Eröffnungsfeier am 19.7.1980:  Zuschauerrekorde trotz des Boykotts

Olympiaboykott von 1980

Als es reichlich Fleisch in Moskau gab

Als Protest gegen die sowjetische Militärintervention in Afghanistan boykottierten viele westliche Länder die Spiele 1980 in Moskau. Doch das „Polizeisportfest“ entwickelte eine überraschende Eigendynamik. Leo Wieland begleitete Olympia damals als F.A.Z.-Korrespondent und blickt zurück.

Lesermeinungen zum Beitrag

21. März 2008 18:29

@Edgar Sothmann

Sven Mueller (versmuellen)

Hallo,

man kann nicht nur Olympische Spiele boykottieren, wenn man mit dem Gastgeberland unzufrieden ist. Die Niederlande, dei Schweiz, und Spanien boykottierten die Spiele in Melbourne, z.B., weil sie mit dem Einmarsch der Russen in Ungarn nicht einverstanden waren (Quelle: wikipedia).
Zum anderen geht es doch in diesen Artikel hier um mehr als die Olympischen Spiele: es geht um das Selbstverstaendnis des Westens und sein Verhaeltnis zum Rest der Welt. Und da wird doch wohl immer wieder deutlich, dass der Westen unheimlich kritisch ist, wenn der Rest der Welt (Einmarsch der Russen 1956 in Ungarn und 1968 in der Tschechoslowakei und was eben jetzt China in Tibet macht), man aber dann wieder vergisst, dieselbe Elle auch bei sich selbst anzulegen. Das meine ich mit Doppelmoral. Mir ist schon klar, dass die Sowjetunion kein Land war, in das man emigrieren moechde. Man muss sich aber auch einmal vor Augen halten, dass westlich Laender, allen voran die USA, eben nicht so friedlich sind, wie sie sich gern geben. Die USA Arbenz aus dem Amt in Guatemala in 1954 (weiter in Nicaragua und El Salvador), stuerzten Mossadegh 1953 im Iran, Lumumba im Kongo 1961, toeteten 3 Millionen in Vietnam, Laos und Kambodscha (heute Afghanistan und Irak).

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20. März 2008 15:50

@Sven Mueller

Edgar Sothmann (E.Sothmann)

Hmm, es ist zwar Fakt, dass einige Olympia-Boykotte auch unabhängig vom Ort der Veranstaltung durchgeführt wurden (Melbourne '56 und Montreal '76 waren solche Fälle). Trotzdem die Frage: Welche der während des Vietnamkrieges stattfindenden Spiele hätten aufgrund dessen solcherart abgestraft werden sollen?

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19. März 2008 19:27

Ja, die Dopplemoral ...

Sven Mueller (versmuellen)

Hat man waehrend des Vietnamkrieges einen Olympiaboykott erwogen? Immerhin wurden ca. 3 Millionen Menschen von den USA dort umgebracht (umgerechnet ein "11. September" jede Woche, 20 jahre lang, von Napalm und 'Agent Orange' mal ganz zu schweigen).

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19. März 2008 18:28

Ironie der Geschichte

Kamil Khadisov (Kkkama)

Und welche Ironie der Geschichte. Die Verweigerer von gestern sitzen jetzt in Afghanistan und führen einen Krieg, bei dem der Ausgang, ohne Boykott, kein anderer sein wird, als wie es die Russen hatten.

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19. März 2008 17:56

Husák, Kádár

Sara Pasztor (paszi)

Gustav Husák war zu jener Zeit Staatsoberhaupt der Tschechoslowakei, dazu Generalsekretär seiner Partei. Ungarns erster Mann war János Kádár, als erster Sekretär. Staatsoberhaupt war Pál Losonczi. Welcher von ihnen in Moskau dabei war, ist freilich eine andere Frage.

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