Film-Kritik: Fatih Akin mit "Crossing the Bridge"
08. Juni 2005 Mit seinem Film Gegen die Wand stand Fatih Akin neben der Hauptdarstellerin Sibel Kekilli vor knapp anderthalb Jahren im Rampenlicht der Berlinale. Was nach einem Goldenen Bären noch kommen kann? Einige Prominenz, der entsprechende Medienrummel und entsprechende Verpflichtungen - zum Beispiel als Jurymitglied der Filmfestspiele in Cannes. Dorthin nahm der in Hamburg lebende türkischstämmige Regisseur - außer Konkurrenz, versteht sich - auch seinen neuen Film mit, eine Dokumentation des Musiklebens in Istanbul.
Dort prallen Musikstile mit voller Wucht aufeinander: Traditionelle türkische Melodien vermischen sich mit wildem Punk,arabische Klänge mit coolem HipHop, kurdische Folklore mit hartem Gitarrenrock aus Seattle. Zumindest in Akins musikalischem Porträt der 15-Millionen-Metropole am Bosporus, dem der Regisseur eine Weisheit des chinesischen Philosophen Konfuzius vorangestellt hat: Wenn ihr einen Ort besucht und verstehen wollt, welche Kultur dort herrscht, dann hört euch die Musik an, die dort gemacht wird. Ihr werdet alles über diesen Ort erfahren.
Nicht Akin selbst, sondern sein deutscher Freund Alexander Hacke, seit über 20 Jahren Bassist der Einstürzenden Neubauten, soll diese These Realität werden lassen. Er zieht durch die Straßen der Stadt, hat ein mobiles Aufnahmestudio dabei und hält Musikern ein Mikrofon unter die Nase. Sich nach dem Triumph von Gegen die Wand erst mal locker zu machen und Musik zu hören, ist eine sympathische Geste. Da verzeiht man Fatih Akin auch, daß er den arg onkelhaften Alexander Hacke nach Istanbul geschickt hat. Was dieser Musikdokumentation darüber hinaus an Form fehlt, das macht der heterogene Sound vom Bosporus mühelos wett.
Text: FAZ.NET mit Material von AP und aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 5. Juni 2005