Kritik an Beratertätigkeit

Bach wehrt sich: „Es geht nicht um China“

Von Evi Simeoni

23. April 2008 Thomas Bach wehrt sich gegen Andeutungen in den Medien, es könne ein Interessenskonflikt bestehen zwischen seinem Ehrenamt als Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und seiner Beratertätigkeit für die Siemens AG. „Es geht bei der Tätigkeit nicht um China“, sagte der ehemalige Fechter aus Tauberbischofsheim, der offenbar von den Mühlen der Siemens-Affäre erfasst zu werden droht, gegenüber der F.A.Z..

Generell handele es sich bei seinen Aktivitäten als Wirtschaftsanwalt nicht um Auftrags-Vermittlung, sondern um „wirtschafts- und finanzpolitische Beratung insbesondere im arabischen Raum“. Bach ist Präsident der Deutsch-Arabischen Industrie- und Handelskammer. „Auf Wunsch der arabischen Seite“, wie Bach betont. Gefragt seien Einschätzungen zukünftiger wirtschaftlicher Entwicklungen, oft gehe es um langfristige Infrastruktur-Projekte.

Siemens bestätigt Aufträge im Milliardenumfang im Zusammenhang mit Olympia

Die einzige Verbindung, die Bach im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit zu China hat, bezieht sich nach seinen eigenen Angaben auf seine Tätigkeit für den Tauberbischofsheimer Maschinenhersteller Weinig AG, dessen Aufsichtsratsvorsitzender er ist. Dieser Hersteller für Holzverarbeitungs-Maschinen verfügt über ein Werk in China. „Als Aufsichtsratsvorsitzender bin ich aber nicht operativ tätig“, sagt Bach. Dieses Geschäft habe mit den Olympischen Spielen, die im August in Peking stattfinden, nichts zu tun. „Ich bin an keinerlei Projekten in China in irgend einer Form beteiligt“, sagt Bach.

Die Siemens AG erklärte am Mittwoch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, der Vertrag mit Thomas Bach werde zurzeit überprüft. Der Konzern bestätigte, dass er im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen in Peking Aufträge im Umfang von 1,1 Milliarden Euro erhalten habe. Der größte Teil entfalle auf die Gepäckbeförderungsanlage des neu eröffneten Flughafens in Peking. Siemens hat zudem die Leittechnik und Steuerung für zwei U-Bahn-Linien geliefert.

Die Geschäftsbeziehungen zu Siemens habe er „frühzeitig offengelegt“, sagt Bach

Bach erklärte, er habe auch keine Beraterverträge mit anderen Unternehmen abgeschlossen, die sich um Aufträge von Olympiabewerbern bemühen. Das Internationale Olympische Komitee hat seit dem Bestechungsskandal 1999 eine Ethik-Kommission eingerichtet, die sich mit möglichen Interessenkonflikten von IOC-Mitgliedern beschäftigt.

Dieser Kommission habe er seine im Jahr 2000 begonnenen Geschäftsbeziehungen mit Siemens frühzeitig offengelegt, weil es sich um ein weltweit operierendes Unternehmen handele. Auch vor seiner Wahl zum Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vor knapp zwei Jahren habe er der Findungskommission seine beruflichen Verbindungen offenbart. „Obwohl nicht danach gefragt wurde und es keine Regeln dafür gab“, sagt Bach.

Sind Ehrenamt und Beratung wirklich zu trennen?

Ob man ein Ehrenamt und eine berufliche Tätigkeit als Wirtschaftsberater wirklich trennen könne, hält Bach für eine „Grundsatzfrage“. Man werde schließlich in Organisationen gewählt, weil diese sich etwas davon versprächen. „Ein Grund für meine Wahl zum DOSB-Präsidenten waren gerade auch wirtschaftliche Kontakte und der Sachverstand, den DOSB aus der finanziellen Misere herauszuführen. Aber natürlich muss man eine klare Trennungslinie ziehen.“

Er habe beim DOSB das Amt des Beauftragten für „Corporate Governance“ eingeführt, der über die verantwortungsvolle Haltung der Amtsträger wacht – es wird von Jürgen Thumann bekleidet, dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und ehemaligen Reiterpräsidenten.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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