16. Mai 2008 Der unterschenkelamputierte Leichtathlet Oscar Pistorius aus Südafrika ist auf dem Weg zu den Sommerspielen von Peking (8. bis 24. August). Der 21-jährige Paralympics-Sieger von Athen 2004 darf in China bei den großen Spielen über 400 Meter als Einzelläufer an den Start gehen, wenn er zuvor die Olympianorm des Weltverbandes IAAF (45,95 Sekunden) schafft. Seine Bestzeit steht bisher bei 46,56 Sekunden, aufgestellt am 17. Mai 2007 in Pretoria.
Der Sportschiedsgerichtshof Cas gab am Freitag der Klage des 21-Jährigen gegen die IAAF überraschend statt und erklärte ihn unbeschränkt startberechtigt für alle Rennen. Ich kann gar nicht mehr aufhören, vor Glück zu lächeln, sagte Pistorius in einer ersten Reaktion. Wenn ich in Peking antreten dürfte, würde ein Traum wahr, den ich so lange geträumt habe. Wenn es nicht klappt, werde ich Anlauf auf London 2012 nehmen.
Pistorius kam ohne Wadenbeine zur Welt
Pistorius studiert in Pretoria Betriebswirtschaftslehre. Er kam ohne Wadenbeine zur Welt; mit elf Monaten wurde er knieabwärts amputiert. Dennoch betrieb er schon in jungen Jahren er alle möglichen Sportarten, von Rugby über Ringen bis Wasserball, ehe er sich auf Leichtathletik spezialisierte. Sollte ihm die Einzel-Qualifikation für Peking nicht gelingen, bliebe ihm noch eine zweite Chance als Mitglied der 400-m-Staffel. Dafür werden die 16 besten Teams der Welt zugelassen. Allerdings zählte Südafrika 2007 nicht zu diesem Kreis.
Auch der Weltverband akzeptierte das CAS-Urteil: Pistorius ist überall willkommen, wo immer er jetzt starten will. Und natürlich auch in Peking, wenn er sich sportlich qualifiziert, erklärte IAAF-Präsident Lamine Diack in einer offiziellen Stellungnahme. Der Weltverband hatte den Mann aus Pretoria am 14. Januar unter Bezug auf Regel 144.2 für alle Wettbewerbe mit Nichtbehinderten gesperrt. Grundlage war ein Gutachten des Biomechanik-Professors Gert-Peter Brüggemann aus Köln.
Cas spricht ausdrücklich von Einzelfall-Urteil
Doch der Cas folgte dieser Argumentation nicht. Die IAAF habe in den Anhörungen am 29./30. April nicht nachweisen können, dass die hochtechnologisierten Carbonprothesen (Cheetas) Pistorius einen zu großen Vorteil gegenüber normalen Athleten verschaffen würden, hieß es in der Urteilsbegründung. Ausdrücklich stellte der Cas aber fest, dass es sich um ein Einzelfall-Urteil handele. Es könne zudem revidiert werden, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorlägen.
Bei bei den Paralympics 2004 in Athen hatte Pistorius Gold über 200 m und Bronze über 100 m geholt. Er zeigte sich nach dem Cas-Urteil optimistisch, die B-Olympianorm von 45,95 Sekunden über 400 m erreichen zu können, wenn er in Rennen gegen Nichtbehinderte auf stärkere Konkurrenz trifft.
Sollte allerdings ein anderer Südafrikaner besser sein, müsste Pistorius sogar 45,55 (A-Norm) laufen, um als Einzelstarter in Peking antreten zu dürfen. Die größte Chance liegt deshalb für ihn wohl in der Staffel, für die Platz 16 der Weltrangliste nicht unerreichbar scheint.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP
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