27. September 2006 Bei Michel Gondry ist der Regisseur der Star. Der Franzose, der mit Human Nature und Eternal Sunshine On a Spotless Mind zwei Drehbücher von Charlie Kaufman verfilmt hat und mit seinen Videos für Björk, Daft Punk, Kylie Minogue und die White Stripes Clipgeschichte geschrieben hat, will in The Science of Sleep in jeder Szene seine Originalität beweisen - und über weite Strecken gelingt ihm das auch. Gael Garcia Bernal spielt seinen Helden, einen jungen Grafiker, der aus Mexiko nach Paris kommt und sich in seine Nachbarin (Charlotte Gainsbourg) verliebt - oder vielleicht auch in ihre Freundin (Emma de Caunes), so genau weiß er das selbst nicht.
Gondry betreibt den Schlaf natürlich nicht als Wissenschaft, sondern als fröhlichen Gegenentwurf zur Wirklichkeit, der den Figuren schnell den Boden unter den Füßen wegzieht. Mit geradezu naiver Freude läßt Gondry den Helden als großes Kind spielen, der sich in einem Fernsehstudio aus Pappmaché, in dem er den Showmaster mimt, hineinträumt in eine Existenz, in der er das alleinige Zentrum seiner Phantasien ist. Wo Gondry in Vergißmeinicht! die Traumwelten am Computer gestaltet hat, greift er diesmal in die analoge Trickkiste zurück und gestaltet seine Wunder wie in tschechischen Animationsfilmen der sechziger Jahre.
Mit Zellophanstreifen, Wollknäuel und Wattebäuschen gestaltet er Wasser, Schnee und Wolken, und gerade diese verspielten Basteleien beweisen, daß das Staunen über die Möglichkeiten des Computertricks mittlerweile umgeschlagen ist und der wahre Zauber wieder dort am Werk ist, wo man noch sieht, wie Hand angelegt wurde. Tatsächlich wirkt am Ende der ganze Film wie ein selbstvergessen spielendes Kind, dem man gerne zusieht, weil es das Staunen noch nicht verlernt hat.
Text: malt / F.A.Z.
Bildmaterial: FAZ.NET mit Material von Prokino Filmverleih
