Schwellenländer

Bulgarien-Anleihen sind nicht mehr attraktiv

27. Juni 2005 Bulgarien steht vor einem Regierungswechsel. Bei den Parlamentswahlen am Samstag ist die Bulgarische Sozialistische Partei zur stärksten Kraft geworden. Sie wird jedoch mindestens einen Koalitionspartner benötigen, um regieren zu können. Die Nationale Bewegung des früheren Zaren Simeon II. aus dem Hause Sachsen-Coburg-Gotha, der vor vier Jahren die Wahlen gewonnen und das Amt des Ministerpräsidenten übernommen hatte, verlor mehr als die Hälfte ihres Stimmenanteils ein.

Allerdings stellt der Wahlsieg der Sozialisten keine Überraschung dar. Vielmehr war sie erwartet worden. Dies mag erklären, warum sich die Kurse der beiden ausstehenden Euro-Anleihen durch die politischen Nachrichten aus Sofia am Montag im Handelsverlauf unbewegt zeigen. Zudem sehen Beobachter wie die Schwellenländer-Analysten der WGZ-Bank keinen Einfluß eines Regierungswechsels auf die grundsätzliche wirtschafts- und finanzpolitische Linie des Landes, das in die Europäische Union strebt und 2007 aufgenommen werden will.

Wirtschaft wächst, Schuldenstand sinkt

„Die Bulgaren sind Wechselwähler. Erst verjagten sie die Kommunisten, dann wählten sie nach turbulentem Zwischenspiel deren Nachfolger zurück an die Macht, um sie schließlich in Schande zu verabschieden und gegen eine Reformregierung zu tauschen. Die leistete viel, wurde aver 2001 von einem mit märchenhaften Erwartungen auf den demokratischen Thron gehobenen einstigen Zaren verdrängt. Auch der hat Erfolge vorzuweisen, aber keine Märchen“, kommentiert die F.A.Z. am Montag den Wahlausgang.

Die WGZ-Bank bescheinigt dem Zaren und seiner bisherigen Partnerin, der Bewegung für Rechte und Freiheit, die Wirtschaft des Landes stabilisiert und Richtung EU geführt zu haben. Allerdings hat der einstige Zar den Mund mit der Ankündigung, den Lebensstandard innerhalb von 800 Tagen zu verdoppeln, etwas zu voll genommen. „Die große Mehrheit der 7,2 Millionen Bulgaren muß nach wie vor mit einem Durchschnittslohn von etwa 150 Euro im Monat auskommen. Rentner erhalten nur 40 Euro monatlich. Zwar zahlen die meisten Bulgaren als Eigentümer keine Miete, doch in den vergangenen Jahren sind die Preise für Strom, Wasser, Benzin und auch Tabak und Alkohol so kräftig gestiegen, daß die Einkommen kaum ausreichen“, so die F.A.Z. im April.

Dabei lesen sich die wirtschaftlichen Daten angenehm: Die Arbeitslosenquote ist seit 2001 von 17 Prozent auf gut zwölf Prozent gesunken und dürfte laut EU dieses Jahr auf zehn Prozent verringert werden. Das Bruttoinlandsprodukt ist im vergangenen Jahr um fünf Prozent gewachsen. Auch in diesem Jahr soll die Wirtschaft ähnlich kräftig zu legen. 75 Prozent der Wertschöpfung trägt der private Sektor bei, in Kroatien lediglich 60 Prozent und in Rumänien 70 Prozent. Zwar verzeichnet Bulgarien ein Leistungsbilanzdefizit, kann andererseits aber auf einen Haushaltsüberschuß im laufenden Jahr hoffen. Nicht zuletzt hat die Regierung des einstigen Zaren die Auslandsschulden nahezu halbiert. Aufgrund dessen sei die Inflation von sechs Prozent „unproblematisch“, meinen die WGZ-Analysten.

Renditeaufschläge unattraktiv

Die sich weiter bessernde wirtschaftliche Verfassung des Landes mag die gute Aufnahme der 2007 und 2013 fälligen Euro-Anleihen Bulgariens erklären, die Höhe der Kupons ebenso. Der Langläufer, verzinst mit 7,5 Prozent, notiert auf Rekordniveau, wirft aber nur knapp 3,4 Prozent ab. Zum Vergleich: Eine Bundesanleihe gleicher Laufzeit wirft 2,95 Prozent ab, die ein Jahr zuvor auslaufende Euro-Anleihe Rumäniens 3,43 Prozent und der 2011 auslaufende Euro-Titel Kroatiens 3,33 Prozent. Wobei Kroatien, anders als Bulgarien, bei den Kreditbewertern Moody´s und Standard&Poor´s (S&P), einen begehrten Investment-Grad aufweist - während dies bei Bulgarien nur bei S&P der Fall ist.

Nach einer Statistik der WGZ-Bank sind Bulgarien-Anleihen mithin teurer als kroatische und rumänische Papiere. Die Bank rät deshalb zum Verkauf. Dies bietet sich bei dem 2007 fälligen Papier an, dessen Kurs angesichts der nahenden Fälligkeit trotz des hohen Kupons sinkt. Wer den Langläufer im Depot hat, kann ihn indes halten, solange der Kurs nicht deutlicher gen Süden läuft. In einem solchen Fall mag es verlockend wirken, die enormen Kursgewinne mitzunehmen; aktuell notiert der Titel mit 126,9 Prozent, was einem Kursplus von fast 270 Euro bei einem Basiswert von 1000 Euro entspricht.


Der Chart zeigt den Kursverlauf der 2013 auslaufenden Euro-Anleihe Bulgariens.

Der Chart zeigt den Kursverlauf der 2013 auslaufenden Euro-Anleihe Bulgariens.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @thwi
Bildmaterial: dpa/dpaweb

 
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STOXX 50 3.248,92 -1,41
Nikkei 225 12.752,21 -0,77
S&P 500 Zert. 12,63 -0,71
Euro/Dollar 1,49 +1,00
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