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Die Trottel von Hollywood: „Tropic Thunder“

Von Eric Pfeil

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18. September 2008 Tugg Speedman (Ben Stiller) steckt in einer Krise. Die Karriere des Action-Superstars hat ihren Zenit überschritten und stolpert bergab. Der Versuch, sich mit der Darstellung eines geistig Behinderten als seriöser Schauspieler zu etablieren, ist kläglich gescheitert; nun soll eine Rolle in „Tropic Thunder“, dem bislang teuersten Kriegsfilm aller Zeiten, die Karriere des dünnhäutigen Stars retten.

Doch die Dreharbeiten im südostasiatischen Dschungel laufen aus dem Ruder. Der preisgekrönte Co-Star und Method-Acting-Gott Kirk Lazarus (Robert Downey Jr.), ein Australier, der sich für den Film mittels einer Pigment-Transplantation in einen Schwarzen verwandelt hat, nervt mit darstellerischem Größenwahn, und der bislang nur aus unterleibszentrierten Komödien bekannte Jeff Portnoy (Jack Black) hat seine gesamten Drogenprobleme mit an den Set gebracht. Damit nicht genug: Als die Kosten explodieren, sieht Regisseur Damien Cockburn nur noch eine Möglichkeit, seinen Film zu retten: Er setzt seine Schauspieler in einem Anfall authentizitätslüsternen Experimentierwahns im Dschungel aus, um sie mit versteckten Kameras beobachten zu lassen.

Überholen auf dem Seitenstreifen

Schon die grobe Story der vierten Regiearbeit von Ben Stiller macht klar, dass ihm kaum weniger vorschwebte als eine Hollywood-Satire, die alle anderen Hollywood-Satiren johlend und grimassierend auf dem Seitenstreifen überholen sollte. Der Rahmen des Kriegsfilms eignet sich hierfür gleich in doppelter Hinsicht perfekt: Zum einen ist das Genre so etwas wie der Hauptaustragungsort cinematographischer Hybris, zum anderen ist der Antikriegsfilm von ähnlicher moralisch diskutabler Widersprüchlichkeit wie die Hollywood-Persiflage. Und tatsächlich ist „Tropic Thunder“ eine einzige Abi-Abschlussfahrt des modernen MTV-Zynismus, ein cleverer, mehrfach gebrochener Schülerstreich, der sich zu Altmans „The Player“ ungefähr so verhält wie Tom Cruise, der hier, durch eine unglaubliche Maske entstellt, den bösen Produzenten spielen darf, zu Tim Robbins. Unter Androhung von Klagen wurde untersagt, Cruises Rolle vorab durch Fotos oder Trailer-Bilder zu dokumentieren - ein Umstand, der deutlich demonstriert, wie ernst es allen Beteiligten mit diesem Witz ist.

„Tropic Thunder“ platzt an allen Enden vor Anspielungen und Zitaten, ganz so, als hätten ihn sich ganze Horden kapuzenpullitragender Film-Nerds in langen Jahren in einem Chat-Raum ausgedacht. Alles wird mit Fug und Recht in den Lichtkegel der Lachhaftigkeit gezerrt: der Kriegsfilm-Machismo von „The Deer Hunter“ und „Platoon“, das Starsystem mit all seinen Eitelkeiten, Abhängigkeiten und seinem Rassismus, die stereotype Technik moderner Kinotrailer und die Karrieremechanismen Hollywoods, die drittklassige Rapper ins Filmgeschäft zu hieven vermögen und die Darstellung Behinderter als sicheres Oscar-Ticket gelten lassen.

Aus allen Rohren wird gefeuert

Doch derlei Enttarnungen allein reichen „Tropic Thunder“ nicht, der Film feuert aus allen humoristischen Kanonen gleichzeitig: So werden in Tradition der Zucker-Brüder Szenen, Dialoge, ja sogar Ausleuchtungen aus Filmen wie „Apocalypse Now“ dem Spott preisgegeben, und während die Schauspieler durch den Urwald stapfen, schwafeln sie munter darüber, dass es ja inzwischen die Porno-Industrie sei, die über die Durchsetzungskraft von Homemovie-Formaten entscheide. Zusammengehalten wird der Film vor allem von seiner Besetzung: Stiller als verzärtelter Actionstar und Jack Black als drogensüchtiger Proll-Komiker sind gewohnt gut, bewegen sich jedoch auf vertrautem Terrain. Was aber Robert Downey Jr. hier als Karikatur eines aufgeblähten Charakterdarstellers leistet, ist denkwürdig. Wie er sich als Möchtegern-Afroamerikaner, nur mit Mühe seinen australischen Akzent unterdrückend und unter Augenrollen, in die Identitätskrise chargiert, sollte dringend im Original erlebt werden.

Natürlich setzt der Film dem, was man gemeinhin als „politisch unkorrekt“ bezeichnet, fortwährend lustige bunte Mützchen auf, und es verwundert nicht, dass in den Vereinigten Staaten diverse Behindertenorganisationen aufgrund von Stillers Darstellung der Figur des „Simple Jack“ gegen den Film protestierten. Doch natürlich haben Stiller und seine Mitautoren an alles gedacht: Nicht der Behinderte wird vorrangig belacht, sondern die filmindustrielle Ausbeutung von Behinderungen zum Zwecke darstellerischer Würdigung. Dass die Lacher teilweise am Ende doch auf Kosten der Behinderten gehen, ist eine Hollywoodsche Unwägsamkeit, die sich der Film ebenso zunutze macht, wie er sie angreift.

Vermutlich ist dies der beste Witz an „Tropic Thunder“: Ben Stiller, einer der bestbezahlten Hollywoodstars, hat einen Film gedreht, der das Produktionsbudget jener Gigantomanien, die er persifliert, locker übertrifft. Es ist ein Film, der Größenwahn mit größenwahnsinnigen Mitteln attackiert; der, so scheint es, den Teufel mit dem Beelzebub austreiben will, der aber am Ende gar nicht an einem Exorzismus interessiert zu sein scheint, weil der Teufel einfach zu lustig tanzt und es dumm wäre, ihm dabei nicht feixend zuzusehen. Zumal, wenn der Teufel von Tom Cruise, dem entrücktesten aller Hollywood-Beaus, gespielt wird. Die beste Pointe aber wird dem Film verwehrt bleiben: Wenn „Tropic Thunder“ nun auch noch gefloppt wäre, hätte der Film als überteuertes Komödien-Desaster das Gegenstück zu Michael Ciminos legendärem Kassengift „Heaven's Gate“ werden können. Was für ein Insiderwitz das gewesen wäre!

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Universal

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