Duplitzer: “Wenn ich nicht zu den Olympischen Spielen reisen dürfte, wäre ich beruflich erledigt“

China-Kritikerin Imke Duplitzer

„Das IOC kommt nicht ohne Gesichtsverlust raus“

Die Degenfechterin im Dilemma: Als Athletin ist Imke Duplitzer von den Spielen in Peking existentiell abhängig. „Wir können nur hinfahren und die Faust in der Tasche ballen.“ Wer Rückgrat zeigt, geht unter, sagt die 32-Jährige im F.A.Z.-Interview.

Lesermeinungen zum Beitrag

21. März 2008 18:45

Boykott unumgänglich-Verantwortung liegt beim IOC und Sponsoren!

marlene monton (marlene1115)

Der aufgeklaerte Leser wusste das schon vor Lesen des Artikels: Die Verantwortlichen haben eine Fehlentscheidung getroffen und nun wird der Kopf in den Sand gesteckt, statt schleunigst zu handeln. Man wird an die gemeinsamen Interessen und internationalen Verflechtungen der Sponsoren erinnert, die die Globalisierung mit sich bringt. Ignorieren von Menschenrechten, Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Vergiftung der Umwelt-im Westen gibt es genug Teilhaber am so gewonnenen Profit. Wie anders kann man sich das unglaubliche Verhalten der Verantwortlichen sonst erklären? Und es sind doch auch die amerikanischen Interessen, die Olympia in China zur einfachen Sportveranstaltung mutieren lassen. Oder worin liegt der Unterschied zu Moskau?
Lächerlich und unverschämt ist es in diesem Zusammenhang, das Zeigen von Rückgrat von einzelnen Sportlern zu fordern, die bei der Entscheidung nicht nach ihrer Meinung gefragt wurden. Oder darauf hinzuweisen, dass sich das chinesische Volk viel von Olympia erhofft; das deutsche Volk 1936 hat das womöglich auch.
Das Eingreifen in Tibet und die staendige Bedrohung Taiwans machen Olympia in China zur Farce-das ist eine Einsicht, die bei den "Verantwortlichen" endlich ankommen muss.

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20. März 2008 10:07

Mann, wirkt das Interview feige!

Niklas Bambach (Argusauge)

Ich weiß nicht, ob Frau Duplitzer ihre Meinung mitteilt oder diese Meinung von oben "eingetrichtert" bekommt.
Ich werde mir sie Spiele nicht im Fernsehen anschauen und auch sonst versuchen, sie zu ignorieren. Zumindest da kann ich China noch boykottierten. Und ich hoffe, ich kann auch um die Sponsoren einen Bogen machen. Weiß z. Zt. nicht auswendig, wer da alles sponsert.
Leider ist es bei uns auch schon so weit gekommen, daß wir um chinesische Bekleidung und chinesische Elektronik nicht mehr herumkommen.

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19. März 2008 13:37

Olympiateilnahme schafft Kontakt und hilft Vorurteile abzubauen

Oskar von Dungern (odungern)

Die Einstellung von Frau Duplizer teile ich nicht.
<br>Ich denke:
<br>- Sport soll unpolitisch sein.
<br>- Die Olympischen Spiele sollen die Menschen zusammen bringen. Nur wo die Menschen sich kennen, können Vorurteile abgebaut und die Basis für Frieden gelegt werden.
<br>- Deshalb bin ich gegen jeglichen Boykott.
<br>- Der Satz mit dem Rückgrat und dem Kleiderbügel ist nicht OK. Auch wenn Brecht sagt: "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral". Wenn Frau Duplizer glaubt, sie unterstützt durch ihre Teilnahme ein verbrecherisches Regime, sollte sie absagen.
<br>- Ich glaube allerdings nicht, daß sie ein verbrecherisches Regime durch eine Teilnahme an der Olympiade unterstützt. Im Gegenteil, sie sorgt für Kontakt und Öffnung.
<br>- Natürlich darf man der chinesischen Führung nicht erlauben, sich durch die Olympiade als tolerant und weltoffen darzustellen. Dafür haben die Tibeter gerade gesorgt, die aktuelle deutsche Regierung und andere sorgen auch dafür.
<br>- Es ist die Aufgabe der Politik und der Völker, nicht der Sportler, auf die Regierung einzuwirken.
<br>Viele Grüße, OD Berlin

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19. März 2008 09:32

Zu: Das IOC kommt nicht ohne Gesichtsverlust raus.

