Justin Gatlin

Sportgerichtshof bestätigt Sperre für 100-Meter-Olympiasieger

06. Juni 2008 Das Spiel ist aus: 100-Meter-Olympiasieger Justin Gatlin bleibt wegen seines zweiten Dopingvergehens bis Sommer 2010 gesperrt und wird wahrscheinlich nie wieder auf die Bahn zurückkehren. Sein Traum von einem Start bei den Sommerspielen in Peking ist damit geplatzt. Der Internationale Sportgerichtshof Cas in Lausanne lehnte es in einem letztinstanzlichen Urteil ab, Gatlins bereits auf vier Jahre halbierte Dopingsperre um weitere zwei Jahre zu reduzieren.

Der heute 26-jährige US-Amerikaner ist bis Juli 2010 zum Zuschauen verurteilt. Der Cas verschob den Startpunkt seiner Sperre sogar noch um zwei Monate auf den 25. Juli 2006 nach hinten, weil Gatlin erst an diesem Tag seine ursprüngliche Sperre akzeptiert hatte. Zudem steht der Streichung seines Namens aus der Liste der ehemaligen 100-m-Weltrekordler durch den Leichtathletik-Weltverband IAAF nichts mehr im Wege. Die Begründung des Urteils wird der CAS allerdings erst in den nächsten Tagen liefern. Die Anhörung von Gatlin hatte in der vergangenen Woche in New York stattgefunden.

Aufgefallen mit Testosteron

Ex-Weltrekordler Gatlin wollte, dass die bis 2010 laufende Sperre halbiert wird, sodass er an den US-Olympia-Trials (27. Juni bis 6. Juli in Eugene/Oregon) für Peking hätte teilnehmen können. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF kämpfte dagegen gar für eine lebenslange Sperre, weil Gatlin ein Wiederholungstäter ist. Sein Anwalt Maurice Suh hatte beim Cas beantragt, Gatlins Dopingfall von 2001 nicht zu berücksichtigen. Er war damals als 19-Jähriger bei den US-Juniorenmeisterschaften mit Amphetaminen (Aderall) erwischt und für zwei Jahre gesperrt worden.

Der Doppelweltmeister von 2005 war am 22. April 2006 erneut aufgeflogen, dieses Mal mit dem männlichen Sexualhormon Testosteron. Nur durch eine Kooperation mit der US-Anti-Doping-Agentur USADA war er einer lebenslangen Sperre entgangen. Anfang dieses Jahres hatte ein US-Schiedsgericht mit 2:1-Richterstimmen die ursprüngliche Achtjahressperre halbiert.

Nun drei Weltrekorde aus den Bestenlisten gestrichen

Da Gatlin seinen mittlerweile unterbotenen Weltrekord von 9,77 Sekunden erst am 12. Mai 2006, also nach dem Positiv-Test gelaufen war, wird das Ergebnis nun durch die IAAF annulliert. Der Cas bestätigte ausdrücklich, dass alle nach dem 22. April 2006 erzielten Gatlin-Resultate abzuerkennen sind.

Gatlin ist der dritte 100-m-Läufer, dessen Bestleistung sich im Nachhinein als unsauber herausstellte. Zuvor war dies schon bei den 9,83 und 9,79 Sekunden von Kanadas Ben Johnson (1987/1988) sowie den 9,78 Sekunden von Tim Montgomery (USA/2002) der Fall. Aktuell steht der Weltrekord seit dem Weltrekordlauf des Jamaikaners Usain Bolt am vergangenen Wochenende bei 9,72 Sekunden.



Text: FAZ.NET mit sid.
Bildmaterial: REUTERS

 
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