Video-Filmkritiken

Filmkritik

Mit Schweinen schmusen: „Emmas Glück“

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Film-Kritik: Jürgen Vogel in "Emmas Glück"

16. August 2006 Ranschmeißerisch wie ein Hochglanzbewerbungsschreiben, so beginnt dieser Film. Der Regisseur Sven Taddicken läßt Emma, die Bäuerin, erst mit einem Schwein schmusen und ihm dann den sanften Tod bereiten, um diese kleine Pastorale parallel zu montieren mit Max, dem Autoverkäufer. Bei der Computertomographie; und kurz bevor der Pankreaskrebs diagnostiziert wird, quellen die Gedärme aus dem Schweinebauch.

Doch das Imponiergehabe, mit dem man sich für TV-Filme und höhere Fördersummen qualifiziert, zerbröselt unter der Wucht einer traurig-komisch-kratzbürstigen Liebesgeschichte, die den moribunden Max und die sture Emma zusammenbringt - ein wenig märchenhaft wirkt das und doch sehr erdverbunden, ein wenig überkonstruiert und doch berührend, weil die Schauspieler es tragen. Was das deutsche Kino an Jürgen Vogel hat, ist ja längst bekannt, nicht erst seit „Der freie Wille“, was es an Jördis Triebel hat, die bisher überwiegend am Theater gespielt hat, ist ein Versprechen: Die 28jährige ist nicht konventionell hübsch, sie wirkt mit ihrem etwas rundlichen Gesicht und ihren intensiven graugrünen Augen zugleich sehr resolut und verletzlich, sie kann burschikos sein und hat eine Präsenz, die mühelos mit Vogels Loser-Charme mithält. Sie ist das größte Glück von „Emmas Glück“.

Die Welt dieses Films ist die Provinz. Statt sich in den immergleichen Großstadtsimulatoren herumzutreiben, geht Sven Taddicken in den Hochsauerlandkreis, und alles Unebene, Unformatierte, was Dramaturgen, Redakteure und Förderbeamte sonst mit vereinten Kräften wegschleifen, bleibt in diesem Ambiente erhalten: In „Emmas Glück“ unterminieren Energie und Ausstrahlung der Schauspieler hartnäckig den Hang zur Gefälligkeit.



Text: FAZ.NET mit Material von pek / F.A.S. vom 12. August 2006

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