Von Gustav Federhenn
13. Mai 2002 Hurra, es gibt eine neue Star Wars Folge. Die Werbemaschine läuft, die Fan-Erregung kocht und die Merchandising-Produkte sind auch schon verkauft, kurz nachdem sie die Läden erreicht haben. Im Fernsehen wird von den Schlangen berichtet, die seit Wochen vor den Kinokassen auf den Start von Episode 2 warten - somit ist wohl auch der Verkauf der Eintrittskarten gesichert.
Man kennt diese anschwellenden Bocksgesänge seit dem Erfolg der ersten Lieferung des kriegerischen Breitwandspektakels vor 25 Jahren. Hype nennt man das, was sich da aus kalkuliertem Vermarktungsinteresse heraus entwickelt, und sein Erscheinungsbild erinnert ein wenig an das fast vergessene Krankheitsbild der Hysterie.
Erste Anzeichen des Bösen
Da soll nun, so will es die Tradition, auch der Kritiker seinen kommentierenden Teil hinzutun, ein undankbares Geschäft, angesichts der jubelnden Amüsierlust, die diese Serie umgibt. Aber kurzweilig und unterhaltsam ist dieses schwerfällig-unbeholfene Stück futuristischer Frühgeschichte nicht, und natürlich gilt der als Spielverderber, der nicht umhin kann, vom Entertainment-Defizit wahrheitsgemäß zu künden. Das wollen wir nicht sein, also können wir darauf hinweisen, dass die Episode II nicht ganz so schlecht ist, wie ihr Vorgänger. Aber fast.
Auch in Nr. 2 wird weiter die Vorgeschichte zu der bekannten Trilogie erzählt. Anakin Skywalker, der Vater von Luke, ist jetzt 19 Jahre alt, und in diesem Teil soll, wie George Lucas sagt, das Warum und Wie seiner Entwicklung erklärt werden. Ein übler Bursche wird aus ihm werden, das wissen wir, doch noch ist er ein sympathischer junger Mann. Seine Anfälle von Eigensinn und rebellischem Elan allerdings wären ihm vor 25 Jahren wohl als jugendliche Energie angerechnet worden. Jetzt sollen wir darin die ersten Anzeichen des Bösen sehen.
Zeichnungen des Banalen
Der Entwicklungsroman, den Lukas im Sinn hat, bleibt ebenso platt wie die Darsteller hölzern. Hayden Christensen als junger Wilder mit ungezügeltem Temperament trägt die Zwischentöne seiner Rolle, wie man ein spektakuläres Sommeroutfit über den Laufsteg führt. So passt er hervorragend zu Natalie Portman (als Padmé Amidala, ehemals Königin, jetzt Senatorin), deren künstlerischer Beitrag sich auf das behutsame Tragen aufwändiger Frisuren und historisierender Zukunftskostüme beschränkt.
Die beiden sind dazu verdammt, sich unsterblich ineinander zu verlieben. Dabei sprechen sie Sätze, die an Harrison Fords Fluch erinnern, den er an Lucas gerichtet hatte: Man kann diesen Scheiß schreiben, sprechen kann man ihn nicht.
Technische Leistungs-Show statt Filmerzählung
Lucas badet diese unsägliche Liebesgeschichte in Bildern, die der Kommerzromantik des 19.Jahrhunderts abgeschaut ist - Gartenlaube. Dazu passt die neuste Neugotik, die den architektonischen Kulissenstil der Parallelhandlung bestimmt, bei der es um den Kampf zwischen dem bösen Drahtzieher Count Dooku und den Jedi kommt, zu dem die detektivische Ermittlung Obi-Wan Kenobis (Ewan McGregor) hinführt. Bei dieser entdeckt der Krieger auch die Existenz der Klon-Armeen, die zum guten Schluss zur Anwendung kommen. Auch dieser Handlungsstrang zeigt statt abenteuerlicher Frische und emotionalem Engagement hölzerne Bewegung.
Einiges spricht dafür, dass man George Lukas falsch versteht, wenn man, wie wir, die Fortsetzung der Science-Fiction-Trilogie in die Vergangenheit als Filmerzählung rezipiert. Größer ist die Freude des Zuschauers zweifellos, wenn er diesen Film als technische Leistungs-Show sieht, bei der ein Set von Bildern hingeblättert wird, die zeigen, was man mit der neuen Sony 24P und den Computern von Industrial Light and Magic, der Special Effect Firma von George Lukas, alles machen kann. Einige davon sind wirklich sehr hübsch. Vielleicht reicht Lukas die Magie im nächsten Teil nach.
Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger, USA 2002, Regie: George Lucas, Darsteller: Ewan McGregor, Natalie Portman, Hayden Christensen
Text: @henn
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET, Fox
