Finanzkrise

200 Milliarden Euro an faulen Krediten

02. April 2008 Den deutschen Kreditinstituten machen nicht nur die inzwischen berüchtigten amerikanischen Hypothekenanleihen zu schaffen. Neben diesen Wertpapieren haben sie weiterhin in großem Stil auch notleidende Kredite in ihren Büchern: Nach Schätzung des Beratungsunternehmens Ernst & Young belaufen sich diese faulen Kredite insgesamt auf rund 200 Milliarden Euro.

Dieser hohe Bestand hat mehrere Ursachen, die zum Teil noch in die neunziger Jahre zurückreichen. Ein besonderes Problem sind laut Ernst & Young bis heute Darlehen, die die Banken damals - nach der deutschen Wiedervereinigung - zur Finanzierung von Immobilienkäufen in den neuen Bundesländern gewährt hatten.

Viele Immobilienkredite mit Bezug zu den neuen Bundesländern sind notleidend geworden

Viele dieser Kredite sind notleidend geworden, das heißt, sie werden nicht mehr mit Zinsen und Tilgungsraten bedient. Obendrein haben die besichernden Immobilien wegen des allgemeinen Preisverfalls stark an Wert verloren.

In den vergangenen Jahren sind einige Kreditinstitute dazu übergegangen, diese notleidenden Kredite an spezialisierte Investoren zu verkaufen. Der Verkauf bereitete den Banken zwar einen Verlust. Doch sie haben dieses trübe Kapitel damit hinter sich gelassen, so dass sich die Manager wieder ganz auf gegenwärtige und zukünftige Ertragschancen konzentrieren können. Einige der Spezialisten, die die faulen Kredite übernommen haben, sind gegenüber den Schuldnern mit aller Härte - bis hin zu Enteignung und Zwangsverkauf der Immobilien - vorgegangen. Das hat sie in der Bevölkerung nicht gerade beliebt gemacht, zumal es bei diesen Maßnahmen bisweilen nicht mit rechten Dingen zuging. Derzeit wird im Bundestag beraten, diesbezüglichen Auswüchsen einen gesetzlichen Riegel vorzuschieben.

Viele Käufer haben sich aus dem Markt zurückgezogen

Nach der Studie von Ernst & Young haben seit dem Jahr 2003 mindestens 17 deutsche Banken und ein Versicherer Portefeuilles mit notleidenden Krediten im Gesamtvolumen von 45 Milliarden Euro verkauft. Der höchste Umsatz mit faulen Krediten wurde hierzulande im Jahr 2006 erzielt, als 21 Transaktionen über zusammen 14,4 Milliarden Euro vereinbart wurden. Im vergangenen Jahr ist der Umsatz aber deutlich auf 6,5 Milliarden Euro zurückgegangen. Auch im laufenden Jahr habe der Handel mit faulen Krediten „relativ ruhig begonnen", heißt es in der Studie.

Einen Grund dafür sieht Ernst & Young in den Auswirkungen der globalen Kreditkrise auf die Preise notleidender Kredite, einen weiteren in der Zurückhaltung der Banken, neue Portefeuilles auf den Markt zu bringen. Bis vor einiger Zeit hätten die verkaufenden Banken aufgrund starker Nachfrage noch sehr hohe Preise erzielen können. Doch hätten sich zahlreiche Käufer zuletzt aus dem Markt zurückgezogen, so dass die Preise für notleidende Kredite gefallen seien.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: FAZ.NET

 
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