Von Christoph Becker, Berlin
25. Juli 2008 Über Sport als Spiegel und Vorbild der Gesellschaft lässt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am heutigen Freitag und morgigen Samstag bei der Premiere des Deutschen Olympischen Sportkongresses diskutieren, in den Räumen der Repräsentanz der Deutschen Telekom AG in Berlin.
Beileibe keine zufällige Ortswahl zum Debüt des Kongresses, der, geht es nach DOSB-Präsident Bach, künftig jährlich stattfinden und seinem Dachverband konstruktive Kritik bringen soll. Denn die Firma, die nach wie vor als ehemaliger, wenig vorbildlicher Radsportgeldgeber in Erinnerung bleibt, unterstützt künftig als Sponsor die deutsche Olympiamannschaft und die Stiftung Deutsche Sporthilfe (Siehe: Sportsponsoring: Deutsches Olympisches Team Telekom).
Lieber über Neues reden
Auf den Dopingskandal in den ehemaligen Telekom- und späteren T-Mobile-Radteams wollte der Telekom-Vorstandsvorsitzende René Obermann bei der Bekanntgabe des neuen Sponsoringprojekts denn auch nicht näher eingehen. Viel, ich würde fast sagen, alles ist dazu gesagt, meinte Obermann und hob lieber hervor, dass als Teil der Sponsorendeals künftig die deutschen Spitzensportler mit Blackberries ausgerüstet werden. Mit diesen sei den Sportlern der mobile Zugang zu den eigenen Profilen bei der Nationalen Anti-Doping Agentur (Nada) möglich. Auf dass die Abstimmung zwischen Sportler und Dopingfahnder demnächst besser funktioniere.
Überhaupt wurde zu Beginn des Kongresses lieber über Neues und Neuigkeiten gesprochen denn über vermeintlich Vergangenes: etwa über Profit und Profil und die Frage, wie wertvoll der Sport denn nun sei. Bei diesem Thema beteiligte sich auch der Präsident des Deutschen Fußball-Bunds, Theo Zwanziger. Er machte aus seinem Ärger über die Maßgaben des Bundeskartellamts hinsichtlich der Fernsehübertragungsrechte der Fußball-Bundesliga keinen Hehl. (Siehe: Reaktionen auf die Entscheidung: Untergang am Samstag um 15.30 Uhr).
Vesper wünscht andere Sportarten in der Sportschau
Es heißt immer, die Fußballspieler verdienen zu viel. Das sage ich auch. Aber diese Struktur ist nun mal so, ich kann es doch nicht ändern. Die Klubs werden weiter teure Spieler verpflichten - und beim Nachwuchs sparen. Und die Eintrittspreise im Stadion steigen, was Zwanziger offenbar sehr stört: Denn das wird die Fans im Stadion treffen, und das sind 'meine', die richtigen Fans, nur damit bis 20 Uhr eine Sportschau zu sehen ist.
Doch wurde auch durchaus deutlich, dass Sportler und Funktionäre anderer Sportarten den Fußball sowohl für ausreichend profiliert und auch entsprechend profitabel halten. Ich würde mir wünschen, dass die Sportschau auch andere Sportarten als Fußball zeigt, sagte etwa DOSB-Generalsekretär Michael Vesper. Und Wolfgang Maennig, Professor für Wirtschaftspolitik in Hamburg und Goldmedaillengewinner mit dem Ruderachter bei den Spielen von Seoul 1988, sieht keinen Geldmangel im gesamten Spitzensport. Das ist vergleichbar mit einem verzogenen Kind: In manchen Verbänden wird es bei noch mehr Geld noch schlechtere Leistungen geben.
Spitzensportler als Vertragsamateure in der Bundeswehr
Maennig kritisierte zudem, dass im bundesdeutschen Sport mittlerweile Bedingungen herrschen wie in der DDR: wir beschäftigen bei der Bundeswehr und in der Bundespolizei inzwischen Spitzensportler als Vertragsamateure. Sportler, die nebenher einen anderen Beruf lernen wollen, bleiben auf der Strecke. Diese Kritik wollte Vesper nicht annehmen: Bundeswehr und Bundespolizei schaffen professionelle Bedingungen, ohne die Spitzensport in Deutschland nicht möglich ist.
Nach Ende des Kongresses am Samstag wird die deutsche Olympiamannschaft von Bundespräsident Köhler am Schloss Bellevue verabschiedet. Dann sollen Thomas Bach bei der Aktion T-Shirts fürs Deutsche Haus mahnende Hemden für die Reise nach Peking übergeben werden. Free Tibet, Free China, Sports for Human Rights und Fair Games soll auf den Shirts stehen, unterstützt wird die Aktion unter anderem von Dieter Baumann, Heidi Schüller und Ines Geipel. Bachs Kritikfähigkeit wird also noch geprüft werden.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa
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