Video-Filmkritiken

Kino

Schonungslos: „I love Beijing“

Von Gustav Federhenn

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19. Juni 2002 Ein Taxifahrer kommt an Orte, von deren Existenz die meisten Leute nicht wissen. Er sieht die Stadt im Wandel der Tages- und Jahreszeiten. Dabei trifft er Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft und in den unterschiedlichsten Lebenslagen und Stimmungen. Und dann hat er auch noch ein eigenes Leben.

Dezis Leben steckt gerade in einer Krise. Er hat Probleme mit seiner Frau, einer eifersüchtig rasende Megäre. Sie will die Scheidung - oder seine Besserung. Dann macht sie sich eines Tages davon. Dezi lässt das unbeeindruckt.

Er ist vor allem Taxifahrer. Er fährt bei Tag und Nacht, fährt Männer und Frauen, wird von ihnen kommandiert, angefahren oder ignoriert oder auch in Gespräche verwickelt. Da gibt es gefährliche Situationen, wenn beispielsweise eine Gruppe von Gangstern seine Dienste in Anspruch nimmt. Und er kann ganz schön grausam sein. Wutschnaubend zwingt er einen armen Mann und sein Kind, sich mitten auf der Straße auszuziehen, weil die beiden ihre Fahrt nicht bezahlen können.

Einmal ist Dezi widerlich

Das ist der einzige Moment, an dem Dezi uns so richtig unsympathisch ist. Glaubwürdig scheint seine Reaktion um so mehr: Eben noch wurde er von einer Gang gezwungen, kostenlos zu arbeiten. Jetzt ist er der Stärkere und in der Großstadt gibt der Stärkere nicht nach, er schlägt zu oder zurück.

Zum ersten Mal tritt Dezi hier aus dem Verkehrsfluss seiner Arbeit und seiner Triebe heraus. Wenn er sein Auto durch die Stadt lenkt, scheint er sich treiben zu lassen. Und ganz ähnlich gestaltet sich seine Beziehung zu den Frauen. Er ist ein Mann, der die Frauen liebt. Und er bekommt sie schnell. Denn Dezi - dargestellt von Yu Lei - sieht aus wie ein Hollywood-Star.

Dezi ist gewiss kein moralisches Leitbild für den Zuschauer. Ein Teil seiner Aufgabe ist es, für den Zuschauer Taxifahrer und Fremdenführer zu sein. Im Vorbeifahren sehen wir einen urbanen Gigantismus wie er lebt und wächst: Wolkenkratzer, Wohnburgen und Luxus-Appartments. Das sind spannende Bilder einer fernen, fremden Welt.



Text: @henn
Bildmaterial: FAZ.NET, kairos filmverleih, Verleih

 
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