Leichtathletik

Amputierter Sprinter darf nicht bei Olympia starten

Oscar Pistorius: Vorteil gegenüber nichtbehinderten Sprintern

Oscar Pistorius: Vorteil gegenüber nichtbehinderten Sprintern

14. Januar 2008 Der unterschenkelamputierte Sprinter Oscar Pistorius darf nicht bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften starten. Durch seine Karbon-Prothesen verschaffe sich der Südafrikaner einen „mechanischen Vorteil“ gegenüber nichtbehinderten Konkurrenten, begründete der Leichtathletik-Weltverband IAAF am Montag in Monte Carlo seine Entscheidung. Der 21 Jahre alte Paralympics-Sieger von 2004 verstoße gegen die IAAF-Wettkampfregel 144.2, die jegliche technische Hilfsmittel verbietet.

Die IAAF berief sich bei ihrer Entscheidung auf ein 30-seitiges Gutachten der Sporthochschule Köln, das nach ausgiebiger Untersuchung des Athleten zum Schluss gekommen war, dass sich der 21 Jahre alte Sprinter durch die hoch technologisierten Carbonprothesen einen zu großen Vorteil verschafft. Oscar Pistorius, der über sich selbst gesagt hatte, er sei „der schnellste Mann mit keinen Beinen“, war im November für zwei Tage zu Tests an der Sporthochschule gewesen. Der Tageszeitung „Welt“ sagte der Kölner Biomechank-Professor Gert-Peter Brüggemann: „Er hat erhebliche Vorteile gegenüber von uns getesteten Vergleichssportlern ohne Prothesen, das waren mehr als ein paar Prozentpunkte. Ich hätte das nicht so deutlich erwartet.“

„Kein Respekt vor Behinderten“

Pistorius hatte im Falle eines Olympia-Startverbots durch die IAAF bereits Einspruch „auf höchster Ebene“, notfalls vor den Obersten Sportgerichtshof CAS in Lausanne angekündigt. „Ich fühle, es ist meine Verantwortung, für mich und alle behinderten Athleten die Entscheidung auf dem höchsten Level zu suchen, um bei Olympia und den Paralympics zugleich starten zu können“, meinte der 21 Jahre alte Südafrikaner in Petoria.

Pistorius, dessen Bestzeit über 400 m bei 46,34 Sekunden steht, durfte per Ausnahmegenehmigung im Juli beim Golden-League-Meeting in Rom starten und wurde dort Zweiter im B-Lauf (46,90). Bei einem Meeting im britischen Sheffield wurde er wenige Tage später wegen Verlassens der Bahn disqualifiziert. Laut IAAF-Regularien dürfen Behinderte mit künstlichen Hilfsmitteln nicht zu offiziellen Wettbewerben der Nichtbehinderten antreten. Pistorius hatte der IAAF deshalb vorgeworfen, „keinen Respekt vor Behinderten“ zu zeigen.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

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