Video-Filmkritiken

Film der Woche

Guck mal, wer da singt

Von Gunter Göckenjan

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Video-Kritik: "Jeder ist ein Star"

06. Februar 2002 Nachdem wir uns in den letzten TV-Tagen von der royalistischen Feierfreude der Holländer haben überwältigen lassen, können wir nun im Kino erleben wie Belgien singt und lacht - mit freundlicher Unterstützung des Nederlands Fonds Voor de Film, dem Koproduzenten des Films.

In dieser flämischen Komödie treffen sich zwei unwahrscheinliche Visionen vom Kino zu einem unheimlichen - und manche Leute finden unheimlich komischen - Rendezvous: New Yorker Filmkunst à la Scorsese, die die dunklen Seiten der Realität erforscht, wird in „Jeder ist ein Star“ keck mit der Hollywood-Idee fröhlicher Realitätsbefreiung in ihrer englischen Spielart vermischt.

Die Geschichte, in deren Zentrum die Entführung einer beliebten Popsängerin (Thekla Reuten) steht, erinnert an Martin Scorseses „King of Comedy“, in der jemand einen Showstar kidnappt, um ins Geschäft zu gelangen. Die Erlösung aus der harschen Arbeiterrealität, die darauf folgt, scheint „The Full Monty“ nachempfunden zu sein. Hier wie dort hat die Tragödie der Entlassung aus dem eintönigen Fabrikalltag die Funktion des naturidentischen Geschmacksstoffes, der die Beziehung zur Wirklichkeit beglaubigen soll. Zugleich dient die missliche Situation als Plateau, von dem aus die Rakete der guten Laune startet.

Wie die Männer in „The Full Monty“ so findet auch Jean Vereecken (Josse de Pauw) seine Rettung im Show-Geschäft, wenn auch sein Weg dorthin - die Entführung des Popstars - Wirtschaftsliberale weniger überzeugen wird als die Eigeninitiative der Nakt-Tanztruppe im englischen Vorbild.

Jean ist ein Schlagernarr, der einfältige Tonfolgen „komponiert“: Er summt sie auf Tonband, damit seine dicke Tochter sie dann nachsingt. Jean ist sehr begeisterungsfähig. Er liebt seine „Songs“, doch mehr noch seine Tochter. Die hat er zum Karaoke-Brummer dressiert, damit sie bald ein Star wird und es mal besser hat als er. Eine schrecklich sympathische Familie. Ohne Erfolg ziehen sie von Wettbewerb zu Wettbewerb; allein der Vater kapiert nicht, dass seine voluminöse Marva (Eva van Landuyt) kein Talent hat. Tja, und dann kommt seine Entlassung aus der Fabrik, die zufällige Begegnung mit Debbie, dem Star, und Jeans plötzliche Eingebung. Debbie soll der Hebel sein, mit dem er seine Marva ins Schlagergeschäft bringt.

Auch Willy ist ein Looser

Jeans größtes Leid ist die Ablehnung seiner Tochter, von der er nicht einmal mehr einen Gute-Nacht-Kuss bekommt. Sein bester Freund Willy (Werner de Smedt) hat eine Problemfreundin, der er das Studium bezahlt, die seine Zuwendung aber nicht gebührend erwidert. Deshalb lässt sich der hübsche Junge von dem Freund zur Komplizenschaft bewegen. Dieser Teil der Geschichte wird so gut ausgehen wie so viele Schlager. Der andere Teil auch.

Es ist gut zu wissen, dass „Jeder ist ein Star“ eine Komödie sein soll, denn sonst müsste man sich über die haarsträubende Unwahrscheinlichkeit einiger Wendungen und Konstellationen dieser flämischen Filmerzählung wundern. Doch dass der Kidnapper, der mit erhobenen Armen vor die Polizisten tritt, von diesen beklatscht wird, ist natürlich ebenso wenig ernst gemeint, wie die Medienkritik, die auch eingebaut wurde. Ernst gemeint ist die Guck-mal-wie-komisch-Haltung, mit der die Figuren präsentiert werden. Das macht Dominique Derudderes (Buch und Regie) Film zu einer niedlich harmlosen Freude. Wer Zeit zu vertreiben hat, mag es hiermit versuchen.

"Jeder ist ein Star" ist für den "Oscar" nominiert.



Text: @göck
Bildmaterial: FAZ.NET, MMG Film and Television Productions , TiMe Medien

 
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