Video-Filmkritiken

Kino

„8 Frauen“ - Fest der Filmdiven

Von Gunter Göckenjan

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Video-Kritik: Deneuve, Huppert, Béart in "8 Frauen"

10. Juli 2002 Der ideale Kinotitel charakterisiert das erzählerische Zentrum eines Films, ohne viel zu verraten: „Die Hard“, „Speed“ oder „Armageddon“ sagen, worum es geht.

Nur eine außergewöhnliche Produktion wie dieses französische Kammerspiel kann es sich erlauben, im Titel nichts als das wesentliche Besetzungsmerkmal zu nennen. Unter dem Titel stehen dann die Namen der „8 Frauen“: Cathérine Deneuve, Isabelle Huppert, Emmanuelle Béart, Fanny Ardant, Virginie Ledoyen, Ludovine Sagnier, Danielle Darrieux und Firmine Richard. Der Film könnte auch „4 Superstars, 2 Jung-Stars, ein Altstar und eine unbekannte Schauspielerin“ heißen, aber das würde zu sehr nach Kochrezept riechen.

Cukor grüßt nur von Ferne

Doch weiter entfernt vom Formel- oder Zutatenkino könnte dieser Film des französischen Regisseurs Francois Ozon, wie übrigens all seine Filme, kaum sein. Gerade wegen ihrer Einmaligkeit neigt man dazu, diese Komödie mit allerlei Vergleichen zu beschreiben. Sie sei ein bisschen wie ein Agatha-Christie-Roman oder wie George Cukors „Women“ oder wie Alain Resnais „On connait la chanson“, möchte man sagen.

Dabei erinnert an Cukor nichts als die ausschließlich weibliche Besetzung, während allein das erzählerische Mittel der Gesangseinlagen an Resnais denken lässt (oder an Jacques Demys „Les Parapluies de Cherbourg“, in dem die damals 38 Jahre jüngere Cathérine Deneuve auch in Liedern sprach). In „8 Frauen“ darf jede Darstellerin in Form eines Chansons einen Kommentar zu ihrer Rolle abgeben.

Zwar erinnern der Mord an dem Hausherrn und die Tatsache, dass alle anwesenden Frauen ihn begangen haben könnten, an Agatha Christie, doch die Rekapitulation der nächtlichen Vorgänge bringen allerlei Fehltritte an den Tag, die Agatha Christies schlimmste Albträume nicht zugelassen hätten. Und auch das Ende ist so abgründig, wie es selbst die Ahnherrin der Krimi-Kammerspiele sich nicht ausgedacht hätte.

Kunst und Künstlichkeit

Ozons Drehbuch folgt einem Boulevard-Stück von Robert Thomas aus den 60er Jahren. Dabei verstärkt der Regisseur die gesuchten und forcierten Situationen und Figuren und die leichten Unterhaltungstricks des Genres, bis sie abheben. Der Schwere der Realität enthoben, schweben sie in jenem Raum, in dem sich Kunst und Künstlichkeit begegnen. Die Ermittlungen der „8“, um den Mörder des Hausherrn zu entlarnven, geraten zwischendurch völlig in Vergessenheit über den Marotten, Macken und Abgründen der Frauen, die nach und nach ans Licht kommen.

Spielfreude und ironische (Selbst-) Inszenierung der Stars sind ein Thema des Films. Cathérine Deneuve, die Dame des Hauses, reich, wie man glaubt, und immer noch ebenso schön wie kühl - alles, was Cathérine Deneuve schon immer verkörperte -, wird mit Fanny Ardant knutschend auf dem Boden liegen und augenzwinkernd etwas sein, was sie noch nie war, eine heitere Selbst-Persiflage.

Der Film strotzt nur so vor Anspielungen auf die Filmgeschichte. Emmanuelle Béart, Frankreichs Kinotraum von einer Frau, trägt dasselbe Kostüm, das Jeanne Moreau in dem Bunuel-Film „Tagebuch einer Kammerzofe“ getragen hatte. Die Béart gibt die Dienerin, die Madame jeden Wunsch erfüllt. Wenn sie endlich das Häubchen absetzt, fallen ihre Haare in die Form jener Frisur, die einst das Markenzeichen der Deneuve war. Madame Deneuve sieht ihrem Dienstmädchen sichtlich irritiert zu.

Isabelle Huppert spielt Klavier - was sonst?

Komisch ist auch Isabelle Huppert, das gestrenge Biest des französischen Kinos. Die Huppert spielt ein verbittertes Tantchen, dessen ruppige Härte wunderbar witzig ist. Als einzige - auch hier wieder eine Anspielung - singt sie ihr Lied am Klavier. Kein Wunder, denn sie spielte ja auch erst unlängst in Michael Hanekes gleichnamigem Film eine „Klavierspielerin“. Ihr Song ist übrigens ein bekanntes Lied Francoise Hardys.

Fanny Ardant, die leicht Frivole unter den „8“, schält sich aus ihrem verruchten, rot-schwarzen Kostüm heraus, während sie „A qui sert de vivre libre“ singt. Alle Stars bieten sich hier noch einmal dar, wie man sie aus der Filmgeschichte kennt, nur dass ihre jeweiligen „Farben“, wie ein Kritiker zutreffend schrieb, im Kontrast zu einander erst richtig erstrahlen. Wenn sich die Diven schlagfertig Kontra geben, schillern sie gefährlich und schön - und bringen die Leinwand zum Leuchten.



Text: @göck
Bildmaterial: Constantin Film, FAZ.NET

 
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