Video-Filmkritiken

Film

Over-styled: „Men in Black 2“

Von Gunter Göckenjan

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Video-Kritik: Agent Jay und Kay als "Men in Black II"

17. Juli 2002 Schwarz ist das Quietschrot, Knallgelb und Giftgrün der Menschen mit Geschmack. Schwarz, das sagen sogar schon die Konfektionsexperten in den letzten Ecken des Weltalls, symbolisiert Eleganz, Raffinement und Kultiviertheit. Besonders gut kleidet diese Farbe, die zugleich eine Weltanschauung ist, den attraktiven Star Will Smith. Während er seine Brille aufsetzt (die auch eine Hauptrolle spielt), erklärte er (im ersten Teil des Films „Men in Black“) seinem Partner Tommy Lee Jones: "Der Unterschied zwischen mir und dir ist, dass ich diesem Zeug Klasse verleihe!"

Wie wahr. Will Smiths geschmeidig toughes Auftreten, seine wohl temperierte Flapsigkeit und das Accessoires-Ensemble, zu dem jetzt auch ein Automobil gehört, scheinen sich gegenseitig zu veredeln. Mr. Jones dagegen trägt die modischen Kleinigkeiten auf eine konventionellere Art: So ernsthaft läuft er darin umher, dass man nicht umhin kann, dies für Ironie zu halten, und so wird eben auch Mr. Jones durch seine Kleidung hip. Ein perfektes Ensemblespiel. Dieses Vierer-Team, Mr. Jones, Mr. Smith und ihre beiden identischen Outfits sind cool. So war es vor 5 Jahren, als der erste Teil in die Kinos kam, so soll es jetzt wieder sein, da das Sequel veröffentlicht wird.

Mehr ist nicht genug

„Men in Black“ war und ist ein heißer Lifestyle-Artikel ohne jede Bedeutung - aber mit umso größerem Werbepotential (damals u.a. für eine Sonnenbrillenmarke, heute u.a. für eine Automarke). Da gibt es wieder bewährte Ausstattungsgegenstände und die schrägen Aliens, beispielsweise Cocktail schlürfende Würmer oder ein U-Bahnen jagendes Ungeheuer. Gelungenster Special Effect ist allerdings Lara Flynn Boyles weibliche Powerfigur (sie spielt eine medusenartige Übeltäterin, die auf der Suche nach einem Licht ist), die an die Wirklichkeit ihrer Gestalt kaum mehr erinnert. Lara Flynn Boyle hat hier zweifellos die Aufgabe, auch Kinogänger mit einem Desinteresse an digitalen Spielereien für die Special Effekts zu gewinnen.

Das Motto dieses Film könnte heißen „Mehr ist nicht genug“, und alles steuert auf das Zuviel zu. Trotzdem zeigt sich Regisseur Barry Sonnefeld an einem Punkt zurückhaltend: Schönste Überraschung der zweiten Folge ist die erfrischende Kürze; dieses Lichtspiel dauert nur 88 Minuten, und die sind mit soviel Sensation gefüllt, dass man quasi gewaltsam davon abgehalten wird, sich zu langweilen. Das ist auch dringend nötig, denn dort wo eine Geschichte sein könnte, arbeitet Sonnenfeld lediglich mit einem Set von Handlungssequenzen.

Schwarz - ein Lebensgefühl

Die Ausgangssituation: Agent Kay, den Tommy Lee Jones spielt, hatte man ausgeschaltet und in ein Postamt versetzt. Jetzt wird er wieder aktiviert, weil er ein Geheimnis weiß, das die Erde retten kann. Aber reden wir nicht über die Vorfälle oder das Handlungsgerüst, das sich daraus ergibt. Von „Men in Black“ erwartet man ohnehin keinen erzählerischen Glanz, sondern die Leichtigkeit eines prickelnden Lebensgefühls, die die überraschende Kombination aus elegantem Mode- und Industriedesign, mit schnoddriger Genrepersiflage und flotten Sprüchen einst geliefert hatte.

Doch obwohl die Einzelteile nicht enttäuschen und auch die Geschwindigkeit stimmt, in der sie über die Leinwand rasen, wirkt das Ganze wie ein Imitat. Die Überraschung ist raus, da wirkt der Spaß etwas gekünstelt - und Schwarz wird wieder zu einem von vielen denkbaren kommerziellen Komödien-Kostümen.

Mit „Men In Black“ beschäftigt sich auch der FAZ.NET-Beitrag Product Placement in der Automobilbranche.



Text: @göck
Bildmaterial: Columbia TriStar, faz.net

 
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