
„Also muss man sich die Frage schon stellen, was machen die anderen Systeme (die autoritären) besser (als die demokratischen)? ... Nun, lieber Herr Hense, die freiheitlichen „Systheme“ machen es z. B. Ihnen persönlich möglich, hier in der FAZ.NET ihre systhemkritischen Meinungen einer breiten Leserschaft kundzutun. Im umgekehrten Falle, nämlich, wenn Sie in China das dort herrschende authoritäre Systhem entsprechend bemängelten, würden sie wohl kaum auf eine Veröffentlichung Ihrer Beiträge hoffen können, wohl aber eher eine Verhaftung und einen langen Gefängnisaufenthalt ohne Urteil einer unabhängigen Justiz in Kauf nehmen müssen. Guantánamo ist im Vergleich zum chinesischen oder russischen Durchschnittsgefängnis übrigens vergleichsweise wohl ein Kurhotel. Oder haben Sie gemeint, dass China nach Aufgabe der kommunistischen Wirtschaftsdoktrin nun in VWL-Dingen den „besseren Weg“ eingeschlagen hätte? ... Na, dann warten wir mal, bis die wirklich existenzielle Blase des Brutal-Kapitalismus in China platzt ... oder Russlands Gesellschaft ob ihrer internen Spannungen explodiert!

Es wird allerhöchste Zeit, dass man im Westen das überholte Mantra der vier "BRIC-Entwicklungsnationen" (Brasilien, Russland, Indien, China) aufgibt. Diese vier Wirtschaftsgebiete sind total andersgeartet und haben so gut wie nichts miteinander zu tun. Weder in ihrer politischen noch ökonomischen Bedeutung lassen sie sich auf irgend einem Gebiet vergleichen.

Als 'Unternehmensberater in Sachen Epochenwechsel' habe ich beide Regierungen im Vorfeld der oben genannten Systementscheidungen über den anstehenden Epochenwechsel in die Weltordnung des KREATIVEN beraten. Beide Staaten sind auf den evolutionsprozess-logischen, kreativen Fortschrittspfad gewechselt. Dieser PFADwechsel steht in den westlichen, frühindustrialisierten Staaten an - im Rahmen der Versuche, die Folgen der us-amerikanischen Finanzsystemkrise zu begrenzen. Es gilt, das Regime des kapitalstockmaximierenden Wachstumszwang-Absolutismus zu entsorgen. Angela Merkel weiß um diese revolutionäre Aufgabe. Im ZEIT-Interview zur Herausforderung durch die autokratisch organisierten Staaten befragt, meinte sie 'freie Gesellschaften seien kreativer' und habe deshalb keine Sorgen. Deutschlands Ordnung muß aber den Schritt in eine Ordnung-des-Kreativen machen. Deutschland kann mit den Rumpelstilzchen-Clanstrukturen der Kapitalstockmaximierer die Konkurrenz mit den Autokratien nicht bestehen, ja, sich nicht einmal über die nächste Wachstumdelle hinwegretten. Die Systemfrage ist geschichtlich gestellt und wird evolutionsprozess-logisch beantwortet. Das ist die Lage. Danach erst hat sich die Systemfrage geschichtlich erübrigt.