Mit Atemmasken in Peking

„Wie eine Gruppe Darth Vaders“

25. Januar 2008 Randy Wilber, Physiologe des Amerikanischen Nationalen Olympischen Komitees (USOC), drängt amerikanische Athleten, die an den Olympischen Sommerspielen in Peking teilnehmen, angesichts der Luftverschmutzung in China bis zu ihren Wettkämpfen Atemmasken zu tragen. Das berichtet die New York Times. Sie zitiert amerikanische Boxer, die sich im Dezember vergangenen Jahres auf Hotelfluren auf Kämpfe in Peking vorbereitet hätten, weil die Luft „ekelhaft“ gewesen sei. Bei Bahnradwettbewerben im vergangenen Jahr sei Smog ins geschlossene olympische Velodrom eingedrungen und habe bei amerikanischen Fahrern zu Reizhusten geführt.

Daher habe Wilber Kohlefiltermasken entwickelt. 750 bis 1000 dieser Masken, die zwischen 20 und 25 Dollar kosteten, sollen an amerikanische Sportler verteilt werden, so die Zeitung. Sie filterten zwischen 85 und 100 Prozent des Feinstaubs, Schwefeldioxids, Kohlenmonoxids und Stickstoffdioxids. Herkömmliche Papiermasken, die von einigen Pekinger Bürgern im Straßenverkehr getragen werden, filterten lediglich 25 bis 45 Prozent der Schadstoffe, so Wilber.

„Sie sahen aus wie eine Gruppe Darth Vaders“

In dem Bericht schloss der Physiologe aus, dass die Sportler die Masken im Wettkampf tragen: „Das würde die Chinesen und das Internationale Olympische Komitee in Verlegenheit stürzen und zu einem Politikum werden.“ Die Zeitung zitiert dazu eine IOC-Sprecherin. Es sei Sache der internationalen Sportverbände, was in der jeweiligen Disziplin während der Wettkämpfe getragen werden dürfte.

Seit 2006 habe Wilber bei drei Gelegenheiten Luftmessungen in Peking vorgenommen und festgestellt, dass die Belastung „erheblich größer“ als bei den Olympischen Spielen von Los Angeles 1984 und Athen 2004 sei. Einen ersten Prototyp der Maske habe er bei der Junioren-Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2006 in Peking getestet. Diese frühe Version habe die Athleten aber beim Atmen behindert.

Vorbereitung in Japan oder Südkorea

Vor Wettkämpfen in China im vergangenen September hätten amerikanische Triathleten dann eine verbesserte Maske getragen. Die Konkurrenten hätten beim Anblick der Amerikaner gekichert. „Sie sahen aus wie eine Gruppe Darth Vaders“, sagte ein Triathlet der Zeitung. Weiter zitiert sie den amerikanischen Triathlon-U-23-Weltmeister von 2005, Jarrod Shoemaker, der mehrmals bei Wettkämpfen in Peking startete: „Man sieht mit der Maske albern aus, aber ich hatte nach dem Wettkampf kein Brennen im Rachen, konnte atmen und sprechen. Als ich zuvor in Peking angetreten bin, ging das nicht. Es scheint, als hätten wir einen Riesenvorteil. Das soll so bleiben.“ Wilber wolle die Bauart der Maske bis zu den Olympischen Spielen geheimhalten.

Wegen der Luftverschmutzung in Peking planten die amerikanischen Kanuten und Kajakfahrer, sich in Japan auf ihre Wettkämpfe vorzubereiten, während sich die Triathleten in Südkorea aufhalten wollten, bis ihre Wettbewerbe beginnen. IOC-Präsident Jacques Rogge hatte in der Vergangenheit bereits angekündigt, Ausdauerwettbewerbe in Peking notfalls zu verschieben, falls die Luftverschmutzung am geplanten Wettkampftag zu groß ist.



Text: F.A.Z., 26.01.2008, Nr. 22 / Seite 35
Bildmaterial: REUTERS

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