkten weiter Unruhe herrscht, fragte BusinessWeek.com Experten für Festzinsanlagen: Wo können Investoren sichere Erträge erzielen, wenn doch die Zinsen fallen und viele Bereiche der Kreditmärkte nach wie vor riskant erscheinen?
Hier sind fünf Ratschläge:
1. Meiden Sie Staatsanleihen.
Sicher, Staatsanleihen sind die sicherste Anlage. Aber in unruhigen Zeiten sind sie nach Ansicht von Experten etwas zu beliebt. Sie sind teuer geworden und ihre Erträge eher dürftig.
Amerikanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren bringen eine Rendite von ungefähr 1,6 Prozent. Die heutigen Renditen deuten darauf hin, dass wir eine Zeit lang in einer Rezession sein werden., so Joe Balestrino, Stratege des Festzinsmarktes bei Federated Investors.
Solange der wirtschaftliche Abschwung nicht besonders heftig und unangenehm ist, werden entsprechende Anleihen sich auch nicht bezahlt machen.
2. Ziehen Sie Muni-Bonds in Erwägung, und zwar trotz der Krise bei Anleiheversicherern.
Kommunalobligationen waren kürzlich in den Nachrichten aufgrund der mit den Subprime-Krediten zusammenhängenden Schwierigkeiten vieler Firmen die Anleihen versichern,. Die Sorge um Anleiheversicherer hat den Markt für Munis zerstört, was zum einen manche Unternehmen dazu zwang, ihre Muni-Bestände zu verkaufen, und zum anderen Investoren dazu bewegte Abstand zu nehmen von dem Markt der typischen Wertpapiere die Steuervorteile bieten.
Munis sind alle von dem kommunalen Versicherungsdebakel gezeichnet, so James King, Vorsitzender und oberster Anlageberater der National Penn Investors Trust Company.
Doch das ist nicht ganz fair. Aufgrund der Absicherung durch die Steuerbehörden von Städten, Bundesstaaten und anderen Regierungsstellen, gelten Kommunalobligationen als fast genauso sicher wie Bundesanleihen. Ironischerweise sind diese Gemeinden finanziell weitaus besser abgesichert als die Unternehmen, die ihre Anleihen absichern.
Da bei Gemeinden nur geringe Ausfälle drohen, betreffen die Schwierigkeiten der Versicherer nur einen kleinen Teil des Muni-Marktes, nämlich die riskanteren Anleihen, die von kleineren Körperschaften, wie Krankenhäusern oder Wohnungsbauprojekten ausgegeben werden.
Nach Meinung von Experten können auf dem Muni-Markt todsichere Renditen zu historisch niedrigen Preisen erzielt werden. Ferner bieten Munis fast allen Investoren Steuervorteile. Diese werden an Bedeutung gewinnen, wenn die Steuersätze steigen. Bei einer gut bewerteten Muni erhalten Sie derzeit eine fantastische Rendite, sagt Micah Porter, Finanzplaner und Vorsitzender der in Atlanta ansässigen Minerva Planning Group.
3. Inflation ist kaum zu besiegen.
Vom Finanzministerium gegen Inflation abgesicherte Wertpapiere (Treasury Inflation-Protected Securities - TIPS) sind bundesstaatliche Schatzbriefe, die darauf ausgelegt sind, der Inflation standzuhalten. Wie normale Schatzbriefe gewannen TIPS an Beliebtheit, als Investoren beobachten konnten, dass insbesondere die Preise von Nahrungsmitteln und Energie schnell stiegen. Der veröffentlichte Konsumentenpreisindex stieg im vergangenen Jahr um 4,3 Prozent und stellte einen tiefen Einschnitt in die effektive (inflationsbereinigte) Rendite ihrer Anlagen dar.
All die Inflationsängste führten jedoch dazu, dass TIPS heutzutage auf einem Niveau gehandelt werden, das nach Ansicht von Experten im Bereich festverzinslicher Anlagen unangemessen ist. Investoren sind so sehr um die Inflation besorgt, dass sie TIPS auf Minimalrenditen herunterhandeln., so Porter.
