19. März 2008 Schwedens Siebenkampf-Königin Carolina Klüft ist ihre frohe Gemütslage bis Olympia in Peking viel wichtiger als eine fast sichere Goldmedaille. Die seit 2001 in dieser Disziplin ungeschlagene Olympiasiegerin von Athen begründete am Mittwoch ihren Verzicht auf die Verteidigung des Titels mit fehlender Motivation.
In Svenska Dagbladet sagte die 25-Jährige am Mittwoch über ihre Entscheidung für einen Start als Außenseiterin in den Einzeldisziplinen Weit- und Dreisprung: Ich bin meinem Herzen gefolgt. Und das ist tausendmal wichtiger als eine eventuelle Goldmedaille.
Tanz um die Leistungshysterie
Die 1,78 Meter große Blonde aus dem idyllischen Småland hatte schon im Winter nach 19 Siebenkampf-Siegen in Folge mit Olympia-Gold 2004, drei WM- und zwei EM-Titeln angedeutet, dass ihr der Kick für einen neuen Anlauf fehle. Ich hab einen inneren Dialog mit mir selbst geführt, verschiedene Signale ausgelotet und bin dann meinem Herzen gefolgt, berichtete die beim Publikum wegen ihrer explosiven Freudenausbrüche weltweit beliebte Athletin.In ihrer Heimat ist Carro, wie die Schweden sie liebevoll nennen, auch für ihr enormes Selbstbewusstsein bekannt.
Klüft machte keinen Hehl daraus, dass sie sich dem mehr oder weniger massiven Druck von Verbandsspitzen und Stockholmer Medien nicht beugen wollte. Denen fällt der Verzicht auf eine unter normalen Umständen sichere Goldmedaille für Schweden eingestandenermaßen schwer. Es ist ja so leicht, sich einfach von dem mitziehen zu lassen, was andere meinen. Ich will diesen Tanz um die Leistungshysterie aber nicht mitmachen, sagte Klüft dazu.
Uns geht eine sichere Goldmedaille verloren
Um dann sofort ihren Medaillenhunger in der Einzeldisziplin Weitsprung zu unterstreichen: Ich würde nie und nimmer umsteigen, wenn ich nicht felsenfest überzeugt davon wäre, dass ich es auch hier ganz weit bringen kann. 2004 bei der Hallen-WM im japanischen Osaka hatte Klüft es auf eine Bronzemedaille gebracht. Sie ist aber noch nie über sieben Meter gesprungen und liegt mit einer Bestweite von 6,97 Meter deutlich hinter der Weltspitze zurück.
Aber das Außenseiter-Risiko stört die mit Abstand beste Siebenkämpferin der Welt nicht, anderes ist ihr wichtiger: In zehn Jahren würde ich mich schwarzärgern, wenn ich an meine Lebensphilosophie weniger geglaubt hätte als an eine Medaille. Schwedens größte Zeitung Aftonbladet stellte andere Gefühle in den Vordergrund: Die Leichtathletik trauert. Uns gehen zwei wunderbare Tage in Peking und eine sichere Goldmedaille verloren. Die Konkurrenz wird sich freuen, dass die unschlagbare Schwedin das Handtuch wirft.
Text: dpa
Bildmaterial: AFP, dpa, REUTERS
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