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Video-Filmkritik: „Kung Fu Panda“

Der Bär ist mehr als ein Berserker

Von Andreas Platthaus

Video in voller Größe

02. Juli 2008 Neu ist die Idee nicht, aber immer wieder schön: Bevor sich das in aufwendigster Computertechnik entwickelte Spektakel eines modernen dreidimensionalen Zeichentrickfilms entfaltet, entführt uns die Anfangssequenz in die Vergangenheit des Genres. So auch bei „Kung Fu Panda“, dem neuen Film des Dreamworks-Studios. Nachdem bereits das Firmensymbol, der von der Mondsichel herab angelnde Knabe, durch eine Wildkatze mit Strohhut ersetzt worden ist, die erst auf den Halbmond hinaufhechtet, ehe sie sich in meditativer Pose dem Fischfang zuwendet, entführt uns ein wildes Kampfgeschehen in die flächige Animation, wie sie in den fünfziger Jahren gepflegt wurde. Mittelpunkt des Bilderwirbels in Rot und Gold ist ein furios fightender Panda, der vor Selbstbewusstsein strotzt: „Bärenstark zu sein ist unbezahlbar - genauso wie gutes Aussehen.“ Unterstützt wird er von den „Furiosen Fünf“, einer Tigerin, einem Affen, einer Gottesanbeterin, einem Kranich und einer Viper, die als Kollektiv die Kunst des Kung-Fu in höchster Vollendung praktizieren - sehr zum Leidwesen ihrer Gegner.

Und auch sehr zum Leidwesen des Pandas. Wenn die eleganten Silhouetten der „Furiosen Fünf“ in starre Posen überblendet werden, erweisen sie sich als bloße Actionfiguren auf der Fensterbank des Schlafzimmers von Po, der seinen Aufritt als Kampfpanda nur geträumt hat. Vom Berserker bleibt am Morgen keine Spur, im wahren Leben bedient er in der Garküche seines Vaters und soll sich ins Familienmotto schicken: „Wir sind Nudelleute; durch unsere Adern fließt Suppe.“ Dabei möchte Po so gerne etwas Größeres sein.

Ein Anti-Held trainiert sich

Eines ist auffällig bei diesem Wechsel vom zwei- zum dreidimensionalen Zeichentrick in „Kung Fu Panda“: Dem Helden fehlt es zu Beginn an Gewicht. Den dicken flauschigen Bären sieht man auf der Leinwand, aber man spürt seine Masse nicht. Erst als er die Treppe ins Lokal herunterstürzt, bekommt man als Zuschauer ein Gefühl dafür - ein erstaunlicher Fehler in einem ansonsten nach allen Regeln der Kunst animierten Film, für den neben dem 3-D-Spezialisten und Dreamworks-Neuling Mark Osborne der Storyboard-Veteran John Stevenson verantwortlich zeichnet. Aber vielleicht sind gleich zwei Regiedebütanten bei einem abendfüllenden Trickfilm doch etwas heikel.

Doch das ist ein Detail. Im Großen betrachtet, ist „Kung Fu Panda“ eine höchst erfreuliche Überraschung, denn Plot und Hauptfigur wirkten vorab wie maßgeschneidert für ein Massenprodukt ohne größere Ambitionen: Panda - wie niedlich! Und ein Versager, der zum Helden wird - wie erbaulich! Doch dieser Panda ist vor allem fett, und sein Weg zum Heldentum wird erst ermöglicht durch die Intelligenz des Kung-Fu-Meisters Shifu (der witzigerweise ein kleiner roter Panda ist, die in der Gunst der weltweiten Zoobesucher immer im Schatten ihrer großen schwarzweißen Vettern stehen): Er nutzt die Verfressenheit seines ungeliebten Schülers fürs Training aus.

Sorgfalt im Detail

Die brillanteste Figur jedoch ist Pos Vater. Er ist kein Panda, wie man annehmen sollte, sondern eine Gans. Warum, darüber verliert der Film kein Wort. Wozu auch, wenn der Vater so hinreißend schlüssig animiert ist, dass man sich wünscht, er möchte ewig weiter durchs Bild schwanken und schwadronieren. Als Klischee eines unambitionierten, aber integren Mannes ist diese Gans perfekt, und somit erfüllt sie ihre Rolle im Kontext der Handlung aufs beste. Jede nachgereichte Adoptionsgeschichte wäre hier überflüssig, weil man den Respekt und die Liebe zwischen Vater und Sohn spürt.

Dass es überhaupt noch einmal möglich sein sollte, nach reiner Massentierhaltung im Trickfilm wie in „Madagascar“, „Jagdfieber“ oder „Tierisch wild“ zwingende animalische Besetzungen aus den Rollen heraus zu entwickeln, konnte man kaum erwarten. Eine Ratte als Koch in „Ratatouille“ - das durfte man auf das Genie der Macher des Pixar-Studios schieben. Aber nun die Panzernashörner zu sehen, die im Gefängnis die Nemesis von „Kung Fu Panda“, den enttäuschten Shifu-Schüler Tai Lung, bewachen, das ist wie eine Wiederkehr der goldenen Jahre des Trickfilms, wo jeder kleinste Auftritt wie mit „Brehms Tierleben“ abgestimmt schien. Erst jetzt merkt man, wie sehr man diese Sorgfalt im Umgang mit den Figuren vermisst hat. Selbst die äußeren Krallen an den Füßen einer Schildkröte entsprechen in ihrer Überlänge der Wirklichkeit (und erfüllen eine Funktion im Film, indem sie die gestischen Ausdrucksmöglichkeiten der Figur steigern).

Zauberhafte Hommage

Und solche Liebe zum Detail setzt sich fort in der Sprecherwahl, und zwar bis in die deutsche Synchronisierung. Gut, einen Ersatz für Jackie Chan, der in der englischen Fassung den Affen der „Furiosen Fünf“ spricht, haben wir in Deutschland nicht, aber Hape Kerkeling als Titelheld ist wunderbar gewählt, weil sein Bild in der Öffentlichkeit eher noch dem behäbigen Panda-Klischee entspricht als das des überdrehten Jack Black, der Po im Original die Stimme leiht. Und auch Gottfried John als Shifu steht Dustin Hoffman in der gleichen Sprecherrolle nicht nach.

Slapstick, Kampfgetümmel, bisweilen auch etwas Melancholie - „Kung Fu Panda“ ist eine zauberhafte Hommage an den amerikanischen Kung-Fu-Film der siebziger Jahre. Die Bilder dagegen nehmen teilweise sehr subtile Anleihen bei der chinesischen Kunst vor, bis hin zum Abspann, der in Gestalt einer Querrolle gestaltet ist, die zwar von links nach rechts läuft, um der geläufigen Leserichtung des westlichen Publikums entgegenzukommen, aber trotzdem noch einmal den Esprit beweist, der in „Kung Fu Panda“ eingegangen ist.

Text: eule / F.A.S.
Bildmaterial: Universal

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