Video-Filmkritiken

Film

Der Grieche in dir

Von Andreas Kilb

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22. Januar 2003 Zweihundertzwanzig Millionen Dollar. Soviel hat der Film allein in Nordamerika eingespielt, bei einem Budget von fünf Millionen Dollar und Werbekosten von vielleicht zehn. "My Big Fat Greek Wedding" ist einer der Filme, von denen Produzenten träumen: billig, ohne schäbig auszusehen, simpel, ohne dumm zu wirken, aktuell, ohne irgendwo anzuecken - ein Sozialmärchen für die ganze Familie.

Bevor "My Big Fat Greek Wedding" ein Film wurde, war es ein Theatermonolog der Schauspielerin Nia Vardalos. Darin erzählte sie die Geschichte ihrer Jugend als Tochter griechischer Einwanderer im kanadischen Winnipeg. Als Nia Vardalos mit ihrem Stück in Los Angeles auftrat, geschah das, wovon jeder träumt, der mit ein paar Blättern Selbstgeschriebenem nach L. A. geht: Die Frau von Tom Hanks, ebenfalls aus griechischer Familie stammend, kam in die Vorstellung, war begeistert, schickte ihren Mann ins Theater - und dieser stellte eine Filmproduktion auf die Beine. Ein Märchen, wie gesagt.

Knitterfreier Kitsch

Und nun steht Nia Vardalos in ihrem eigenen Film, der von dem Fernsehroutinier Joel Zwick mit sicherem Gespür für knitterfreien Kitsch inszeniert wurde, und spielt - nein, nicht sich selbst, sondern ein Aschenputtel namens Toula Portokalos, das in seines Vaters griechischem Restaurant die Gäste bedient und von einem Leben als Reisekauffrau träumt.

Als Toula ihren sehr blonden und sehr angloamerikanischen Prinzen (John Corbett) kennenlernt, türmt sich alsbald das Menschheitsproblem aller jungen Heiratswilligen auf: Wie bringt man die Eltern zusammen? Da der Film gut eineinhalb Stunden dauert, auf die Darstellung des protestantischen weißen Lebensstils aber nur einige Minuten entfallen, ist von vornherein klar, welche Seite bei der Vermischung der Einwanderer-Ethnien unterliegen wird.

Orgie des Hollywood-Hellenismus

"My Big Fat Greek Wedding" ist eine Orgie des Hollywood-Hellenismus, formelhaft, weichzeichnend und um kein Klischee verlegen, vom Souvlaki im Vorgarten bis zum Sirtaki am Ehebett. Wenn Anthony Quinn diesen Film noch hätte sehen können, hätte er Joel Zwick vermutlich den offenen Handteller gezeigt, eine in Kalifornien unbekannte, unter Griechen aber nur allzu verständliche Geste.

Doch die großen Kassenerfolge des Kinos sind bekanntlich gegen Kritik resistent. In Kanada und den Vereinigten Staaten gibt es mehr als fünfzig Millionen Menschen, die Einwanderer oder direkte Nachkommen von Einwanderern sind.

Für sie ist "My Big Fat Greek Wedding" ein Geschenk - weil der Film ihnen erzählt, daß sie Amerikaner sein können, ohne ihre kulturellen Eigenarten aufgeben zu müssen; und weil er die Vermischung der Ethnien als Triumph der südlichen über die nördliche Sittlichkeit inszeniert, der Orthodoxen über die Protestanten, des Bakala über den Plumpudding. Ein sehr amerikanischer Film, fürwahr. Man darf gespannt sein, wie er im Land der Zuwanderungsgesetze verstanden wird.



Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2003, Nr. 18 / Seite 36
Bildmaterial: 20th Century Fox, FAZ.NET

 
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