Wenn mir persönlich etwas zuwiderläuft ist es offenkundige Falschheit und Verlogenheit. Zu der Art und Weise wie China mit dem Recht seiner Bürger auf Selbstbestimmung umgeht darf es nur eine Antwort geben: Absage der Olympischen Spiele, weil diese Verhaltensweise der olympischen Idee definitiv nicht entspricht. Die diversen Reaktionen der Komitees und Bünde lässt nur einen Schluß zu: man ist gut eingebunden in ein Riesengeschäft. Dass die Mehrzahl der Sportler eventuelle Erfolge in bare Münze umwandeln will, dürfte sich herumgesprochen haben. Auch ansonsten bricht China permanent geltendes internationales Recht. Über werbale Proteste von Politikern und Sportlern hält man sich in China schon den Bauch vor lachen. Ein Protest, der China nicht weh tut ist kein Protest. Das gilt für Sport und Wirtschaft!
Als China die Olympischen Spiele zugesprochen bekam, waren sämtliche Bedenken bereits bekannt. Die Unterdrückung in Tibet ist nichts neues und auch andere menschenrechtsverletzende Vorkommnisse waren bereits bekannt. In China hat sich in den vergangenen Jahren bereits vieles zum positiven entwickelt und beim derzeitigen Konflikt ist fraglich, ob die Aggression von China ausging oder eine kalkulierte Provokation aus Tibet vorliegt. China selber war im Olympiajahr wohl kaum an negativer Publicity dieser Art interessiert.
Statt nicht zu den Olympischen Spielen zu gehen, steht es ja jeder Mannschaft frei in jedem Interview auf die Menschenrechtsfrage in China einzugehen und die Trikots mit Protestzeichen zu versehen. So wird es der Chinesischen Regierung auch schwer gemacht, das eigene Volk über menschenrechtsverletzende Aktivitäten im unklaren zu lassen.
Der von Politikern nunmehr geforderte oder abgelehnte Boykott vergißt eines: Die olympische Veranstaltung ist inzwischen zu sehr kommerzialisiert, als daß von den Sportorganisationen der Boykott auch nur je aus sich heraus planbar wäre. Da hilft nur eines: Der persönliche Boykott jedes einzelnen. In den 60er Jahren grassierte ein Zitat: "Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin." Jetzt muß es heißen "Stell dir vor es ist Olympiade und keiner schaut zu". Ein zweites muß hinzutreten: "Stell dir vor jemand wirbt als Sponsor von Olympia und keiner kauft ihre Waren." Denn es ist nicht nur Sache der "Obrigkeit", sondern auch meine Sache, Einfluß zu nehmen. Und Sache der Medien ist es, auf diese je eigene Verantwortung und Möglichkeit hinzuweisen.
Mit Gruß
Theodor König
