06. März 2003 Die Anleger haben mit US- Staatsanleihen in den zehn Jahren bis Ende 2002 mehr Geld verdient als mit amerikanischen Aktien. Während der Standard & Poor's 500-Index in dem Zeitraum im Schnitt um 9,3 Prozent jährlich zulegte, fuhren Treasuries mit einer Laufzeit von 20 Jahren eine Rendite von 9,7 Prozent pro Jahr ein, berichtet die Consulting Firma Ibbtoson Associates.
Zum ersten Mal seit dem Zehnjahreszeitraum bis Ende 1978 haben festverzinsliche Papiere eine bessere Performance abgeliefert als Aktien. In den 77 fortlaufenden Zehnjahreszeiträumen seit 1926 haben US-Staatsanleihen nur achtmal die Aktien geschlagen, am häufigsten während der schlimmsten Baisse-Phasen in den dreißiger und siebziger Jahren.
Warten auf die Trendumkehr
Wenn die Verlaufsmuster aus der Vergangenheit jedoch Bestand haben, dürften die Aktien ihre Spitzenposition in den nächsten Jahren wieder zurückerobern. Ich rechne weiterhin damit, dass die Aktien besser abschneiden werden", prognostiziert Jeffrey Davis, Chief Investment Officer bei Rockefeller & Co., der Vermögensverwaltung der Familie Rockefeller. Seiner Meinung nach wird ein kurzer Krieg gegen den Irak die US-Aktienkurse beflügeln, weil die Ausgaben der Unternehmen und Verbraucher anziehen. Angesichts des Konjunkturaufschwungs werden die Zinsen steigen, weil die US-Notenbank ein Ansteigen der Inflation verhindern will.
Selbst wenn er mit seiner Prognose nicht richtig liegt, haben die Anleihen kaum Potenzial nach oben, sagen auch andere Investoren. Die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Benchmark- Anleihe liegt bei 3,63 Prozent, zehn Basispunkte von ihrem tiefsten Stand seit 1958 entfernt und 16 Prozent niedriger als 1981. Der Erfolg der Anleihen lässt sich nicht wiederholen", betont Jeremy Siegel, Finanzprofessor der University of Pennsylvania. 1994 argumentierte er in seinem Buch "Stocks for the Long Run", dass Aktien die lukrativste Anlage seien und daher den Löwenanteil eines Portfolios ausmachen sollten. Er erwartet, dass die Aktien in den nächsten Jahren inflationsbereinigt fünf bis sieben Prozent klettern werden.
In Europa ergibt sich ein ähnliches Bild
In Europa haben die Anleihen ebenfalls gegenüber den Aktien aufgeholt. Der Morgan Stanley Capital International Index europäischer Aktien legte in den letzten zehn Jahren 8,3 Prozent jährlich Jahr zu, während ein Index europäischer Staatsanleihen von Salomon Smith Barney 7,1 Prozent gewann.
In Japan sah es für die Bonds noch besser aus. Der MSCI Japan-Index hat in den letzten zehn Jahren drei Prozent jährlich eingebüßt, während Staatsanleihen eine jährliche Rendite von 5,2 Prozent einbrachten.
In Aktien zu investieren, war im Laufe der Zeit mal angesagt und mal nicht. 1924 argumentierte Edgar Lawrence Smith in seinem Buch "Common Stocks as Long Term Investments", dass Aktien sich besser entwickeln als Anleihen, weil die Unternehmen einen Teil der Gewinne einbehalten. Das führe wiederum zu höheren Gewinnen und Dividenden, was den Aktienkurs nach oben treibe. Das Buch war einer der Auslöser für einen beispiellosen Bullenmarkt. Dieser fand ein jähes Ende, als der Dow Jones Industrial Average 1929 um 89 Prozent einbrach. Die Treasuries schlugen die US-Aktien in den Zehnjahreszeiträumen bis Ende 1937, 1939 und 1940.
Anleihen haben langfristig nur selten die Nase vorne
Bis Ende 1949 herrschte die Meinung vor, dass Aktien äußerst spekulativ und unsicher" sein, berichtete der Finanzprofessor Benjamin Graham in seinem Buch "The Intelligent Investor". Graham, der frühere Mentor des Millliardärs und Investmentgurus Warren Buffett, führte an, dass Aktien im Gegensatz zu Anleihen einen Schutz gegen Inflation bieten. Graham plädierte dafür, etwa 50 Prozent ihres Portefolios in Aktien zu halten.
Seither haben die US-Aktien die US-Staatsanleihen abgehängt. Ausnahmen sind die Zehnjahreszeiträume bis 1974, 1977 und 1978. Damals drückten der Ölpreisschock, der Vietnam-Krieg und der Watergate-Skandal auf die Aktienkurse. Einige Investoren sehen Parallelen zu heute. Der Ölpreis befindet sich nahe eines 13-Jahreshochs vor einem möglichen Krieg der USA gegen den Irak.
Fondsmanager Gary Shilling prognostiziert für die US-Aktien bestenfalls einen inflationsbereinigten Ertrag von vier Prozent pro Jahr, gegenüber drei Prozent bei den Treasuries. Außerdem sind Aktien schwankungsanfälliger und mit Risiken behaftet. Bei US-Staatsanleihen verlieren Anleger ihr eingesetztes Kapital nicht, außer die USA müssen Staatsbankrott anmelden."
Text: Bloomberg
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.326,63 | -1,12 |
| TecDax | 573,04 | -5,15 |
| DowJones | 9.447,11 | -5,11 |
| Nasdaq | 1.754,88 | -5,80 |
| STOXX 50 | 2.878,82 | +0,22 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,50 | -1,78 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,00 |
| Bund Future | 117,28 | +0,26 |
| Gold | 882,70 | -0,66 |
| Öl | 85,76 | -1,06 |