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Alles Show: „Ocean's Thirteen“

Von Michael Althen

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06. Juni 2007 George Clooney und die Seinen hatten wieder mächtig gute Laune in Cannes, wo sie den Film „Ocean's Thirteen“ vorstellten, und wahrscheinlich waren auch die Dreharbeiten eine große Party. So viel sind sie ihren Vorbildern vom Rat Pack schließlich schuldig, die 1960 beim Dreh von „Ocean's Eleven“ in Vegas mächtig auf die Pauke gehauen haben.

Sinatra und die Seinen nahmen es damals mit den Zahlen nicht so genau und ließen auf die Elf „Sergeants 3“, „4 for Texas“ und „Robin and the 7 Hoods“ folgen. Die Filme wurden auch damals nicht besser, aber darum ging es ja auch zu allerletzt. Man wollte die Truppe einfach zusammen sehen, wollte hören, wie Sinatra Sprüche klopft, wie Dean Martin ihm die Schau stiehlt und wie Sammy Davis jr. versucht, sich der Witze zu erwehren, die auf seine Kosten gemacht werden. Sie spielten sich die Bälle zu, als stünden sie auf der Bühne, und wenn einer seinen Einsatz verpasste, erhöhte das noch das Vergnügen.

Soderbergh als Zirkusdompteur

Die Jungs von „Ocean's Thirteen“ haben zwar keine Bühnenerfahrung, aber sie haben ganz gut begriffen, worauf der Reiz des Rat Pack gründete: auf der Illusion, dass nichts so ernst ist, dass man sich nicht darüber lustig machen kann. Noch nicht einmal der Erfolgsdruck und die Erwartungen, die eine solche Großproduktion begleiten. So kommt man sich fast wie ein Spaßverderber vor, wenn man am Ergebnis herummäkelt, weil man sich von einem Regisseur wie Steven Soderbergh mehr erwartet hatte. Der aber beschränkt sich auf seine Rolle als Zirkusdompteur und hält sich bei Laune, indem er als sein eigener Kameramann ein bisschen mit den Farben herumexperimentiert, wozu die Sonne und der Neonzauber von Nevada sich ja auch anbieten. Ansonsten verlässt er sich darauf, dass man dem Zusammenspiel von Clooney, Brad Pitt, Matt Damon, Andy Garcia, Don Cheadle, Elliott Gould und Konsorten immer gerne zusieht. Und weil diesmal Julia Roberts nicht dabei ist, hat man eben Al Pacino und Ellen Barkin als Zugabe, deren Liebesverhältnis aus „Sea of Love“ hier zur Arbeitsbeziehung verkümmert ist.

Aber das Hin und Her, das Geplänkel und Gefrotzel, das den Film tragen soll, ist schnell aufgebraucht. Es gibt eine symptomatische Szene, in der Clooney im Fernsehen die Oprah-Winfrey-Show sieht, Brad Pitt hinzukommt, sich über die Rührung seines Kumpels lustig macht, dann auch zusieht und binnen kürzester Zeit ebenfalls feuchte Augen bekommt. Natürlich ist das ganz amüsant, aber es hat auf eine Weise überhaupt nichts mehr mit der Geschichte zu tun, in der sie diesmal vorgeblich alles ganz persönlich nehmen, dass das Ganze selbst zu einer Art Danny-Ocean-Show verkommt. Man kann sich gut vorstellen, dass man irgendwo dazukommt, wenn die DVD von „Ocean's Thirteen“ läuft, kurz mitguckt, in sich hineingrinst, wenn diese Szene kommt, und dann wieder geht, weil man schnell mitbekommt, dass in diesem Film nichts auf dem Spiel steht. Das war im ersten Teil anders, und selbst im zweiten gab es noch ein Minimum an Bodenhaftung. Diesmal verpufft alle Spannung im Nu.

In „Ocean's Eleven“ hat man die Täuschungsmanöver der Truppe auch nicht bis ins Detail kapiert, aber hier verliert man völlig den Überblick. Es geht darum, dem bösen Supercasinobesitzer Pacino eins auszuwischen, weil er ihrem Kumpel Gould übel mitgespielt hat. Dazu sollen am Eröffnungstag gleichzeitig die Bank geknackt, Diamanten gestohlen und der Ruf ruiniert werden, während mit den Bohrmaschinen, die den Ärmelkanaltunnel in die Erde getrieben haben, ein Erdbeben simuliert werden soll, das die Alarmanlagen außer Betrieb setzt. Ob das nun so oder anders klappt, ist letztlich egal. Das Team um Clooney baut ohnehin darauf, dass es sich alles erlauben kann. Das war auch beim Rat Pack damals so. Aber ehe die Helden es sich versahen, war ihre Zeit vorbei. Mit ihnen stürzte auch Hollywood in eine tiefe Krise - weil sich die Zuschauer dann doch nicht alles gefallen ließen.

Text: F.A.Z., 06.06.2007, Nr. 129 / Seite 33
Bildmaterial: Warner

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