Olympische Gartenparty in Bellevue

„Wer da jammert, kann zuhause bleiben“

Von Christoph Becker, Berlin

26. Juli 2008 Die Sonne knallte auf die Terrasse und den Rasen von Schloss Bellevue, und wer bemerkte, wie heiß es doch sei, konnte sich fast sicher sein, entweder „Fast wie in Peking“ oder „Aber die Berliner Luft ist besser“, vielleicht sogar auch beides zu hören aus der großen Runde der Sportler, Funktionäre und Journalisten vor dem Amtssitz des Bundespräsidenten.

Der Smalltalk funktionierte wie auf einer gelungenen Gartenparty und weil die rund 50 Sportler, die sich von Bundespräsident Horst Köhler mit dem Wunsch zu „guten menschlichen Begegnungen“ nach Peking zu den Olympischen und Paralympischen Spielen verabschieden ließen, gute Laune im Garten der ersten Adresse der Republik verbreiteten, wurde viel gelacht.

„Die Chinesen tun alles, was in ihrer Macht steht“

Da konnten auch Themen wie eben der befürchtete Smog während der Spiele die Stimmung nicht drücken. „Wenn ich am Ende 100 Punkte unter meiner Bestleistung bleibe“, sagte Siebenkämpferin Sonja Kesselschläger, „dann wird das den anderen genauso gehen, dann ist das eben so.“

Und Johannes Polgar, jüngst vom Training im Segelrevier in Qingdao zurück gekehrt, ist sich sicher: „Die Chinesen tun alles, was in ihrer Macht steht: die Unterkünfte sind mit sensationell viel Liebe zum Detail gebaut, und im Moment arbeiten mehr als 100.000 Menschen daran, der Algen Herr zu werden. Wer da jammert, kann zuhause bleiben.“

Bach froh, wenn der erste Startschuss fällt

Die gute Laune steckte auch Thomas Bach an. Knapp zwei Stunden zuvor hatte sich der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes und IOC-Vizepräsident noch einmal Kritik anhören müssen, vor allem zum Umgang der Sportfunktionäre mit den Problemen Chinas.

Der Sportsoziologe Gunter Gebauer, Professor für Philosophie an der Freien Universität Berlin, sagte bei der Abschlussdiskussion des ersten deutschen olympischen Sportkongresses, dass der Sport seine völkerverbindende, symbolische Macht nur ausüben könne, wenn er in einem freien und transparenten Umfeld betrieben werde, und dass die Funktionäre des IOC dies doch bei der Vergabe der Spiele berücksichtigen müssten. Wohl auch, weil er sich diese Kritik nun schon oft anhören musste, sagte Bach zum Ende des Kongresses, dass er heilfroh sei, wenn der erste Startschuss in Peking fällt.

„Ganz Deutschland“ werde den Sportlern die Daumen drücken

Als Bundespräsident Köhler in seinen Worten an die Sportler darauf hinwies, dass während der Spiele „ein besonders genauer und kritischer Blick“ auf den Gastgeber, auf die „Menschenrechtslage in China und in Tibet fallen wird“, es „gut ist, dass der Sport Diskussionen befördert“ und dass „diejenigen, die friedlich für ihre Überzeugungen auf die Straße gehen, auch die Werte des Sports fördern“, war Bach besser gelaunt.

„Ganz Deutschland“ werde den Sportlern die Daumen drücken, hatte Köhler zuvor gesagt, deshalb bedankte sich Bach beim Bundespräsidenten für die Unterstützung, die nicht selbstverständlich sei angesichts der politischen Diskussionen, die „die Spiele belastet haben“. Dann wies er darauf hin, welch „begeisterter Sportler“ Horst Köhler doch sei, und überreichte dem Bundespräsidenten als Geschenk den „Medaillenanzug“, der deutschen Olympiamannschaft, der sich dadurch von einem gewöhnlichen Trainingsanzug unterscheidet, dass er, „möglichst oft“, bei den Siegerehrungen in Peking zu sehen sein wird.

Das Gewitter erreichte die Sportler nicht

Ganz so streng ist die Kleiderordnung aber wohl doch nicht, denn Köhler ließ sich von Bach ins Oberteil der schwarz-rot-goldenen Sportkluft helfen, um sich unter die gut gelaunte Schar der Sportler zum Gruppenfoto zu gesellen. Auch mit dem Bundespräsidenten funktionierte der Smalltalk offenbar, die zahlreichen Bemerkungen der Sportler erheiterten Köhler sichtlich.

Später, der Bundespräsident hatte die Party bereits verlassen, sein Rednerpult stand aber noch vor der Terrasse, stellte sich Judoka Sandra Köppen-Zuckschwerdt auf das Podest mit dem Bundesadler und sang ihrem Trainer Norbert Littkopf gemeinsam ihren Teamkolleginnen Yvonne Bönisch und Annett Böhm ein Ständchen zum 64. Geburtstag. Besser hätte die Laune der Sportler und Trainer also kaum sein können bei ihrem kleinen Fest beim Staatsoberhaupt, und als eine halbe Stunde später ein Gewitter über Tiergarten zog, da waren die Sportler längst wieder gefahren.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

 
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