24. November 2003 Ein Angebot von sieben Prozent Zinsen pro Jahr hört sich in Zeiten rekordtiefer Leitzinsen und Renditen verdammt gut an. Auch die weiteren Argumente, die man einem der Tageszeitung beiliegenden Faltprospekt entnehmen kann, hören sich gut an: lukrative Rendite während der gesamten Laufzeit von fünf Jahren, kein Kursrisiko, Inhaberpapier - also frei übertragbar, keine Haftung für Verbindlichkeiten der Gesellschaft, keine Kosten bei Erwerb, Eigenverwahrung und direkter Einlösung.
Die Rede ist von Inhaber-Teilschuldverschreibungen, die auf dem Wege der Privatplatzierung an den Mann oder die Frau gebracht werden sollen. Das sind eine Art von Unternehmensanleihen, die unter Umgehung von Banken und Börsen direkt bei Anleger platziert werden. Unternehmen können auf diese Art und Weise versuchen, ihre Geschäfte - beispielsweise eine Expansion oder ähnliches - zu refinanzieren, ohne bei Banken um Kredit betteln zu müssen.
Privatplatzierungen sind grundsätzlich möglich ...
An sich ist das ein völlig legitimer Vorgang und grundsätzlich möglich. Allerdings vermitteln solche Prospekte nicht selten ein optisch besseres Bild, als die Wirklichkeit ist. Stutzig machen muß alleine schon der im Vergleich mit relativ risikolosen Bundeswertpapieren oder einer Festgeldanlage überhöhte Kupon. Der deutet in der Regel auf ein gewisses Risiko hin, welches ein Anleger mit dem Kauf eines solchen Papieres eingehen muß. Das liegt in den unternehmerischen Risiken, die emittierende Unternehmen mit ihrer operativen Tätigkeit auf sich nehmen. Die entscheidende Frage ist damit, ob und wie solide das Unternehmen mit den eingenommenen Geldern wirtschaftet.
Ein entscheidender Unterschied zu börsengehandelten Unternehmensanleihen besteht darin, daß zumindest jene größerer Unternehmen von so genannten Ratingagenturen unter die Lupe genommen und bewertet werden. Der Anleger erhält auf diese Weise zumindest einen groben Anhaltspunkt dafür, wie hoch das Risiko ist, das er eingeht. Oder wie groß die Wahrscheinlichkeit einer Pleite ist, bei der er sein Geld verspätet, nur zum Teil oder überhaupt nicht mehr zurückerhält. Anleger müssen sich also unbedingt die Frage stellen, ob sie über die Kreditwürdigkeit des Unternehmens hinreichend informiert sind.
... allerdings sind sie mit Nachteilen und Risiken behaftet
Ein anderer Punkt ist das Kursrisiko. Wenn im Prospekt steht, es bestehe keines, so gilt das nur für jene Anleger, die tatsächlich die Absicht haben, das Papier bis zum Verfall zu halten. Während der Laufzeit muß es zumindest theoretisch bei einer Veränderung der Zinslandschaft zu Kursveränderungen kommen. Steigen die Zinsen, so wird das Papier während der Laufzeit weniger wert.
Dazu kommt dann das Liquiditätsrisiko. Der Anleger hält zwar ein Inhaberpapier, das er an andere Anleger verkaufen kann, wenn er plötzlich Geld benötigen sollte. Allerdings muß er erst einmal einen Käufer finden. Und selbst dann stellt sich die Frage, welchen Preis dieser zahlen möchte. Bei börsengehandelten Papieren ist das einfach, denn dort treffen Angebot und Nachfrage an der Börse aufeinander. Ein aktueller Kurs und damit der Wert läßt sich bei einigermaßen liquiden Papieren täglich an der Kurstafel ablesen.
Die Börse und damit der regelmäßige Handel bietet einen weiteren Vorteil: Die Kurse geben nicht nur Zinsveränderungen wider, sondern auch Informationen über den Geschäftsgang. Sollte es bei unveränderten Zinsen zu deutlichen Kursveränderungen kommen, so ist das ein möglicher Hinweis auf eine besonders gute Entwicklung oder ein Krisenzeichen. Auch auf solche Informationen muß ein Anleger verzichten, wenn er Unternehmensanleihen im Rahmen einer Privatplatzierung erwirbt.
Ingesamt dürften solche Papiere deutlich riskanter sein, als die schönen Prospekte unterstellen. Anleger sollten besser die Finger weglassen, es sein denn, sie sind über das Unternehmen wirklich sehr gut informiert.
Text: @cri
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.811,34 | +0,16% |
| TecDAX | 812,04 | −0,15% |
| MDAX | 7.365,35 | +0,21% |
| SDAX | 3.536,14 | +0,25% |
| REX | 377,20 | +0,01% |
| Eurostoxx 50 | 2.888,58 | +0,12% |
| Dow Jones | 10.452,00 | −0,47% |
| Nasdaq 100 | 1.798,21 | −0,60% |
| S&P500 | 1.107,93 | −0,55% |
| Nikkei225 | 10.083,50 | −0,22% |
| EUR/USD | 1,4544 | +0,05% |
| Rohöl Brent Crude | 72,08 $ | +0,33% |
| Gold | 1.122,00 $ | +0,18% |
| Bund Future | 122,51 € | −0,32% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index15.12.2009 13:00 |
1371,86 | 1344,74 | 1287,07 |
Performance-Index15.12.2009 17:35 |
303,77 | 297,10 | 281,55 |
Euro-Aktien-Index15.12.2009 17:35 |
143,01 | 140,67 | 129,15 |