Bernd Winkler (BerndWinkler)

Interessantes Interview, zeigt es doch wie sehr jeder sein persönliches Einzelinteresse im Vordergrund sieht.
Es ist geradezu lächerlich, wenn behauptet wird der Sport dürfe sich politisch nicht instrumentalisiern lassen. Sport ist Politik, oder warum braucht es sonst IOC oder FIFA? Allein die Vergabe der Spiele nach China für Olympia 2008 war eine hochpolitische Entscheidung. Sportler und ihre Funktionäre sollten aufhören sich für "nichpolitisch" zu erklären, je nachdem ob es ihnen passt oder nicht.
Warum aber ein Boykott der Spiele in China nichts nützen soll, jedoch ein Boykott des Iran, will sich mir nicht erschliessen. Meines Wissens hat der Iran weder fremdes Territorium besetzt, noch sonst irgendwelche nachweisbaren kriminellen Handlungen begangen. Alles was man von dort hört kommt aus höchst dubiosen Geheimdienstquellen, deren Zuverlässigkeit für die Öffentlichkeit weder glaubhaft noch einschätzbar ist. Trotzdem wird der Iran boykottiert, unter anderem auch zu Lasten viler mittelständischer Unternehmen in Deutschland, die direkt von einem solchen Boykott betroffen sind. Wieso ist das dafür akzeptierbar, aber nicht im Falle von betroffenen Sportlern im Falle Chinas? Es wird Zeit, die Perspektive wieder gerade zu rücken.

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19. März 2008 08:03

Autorität als Sportler

Kamil Khadisov (Kkkama)

Die Autorität, die einem Sportler erlauben würde, sich politisch frei zu äußern, würde Frau Duplitzer das dreimalige Gold an drei olympischen Spielen hinter einander kosten. Als ein Individuum hat sie sowieso das Recht auf Kritik. Aber auch andere Großen des Sports sind vorsichtig genug ihre Politik zu machen. Denn es ist nicht schwer auszurechnen, was die Folgen sind. Der Eine will nicht nach Russland, weil Putin böse ist, der Andere nicht nach Israel und in die USA sowieso nicht. Das kann sich die Welt des Sports kaum leisten.
Ausnahmen sind natürlich willkommen, aber dafür muss man schon beinahe ein Genie sein, wie Mohammed Ali, der ebenso mit seinen Sprüchen schlagen konnte, wie mit den Fäusten.
Doch eigentlich ist die ganze Welle der Entrüstung, die in der deutschen Presse rollt, nichts anders als die Welle der Angst vor China. Eine sehr alte Angst. Und diese hat mit dem Sport nichts zu tun.

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19. März 2008 06:17

Hoppla

heinz peter (pitiplatsch)

es gibt tatsächlich noch Leute die ehrlich sind, und sich nicht hinter Sprechblasen, wie unsere Politiker voraus die Merkel, verstecken. Bin mal gespannt wie unsere Politiker, die ja die Weltweite Folter, die Bush probagiert anscheinend durch ihr Schweigen unterstützen, regieren werden.

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18. März 2008 23:43

Magengeschwuere

Uwe Kleinschmidt (ruebergemacht)

Frau Duplitzer,

bekommen Sie nicht Magengeschwuere bei einem derartigen Konflikt? Ich moechte Sie ermutigen, Gleichgesinnte unter den Sportlern zu finden, und etwas konsequenter zu sein. In welche Richtung es dann auch immer geht. Eine geballte Faust nur in der Tasche ist das schlechteste Uebel.

