Von Frank Hollmann, Peking
28. Januar 2008 Wenn es dunkel wird in Peking, erstrahlt das olympische Schwimmstadion in seinen schönsten Farben – genauer gesagt in 1670 verschiedenen Schattierungen. Ähnlich der Münchner Allianz-Arena ist der Wasserwürfel Water Cube ein Chamäleon, die blasenförmige Außenhülle eine farbenfrohe Lightshow.
Außer dem Vogelnest, dem zentralen Olympiastadion, verkörpert keine andere Sportstätte so sehr den architektonischen Wagemut, mit dem Peking die Gäste aus aller Welt im August in Staunen versetzen will. Entsprechend gigantisch feierte Chinas Sportbürokratie am Montag die Präsentation des Water Cubes vor ganzen Hundertschaften der internationalen Presse, Pathos und Parteipropaganda inklusive.
Fingerdick bedeckt vom Baustellenstaub
Doch untertags, ohne atemraubende Illumination, zeigt sich das Schwimmstadion von außen bislang nur als grauer ausgedellter Schuhkarton, fingerdick bedeckt vom Baustellenstaub und, so munkeln einige hinter vorgehaltener Hand, vom Ausstoß allzu vieler, allzu wenig olympiaenthusiastischer Vögel. Das werde man aber noch alles säubern, versichert der strahlende Chefkonstrukteur Zheng Fang und betont den Ökowert der weltweit einmaligen Schwimmarena. Die Waben absorbieren die Sonnenenergie und lassen das Tageslicht hereinströmen. Knapp zehn Prozent Energie spare man so gegenüber vergleichbaren Bädern, erzählt Zhang.
Ein paar Meter weiter schwärmt ein weiterer Offizieller vom Water Cube als einem Symbol der umweltfreundlichen, der grünen Spiele. Da würden die Sitze doch herrlich dazu passen, erklärt er der verdutzten Journalistenschar. In Wirklichkeit sind die 17.000 Sitzschalen blau und weiß. Ein chinesischer Reporter klärt auf. Der Herr sei farbenblind.
Ende der Diskussion
Von den beiden Tribünen an den Längsseiten des Beckens aus werden die Zuschauer die Schwimmer, Wasserspringer und Synchronschwimmer beim Kampf um 42 Goldmedaillen anfeuern. Damit dann auch alles perfekt abläuft, testen in den nächsten Wochen Weltklasseathleten das 50-Meter-Becken und die Sprungtürme. Im Februar trifft sich die Springerelite zum Weltcup. Bereits vom Donnerstag an durchpflügen einige der weltbesten Schwimmer das Wasser. Vom Deutschen Schwimmverband reisen neben anderen Britta Steffen, Helge Meeuw und Sportdirektor Örjan Madsen an.
Man sei voll im Zeitplan, versichert Pekings Vizebürgermeister Chen Gang. Alle Sportstätten seien fertiggestellt. Nur am Olympiastadion werde noch gebaut. Im Mai soll es mit einem Leichtathletikmeeting offiziell eröffnet werden. Weniger leutselig zeigt sich Chen allerdings auf Fragen zu einem möglichen Olympiaboykott. So wolle Prinz Charles wegen der Lage in Tibet nicht kommen. Unversehens muss die Moderatorin einspringen. Ein Boykott sei unfair und Olympia ein Ereignis der Harmonie. Ende der Diskussion. Der Vizebürgermeister schweigt derweil und lächelt. Kurz darauf ist die Gesprächsrunde beendet.
Wenigstens auf die Frage nach der Nachhaltigkeit der olympischen Sportstätten haben Pekings Funktionäre eine Antwort. Sechs Hallen und Stadien sollen Teil der Universitäten werden. Der Wasserpark am Stadtrand, in dem Rudern, Kanu, Kajak und Langstreckenschwimmen stattfinden werden, wird ein Erholungsgelände für die Vorortbevölkerung. Auch für den Water Cube gibt es einen nacholympischen Nutzungsplan. Er wird zum Freizeit- und Vergnügungszentrum. Ein Teil der Tribünen wird nach den Spielen herausgerissen. Stattdessen werden Boutiquen, Nachtklubs und Restaurants einziehen. Schon jetzt kann man in der Schwimmarena auch Tennis spielen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS
Tour-Kommentar: Wenig erhellende ![]()
Ein Jahr nach dem Tour-Debakel: Piekser im System
Wimbledon: Venus schlägt Serena
Tour de France: Valverde holt Etappensieg, Pevenage will reden
Tour de France: Im Juli wird das Urteil über den Radsport gefällt
Sollte im TV mehr Randsport gezeigt werden?