Was können Investoren sonst gegen die Inflation machen? Nicht viel. Zu den Möglichkeiten die sie haben gehören nachschüssige, inflationsbereinigte Annuitäten, Anleihen, deren Erträge an die Rohstoffpreise gekoppelt sind, oder die Investition in Aktien statt in Anleihen. Doch jeder dieser Ansätze hat auch seine Nachteile. Experten halten die Sorgen um die Inflation für überzogen, insbesondere in Anbetracht der fallenden Preise auf dem Wohnungsmarkt und der sich verlangsamenden Wirtschaft . Eine Finanzkrise ist ein deflationäres Umfeld., so Robert Millikan, Direktor des Bereichs Festzinsanlagen bei BB&T Asset Management.
4. Hypotheken sind nichts grundsätzlich Schlechtes
Die Subprime-Krise führte dazu, dass Investoren vor Hypothekenanlagen zurückschreckten. Hypothekarisch besicherte Verbindlichkeiten stellen jedoch einen großen Teil (rund 40 Prozent) des Schuldenmarktes dar und der größte Teil derselben ist relativ sicher. Sollte sich die Wohnungsbaukrise verschärfen, könnten sich die Probleme ausweiten. Durch eine sorgfältige Auswahl können Investoren jedoch durch extrem hochwertige Hypotheken abgesicherte Kredite zu einem attraktiven Zinssatz auflesen.
Für hypothekarisch gesicherte Kredite und für fast alle Anleihen ist es nach Ansicht von Francis Mustaro von J. & W. Seligman wahrscheinlich am geschicktesten, Rentenfonds statt einzelner Sicherheiten zu erwerben. Im Allgemeinen bieten Anleihefonds den Vorteil der Risikostreuung und sie sind leichter zu erwerben und zu verkaufen als einzelne Sicherheiten. Nach Ansicht von Mustaro sollte man jedoch darauf achten, dass der jeweilige Fondsmanager keine riskanteren Anleihen erworben hat als in den Fondsanzeigen angegeben ist.
Ein Problem des Hypothekenmarktes waren hoch komplizierte Wertpapiere, die anscheinend von nur sehr wenigen Investoren und erfahrenen Kreditinstituten verstanden werden. Halten Sie sich an einfache und herkömmliche hypothekarisch gesicherte Kredite. Lassen Sie die Finger von Sicherheiten, deren Struktur Sie nicht verstehen., sagt King.
5. Von Unternehmen aufgenommenes Fremdkapital bietet möglicherweise gute Renditen. Seien Sie aber vorsichtig!
Eine weitere Möglichkeit, hohe Erträge zu erzielen, ist nach Ansicht von Experten im Bereich festverzinslicher Anlagen das von Unternehmen aufgenommene Fremdkapital. Wenn Sie Risikoträger sind, bieten nach Ansicht von Bill Larkin von Cabot Money Management Finanzunternehmen, insbesondere Banken, hohe Renditen. Larkin hält sich jedoch wie fast alle Manager von Festzinsanlagen solange fern von Finanzunternehmen, bis die Kreditkrise überstanden ist.
Auch außerhalb des Finanzsektors zahlen gesunde Unternehmen mit soliden Bilanzen attraktive Zinsen. Larkin begeistert sich beispielsweise für Verbindlichkeiten von Eisenbahngesellschaften, die von den hohen Spritpreisen profitieren könnten. King zieht Industriebetriebe in Betracht, die erfahrungsgemäß ihre Schulden rechtzeitig und voll zurückzahlen.
Millikan warnt jedoch davor, dass der Beginn der wirtschaftlichen Verlangsamung möglicherweise der falsche Zeitpunkt ist, um in Unternehmensanleihen zu investieren. Wir wissen, dass sich die Kreditqualität verschlechtern wird, sagt er, Es ist noch zu früh.
Seit Beginn der Kreditkrise durchlebte der Festzinsmarkt eine harte Zeit. Sie traf Investoren und zwang viele Kreditinstitute dazu sogar ihre guten Anlagen zu verkaufen. Alle flüchteten in sichere Staatsanleihen, sagte King. Und alles andere wurde zurückgelassen.
Das bedeutet, dass sich Möglichkeiten für langfristige Investoren ergeben, die bereit sind, vor dem Hintergrund der auf dem Kreditmarkt um sich greifenden Ängste ein etwas höheres Risiko einzugehen.
Ben Steverman ist Reporter für den Business Week Investing Channel.
Text: BusinessWeek Online
Bildmaterial: @unit
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