19. Juli 2008 Im Kampf um die Olympia-Tickets hat sich Deutschlands Basketball-Nationalteam dank einer tollen Teamleistung zwei Matchbälle erspielt. Nach der Gala beim 78:65 (45:26) über Brasilien kann das Team um die NBA-Stars Dirk Nowitzki und Chris Kaman schon am Samstag gegen Kroatien (18.00 Uhr/DSF) die Fahrkarte nach Peking buchen.
Sollte Deutschland im 14. Duell der neunte Sieg gelingen, stünde am Montag die Olympia-Einkleidung für die Mannschaft auf dem Programm. Im Falle einer Niederlage gibt es am Sonntag (18.30 Uhr) ein Endspiel um den letzten der drei Startplätze für das Olympia-Turnier gegen den Verlierer der zweiten Halbfinale-Begegnung zwischen Griechenland und Puerto Rico. Die Gastgeber siegten gegen Neuseeland mit 75:48. Puerto Rico schaltete Slowenien mit 81:70 aus.
Roller: Jetzt wollen wir gegen Kroatien alles klar machen
Es war ein wichtiger Schritt, aber das Ziel ist noch nicht erreicht. Es war eine tolle Leistung der Jungs, meinte Bundestrainer Dirk Bauermann, jetzt warten die Kroaten auf uns. Hoffentlich sind wir dann durch. Ich habe immer gesagt, dass wir eine gute Mannschaft haben. Nowitzki dagegen bekam nach dem Spiel zunächst Redeverbot, die schmerzhafte Verletzung im Mund wurde mit Eis behandelt, genäht werden sollte sie nicht.
Zwar war Nowitzki mit 20 Punkten neben dem frech aufspielenden Pascal Roller (15), Demond Greene (14), Chris Kaman (12) und dem starken Starting-Five-Neuling Konrad Wysocki (10) einmal mehr bester deutscher Punktesammler, doch so homogen wie am Freitag in der Olympia-Qualifikation in Athen trumpfte eine deutsche Basketball-Nationalmannschaft lange nicht mehr auf. Als die Spieler in die Kabinen gingen, riefen sie immer wieder Team, Team.
Überragendes zweites Viertel der Deutschen
Ein gutes Händchen bewies Bauermann mit der Berufung von Konrad Wysocki in die Startformation. In der nervösen Anfangsphase gelangen dem Neu-Frankfurter die ersten fünf Punkte. Nach den ersten Nowitzki-Zählern lag die diesmal sehr aggressiv verteidigende DBB-Auswahl mit 7:2 in Führung. Vor allem den Distanzwürfe Marcelinhos war es zu verdanken, dass Brasilien dranblieb.
Doch Aufbauspieler Huertas wurde wie von Bauermann gewünscht an die Kette gelegt. Center Splitter hatte es schwer gegen Nowitzki, Kamann und später auch Kapitän Femerling. Trotzdem gingen die Brasilianer kurz nach Beginn des zweiten Viertels (15:13) sogar erstmals in Führung. Der bis dahin vom Wurfpech verfolgte Nowitzki saß da auf der Bank.
Krachendes Ausrufezeichen von Hamann
Kurz darauf stand die Lichtgestalt des deutschen Basketballs wieder auf dem Feld, doch erst eine Auszeit von Bauermann beendete den Lauf des Gegners. Als Nowitzi nach 15 Minuten seinen ersten Dreier traf, riss er die Arme wie ein Fußballer in die Luft, und die deutschen Fans im weiten, leeren Rund der Olympiahalle stimmten Sprechchöre an. Ein krachendes Ausrufezeichen unter überragende zweite zehn Minuten setzte Hamann mit einem Dunking. Dann traf Demond Greene mit seinem ersten und insgesamt achten Dreiern zum verdienten Pausenstand (45:26).
Vor allem Kaman, der sich in der Defensive einen Rebound nach dem anderen schnappte und auch unter dem gegnerischen Korb punktete, war zunächst dafür verantwortlich, dass der Vorsprung ausgebaut wurde. Beim 33:57 versuchten es die Brasilianer mit einer Ganzfeldverteidigung, doch die deutsche Auswahl ließ sich auch davon nicht beeindrucken. Nur noch einmal schöpften die Südamerikaner Hoffnung, als Nowitzki kurz nach Beginn des Schlussviertels mit dem vierten Foul auf die Bank beordert wurde. Die Brasilianer kamen näher, aber die deutschen Korbjäger ließen sich das Spiel nicht mehr aus der Hand nehmen.
Kroatien setzte sich gegen Kanada durch
Wenn wir in einen solchen Rhythmus kommen wie in den ersten drei Vierteln, dann ist es toll. Jetzt wollen wir gegen Kroatien alles klar machen, tönte Roller. Wir haben uns alle gut gefühlt. Die Trefferquote war extrem hoch. Wir haben den Brasilianern durch Dreier in den richtigen Momenten das Genick gebrochen, analysierte Greene, aber das war erst der erste Schritt. Jetzt müssen wir den ersten Matchball verwandeln.
Kroatien hatte zuvor durch ein 83:62 über Kanada das Etappenziel erreicht. Danach setzte sich Costa Rica gegen Slowenien mit 81:70 durch. Das war ein großer Sieg für Puerto Rico, sagte Josè Juan Barea, der mit Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks spielt.
Basketball-Olympia-Qualifikation
Halbfinale (sieht aus wie ein Viertelfinale, ist es aber nicht):
Kroatien - Kanada 83:62 (36:29)
Slowenien - Puerto Rico 70:81 (34:34)
Deutschland - Brasilien 78:65 (45:26)
Griechenland - Neuseeland 75:48 (37:20)
Finale: (Samstag, 19.07.2008, 18.00/20.30):
F1: Deutschland - Kroatien
F2: Griechenland - Puerto Rico
(Sonntag, 20.07.2008, 19.00):
F3: Verlierer F1 - Verlierer F2
Modus: Sieger F1, F2 und F3 für Olympische Spiele qualifiziert
Deutschland - Brasilien 78:65 (45:26)
Punkte für Deutschland: Nowitzki (Dallas Mavericks) 20, Roller (Skyliners Frankfurt) 15, Greene (Brose Basekts Bamberg) 14, Kaman (Los Angeles Clippers) 12, Wysocki (Skyliners Frankfurt) 10, Hamann (ALBA Berlin) 5, Garrett (Brose Baskets Bamberg) 2
Brasilien: Splitter 16, Marcelo Machado 11, Huertas 9, Ribeiro 8, Lopes Batista 8, Duda Machado 7, Jonathan 4, Araujo 2
Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: AP, dpa