Viele Gruesse

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18. März 2008 22:24

Stille Kollaboration mit China in "heiklen Fragen" ist leider schon Normalität!

Frank Diebel (fdiebel)

Ich bin Imke Duplitzer für ihre mutige Offenheit dankbar!

Ihre Ehrlichkeit sollte uns allen eine Mahnung sein! Denn leider ist ihr öffentliches Bekenntnis, nämlich, dass sie sich im Zweifel wegducken wird, schon die höchste Form der Zivilcourage, die wir heutzutage offenbar erwarten dürfen.

Kollaboration wird "Normalverhalten":

Als Sinologe habe ich bereits im vergangenen Jahr aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass auch andere - staatliche - Kultureinrichtungen ihren Mitarbeitern (Angestelltenstatus) gerade in der Tibet-Frage unter verdeckter Androhung beruflicher Konsequenzen einen "politischen Maulkorb" verpasst haben.

Mündige freie Bürger wurden also genötigt, sobald in Zusammenarbeit mit China Tibet Thema ist, Kulturelles nicht mit Politischem zu vermengen.

So funktioniert staatlich verordnete Entmündigung in der BRD.

Wer glaubt, diese Form von zum Teil voraus eilender Selbstzensur würde mittelfristig spurlos an unserer politischen Kultur vorüberziehen, der irrt.

Wir riskieren mehr als nur unseren Job oder unsere Karriere. Wenn wir dieses Verhalten im täglichen Leben zur Gewohnheit werden lassen, riskieren wir die Grundlagen unserer hart - aber offenbar nicht von uns - erkämpften liberalen Lebenweise.

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18. März 2008 19:32

Olympia raus aus China!

Tomek Ochalski (zuza)

Sportler arbeiten schwer für unsichere Erfolge und man soll sie in Ruhe lassen. Es gibt aber viele Funktionäre, die sich zwangsweise mit Politik befassen. Kommen die nicht auf die Idee, nicht die Sportler von Olympia auszuschliessen, egal mit welch edler Begründung, sondern die Olympia aus China zu entfernen? Es ist schwer zu glauben, dass sich in Paar Monaten keine geeignete Austragungsstelle findet, bei Miliardenausgaben für die Infrastruktur, in letzten Jahren doch nicht als Einmalausgabe getätigt. Und das Provisorium
könnte man sehr gut entschuldigen.
Ich glaube, man entschuldigt eher China. Ein Schelm, der sich was dabei ausdenkt.

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18. März 2008 17:51

Da haben wir doch die Wurzel allen Übels...

Otto Jaegermeyer (maulwurf_redivivus)

... nämlich das liebe Geld. Wenn's darum geht, bleibt das Rückgrat im Bundeswehrspind und die Blutbeutelinfusionen von Doktor Eisenbart tun auch nicht mehr ganz so weh.

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18. März 2008 17:04

Rückgrat gezeigt, Frau Duplitzer!

Achim Braun (globaladi)

Sie haben mit diesem Interview schon genügend Rückgrat gezeigt, Frau Duplitzer!
Die Sportler sind doch eh nur noch ein Spielball des IOC und können doch nur verlieren in diesem Fall. Moralisch müsste das IOC die Notbremse ziehen, doch hier stehen die finanziellen Interessen ganz klar im Vordergrund. Dies war auch schon eindeutig bei der Wahl Sotschi's für die Spiele 2014 der Fall. Mit der tatkräftigen
Unterstützung Gazproms wurde hier mit einem reinen Papiertiger eine Wahl gewonnen, die jeglicher Vernunft widersprach. So auch die Wahl Pekings, die keine Besserung bezüglich der Menschenrechte, Meinungs- und Pressefreiheit brachte.
Ganz im Gegenteil, die ausländischen Medien mussten Tibet verlassen und das Internet wird zensiert. Das kann doch wohl alles nicht wahr sein!!!
Wo bleibt das Rückgrat des IOC's, der mächtigen Sportfunktionäre? Samaranch und havelange hatten nie eins, Rogge und Blatter anscheinend auch nicht...

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