19. März 2008 Für nahezu 4,5 Milliarden Dollar hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) sein Rechte-Paket für die Olympiade von 2005 bis 2008, also an den bevorstehenden Sommerspielen und den Winterspielen 2006 in Turin, verkauft. Peking allein bringt dem IOC 1,74 Milliarden Dollar für die weltweiten Fernsehrechte ein.
Bindende Verträge gibt es beispielsweise mit dem amerikanischen Fernsehsender NBC (Ertrag 894 Millionen Dollar) und der Europa-Rundfunk-Union EBU (443 Millionen Dollar). Sollte das IOC die versprochenen Bilder nicht liefern können, gäbe es nicht nur kein Honorar. Es könnte auch zu Entschädigungsforderungen kommen.
Für die 12 "TOP"-Sponsoren des IOC gilt dies auch. Es sind Weltunternehmen, die sich für insgesamt 866 Millionen Dollar das Recht erkauft haben, von 2005 und 2008 global mit den Olympischen Ringen werben zu können. Die Peking-Spiele bedeuten für Firmen wie Coca-Cola, McDonald's, Visa und Samsung, sich dem 1,3-Milliarden-Menschen-Markt China empfehlen zu können. Das wollen auch die 35 Sponsoren des Pekinger Organisationskomitees (Bocog), darunter Volkswagen und Adidas. Sie bringen Bocog etwa eine Milliarde Dollar ein - und verlangen Gegenleistungen für Zahlungen von zum Teil mehr als 100 Millionen Dollar.
Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas rüstet in Peking 40000 freiwillige Helfer und 18 Olympia-Teams aus, einschließlich Deutschland und China. Bis 2010 will das Unternehmen aus Herzogenaurach das Netz seiner eigenen Läden in China von 4000 auf 7000 ausweiten. Große Wachstumsraten erwartet auch die Volkswagen AG, die Bocog mit 5000 Autos den gesamten Fuhrpark stellt. Allein 1000 davon sind von der Marke Audi.
Hauptgeschädigter eines Ausfalls der Spiele wäre China, das für seine Staatsspiele mindestens 30 Milliarden Dollar investiert hat. Rechtlich gesehen ist Bocog mit einem Ausrichtervertrag an das IOC gebunden. Ein Gerichtsverfahren müsste wohl klären, welche Rechte und Pflichten durch eine Absage der Spiele verletzt würden.
Aus den Gesamteinnahmen stehen dem IOC lediglich acht Prozent oder 360 Millionen Dollar von 4,5 Milliarden zu. Der große Teil fließt an den Weltsport: Die 28 an den Sommerspielen beteiligten Sportfachverbände erhielten 2004 aus den Athen-Spielen 254 Millionen Dollar. Die Nationalen Olympischen Komitees (NOK) bekamen vor vier Jahren 210 Millionen Dollar. Zusammen mit dem bereits kassierten Turin-Anteil und den Rücklagen könnte das IOC seine Haushalte der Jahre 2005 bis 2008 ausgeglichen gestalten. Vergeblich hatte die IOC-Führung versucht, den Ausfall einer Olympiade durch eine Risikoversicherung abzudecken. Die Prämie wäre unbezahlbar gewesen. Als Absicherung für eine Vierjahresperiode bilden die Olympier ständig Rücklagen: Ende 2006 betrugen sie 319 Millionen Dollar.
Text: dpa
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