Von Claus Tigges und Stefan Ruhkamp
14. August 2008 Auf den Kreditmärkten wird seit einigen Tagen auf eine weitere Verschärfung der Krise der amerikanischen Finanzierungsagenturen spekuliert. Wie ernst die Lage ist, lässt sich an den Preisen für Absicherungsgeschäfte ablesen. Noch nie war es so teuer, nachrangige Forderungen gegen Fannie Mae oder Freddie Mac per Derivat abzusichern. Eine Versicherung für eine nachrangige Forderung über 10 Millionen Dollar kostet für eine Laufzeit von fünf Jahren derzeit knapp 280.000 Dollar im Jahr oder 2,8 Prozent der versicherten Summe. Das ist ein alarmierend hoher Wert, wie er selbst in der Finanzkrise allenfalls bei bedrängten Investmentbanken vorkommt.
Für Fannie und Freddie gibt es freilich schon den Plan für ein rettendes Eingreifen des amerikanischen Staats. Es ist die schiere Größe, die das Überleben der beiden Agenturen unerlässlich macht. Sie halten oder garantieren Hypothekenanleihen im Wert von mehr als 5000 Milliarden Dollar. Die Ratingagentur S&P schreibt, das von den Agenturen ausgehende Risiko für die Bonität der Vereinigten Staaten sei größer als die fiskalischen Auswirkungen der Rettungsaktion für Bear Stearns. Auch international würde eine Schieflage von Freddie und Fannie riesige Wellen schlagen, denn ein großer Teil ihrer Wertpapiere werden in Japan (1200 Milliarden Dollar) und China (920 Milliarden Dollar) gehalten.
Kein glaubwürdiges Argument
Scharfe Kritik am Rettungsplan der amerikanischen Regierung für Freddie Mac und Fannie Mae hat derweil der frühere Notenbankvorsitzende Alan Greenspan geäußert. Es wäre ein Fehler, einen Zusammenbruch der Gesellschaften durch Kredite oder den Kauf von Aktien mit dem Geld der Steuerzahler zu verhindern, sagte Greenspan dem Wall Street Journal. Einen solchen Plan von Finanzminister Henry Paulson aber habe der Kongress kürzlich abgesegnet. Sie hätten statt dessen die beiden Unternehmen verstaatlichen sollen in der Absicht, sie nach dem Zuschuss von Steuermitteln in fünf bis zehn überlebensfähige Gesellschaften aufzuspalten und diese an private Investoren zu verkaufen.
Greenspan hat während seiner Amtszeit davor gewarnt, dass das Geschäftsmodell von Freddie Mac und Fannie Mae, das zu einem immer größeren Einfluss auf dem Hypothekenmarkt geführt hat, die Finanzstabilität des Landes gefährde. Wegen der Größe der beiden Gesellschaften sei die Regierung nun zur Rettung verpflichtet. Freddie Mac und Fannie Mae seien nicht nur für den Fortbestand des angeschlagenen Hypothekenmarktes von entscheidender Bedeutung; nach der Rettung der Investmentbank Bear Stearns durch die Notenbank Federal Reserve im Frühjahr gebe es auch kein glaubwürdiges Argument mehr gegen eine Rettung von Freddie Mac und Fannie Mae.
Die Aktienkurse notieren auf Tiefständen
Finanzminister Henry Paulson hat kürzlich beteuert, dass es trotz der finanziellen Schwierigkeiten keine konkreten Pläne gebe, mit dem Geld der Steuerzahler etwa Aktien von Freddie Mac und Fannie Mae zu kaufen. Gleichwohl ist klar, dass Paulson zum Eingreifen prinzipiell bereit ist, denn er hat den Anstoß zu dem Gesetz gegeben, in dem der Rettungsplan abgesteckt ist. Wie bekannt geworden ist, hat Freddie Mac im zweiten Quartal rund 2,3 Millionen Dollar für Lobbyarbeit ausgegeben in dem Bemühen, das Gesetzgebungsverfahren im eigenen Sinne zu beeinflussen. Die beiden Gesellschaften haben seit Jahren Versuche erfolgreich abgewehrt, ihre Geschäftstätigkeit durch strengere Vorschriften und eine schärfere Aufsicht durch das Finanzministerium einzuschränken.
Auf den Märkten verdichtet sich nun die Spekulation, dass die Deckung durch den Staat gesichert, dies aber kein Freibrief für die Aktionäre und andere Kapitalgeber sei. Sie müssten - sollten sich die Verluste der Agenturen weiter ausweiten - im schlimmsten Fall mit einem Totalverlust rechnen. Diese Lesart spiegelt sich in den Kursen wieder. Die Aktienkurse der beiden Unternehmen notieren auf Tiefständen.
Die Absicherungskosten für nachrangige Forderungen schießen in die Höhe. Nimmt man sie als Maßstab für die Erwartungen der Investoren, ergibt sich eine vermutete Wahrscheinlichkeit von etwa 20 Prozent, dass Fannie Mae und Freddie Mac in den kommenden fünf Jahren ihre nachrangige Forderungen nicht mehr bedienen können. Zugleich sind die Sicherungskosten für erstrangige Forderungen, die nicht dem Eigenkapital zuzurechnen sind, auffallend stabil. Sie liegen rund 80 Prozent unter dem Niveau der Sicherungskosten für nachrangige Forderungen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
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Euro-Aktien-Index10.11.2009 17:35 |
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