Von Michael Althen
14. Februar 2007 Robert De Niro, dessen Unauffälligkeit als Regisseur von A Bronx Tale im umgekehrten Verhältnis zu seiner Präsenz als Schauspieler stand, hat genau daraus eine Tugend gemacht und erzählt in Der gute Hirte die Geschichte eines Mannes, dessen Haupttugend die Unauffälligkeit ist. Und er tut das mit einer Akribie, die auf 167 Minuten manchmal quälend, aber auch unglaublich faszinierend ist.
Der Film dreht sich beinahe um nichts - obwohl es natürlich um alles geht, namentlich darum, wie die CIA wurde, was sie ist -, der Held scheint sich vor unseren Augen aufzulösen und mit ihm beinahe auch Matt Damon, der Star, der ihn spielt, so dass man auch hier von verschärfter Dekonstruktion sprechen könnte, wie man sie eher im Museum, wenigstens aber im kunstsinnigeren Forum der Berlinale vermuten würde.
Ausdruckslos hinter Brillengläsern
Der gute Hirte fängt an mit einem Jungen, dem sein Vater einschärft, man dürfe nie lügen, und dessen Leben in der Folge zu einer einzigen großen Lüge wird, weil er der erste Chef der amerikanischen Gegenspionage im Kalten Krieg wird. Matt Damon spielt das hinter Brillengläsern so ausdruckslos wie möglich, ein Mann, dessen Zugriff aufs Leben so lustlos und schwach ist, dass er die einzige Erregung offenbar nur noch darin findet, aus Lügen und Täuschungen etwas zu spinnen, was er für das Leben hält.
In dieser bis aufs Grunde ihres Herzens eiskalten Scheinwelt der Spionage tummeln sich in mehr oder weniger bedeutenden Rollen weitere Stars wie Alec Baldwin, William Hurt, Timothy Hutton, John Turturro, Billy Crudup und eben auch Martina Gedeck und Angelina Jolie, die als verschmähte Gattin eine so eklatante Fehlbesetzung ist, dass es im Kontext des Films fast schon wieder konsequent ist. Denn als Regisseur scheint es De Niros Projekt, den Schauspielern den Glamour auszutreiben - und das ist ja auch nur folgerichtig in einer Welt, in der der Einzelne nur ein Rädchen im Spiel der Mächte ist.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Universal
