Olympischer Unfrieden

Schalke und Bremen erwägen Gang vor Sportgerichtshof

Von Richard Leipold, Gelsenkirchen/Bremen

22. Juli 2008 Der Kampf zwischen Bundesliga und Olympia geht in die nächste Runde. Und ein bisschen ist es wie im Krimi. Am Dienstag versuchte der FC Schalke 04 seinem Angestellten Rafinha einen Brief zuzustellen, um ihn nochmals über die Rechtslage aufzuklären. Wir konnten Rafinha den Brief leider nicht selbst zustellen“, sagte Vereinsmanager Andreas Müller. „Wir wissen zwar, dass er zu Hause war, aber er hat die Tür nicht aufgemacht.“

Schalke wollte den brasilianischen Verteidiger davon überzeugen, dass er nicht ohne die Erlaubnis seines Arbeitgebers an den Olympischen Spielen in Peking teilnehmen dürfe; von einer Rechtslage also, die in den Augen des Klubs wie auch der nationalen Fußball-Verbände DFB und DFL inzwischen als gesichert gilt. Rafinha war am Montag nicht mit seinen Schalker Kollegen ins Trainingslager gereist.

DFB unterstützt Protest

Wie der Manager berichtet, hat Schalke den brasilianischen Fußballverband (CBF) und das Internationale Olympische Komitee schriftlich aufgefordert, Rafinha bei den Sommerspielen in Peking nicht starten zu lassen. Dafür gebe es gute Gründe. Sportler, die sich so verhalten, verstoßen gegen die Olympische Charta und dürfen an Olympischen Spielen nicht teilnehmen, sagt Müller. „Falls der CBF unserem Wunsch nicht entspricht, werden wir vor dem Internationalen Sportgerichtshof (Cas) Klage einreichen.“

Dieses Vorgehen sei mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) abgestimmt. Der DFB erklärte, er unterstütze den Protest und teile „die Rechtsauffassung der Klubs, dass keine Abstellungspflicht besteht, da das olympische Fußballturnier weder im internationalen Kalender des Weltverbandes Fifa aufgeführt ist noch ein Beschluss des Fifa-Exekutivkomitees vorliegt, der Spieler einer bestimmten Alterskategorie zur Teilnahme verpflichtet“.

Diego und Bremen wollen sich Cas-Urteil fügen

Auch der Bremer Spielmacher Diego besteht, nach einer letzten Verhandlungsrunde mit seinem Arbeitgeber, darauf, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Der Einladung des brasilianischen Verbandes folgend, flog er am Dienstag zum Treffpunkt nach Paris. Wie Schalke erteilte Bremen seinem Angestellten keine Freigabe. Auch Werder kündigte an, den Cas in Lausanne anzurufen und sich anders als zwei Bundesligakonkurrenten nicht auf einen Kompromiss einzulassen. Der Aufsteiger aus Hofenheim gestattet seinem nigerianischen Stürmer Chinedu Obasi den Ausflug nach Peking, der HSV gibt Vincent Kompany für die beiden ersten Gruppenspiele der Belgier frei.

„Das ist für alle Seiten die beste Lösung, um Klarheit zu schaffen. So ein Eiertanz darf nicht wieder vorkommen“, begründete der Bremer Geschäftsführer Klaus Allofs den Gang vor den Cas. Zumindest in einem Punkt stimmten die Bremer Verhandlungsparteien offenbar überein: Diego und sein Arbeitgeber wollen sich dem Cas-Spruch unterwerfen, wie immer er ausfallen mag.

„Diego wird im Trainingslager unentschuldigt fehlen“

Unterdessen gilt für Diego: „Tatsache ist, wenn wir am Mittwoch ins Trainingslager nach Österreich fahren, wird Diego unentschuldigt fehlen“, betonte Allofs. Über etwaige Konsequenzen für den Brasilianer will er sich Gedanken machen, wenn der Cas-Spruch positiv für den Verein ausfallen sollte. Wann der Sportgerichtshof eine Entscheidung trifft, ist ungewiss. Der Fußball-Weltverband Fifa hat mit unklaren Regelungen für das Olympia-Turnier eine chaotische Situation geschaffen, in der sich Clubs und Spieler im Recht fühlen.

„Diego steht unter großem Druck aus seinem Heimatland“, so Allofs, der von einem „vernünftigen Gespräch“ berichtete. „In den letzten Tagen hat sich jemand in reiner Form aus dem Staub gemacht. Das ist bei Diego nicht der Fall.“

Damit spielt Allofs auf den Fall Rafinha an. Der Schalker ist dem Trainingslager der „Knappen“ in Österreich ferngeblieben. Dennoch hoffen die Klubverantwortlichen noch auf einen raschen Sinneswandel Rafinhas. Die goldene Brücke der Schalker dürfte jedoch einstürzen, wenn Rafinha am Mittwoch oder Donnerstag nicht im Trainingslager erscheint. Unabhängig von sportrechtlichen Konsequenzen heißt es, Rafinha müsse mit einer Vertragstrafe in Höhe von 25 000 Euro am Tag rechnen. Insofern könnte ihn sein olympischer Traum teuer zu stehen kommen.



Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS

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