Video-Filmkritiken

Kino

Küsse, Komik und Klischees: „Bridget Jones II“

Von Felicitas von Lovenberg

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Film-Kritik: Renée Zellweger in "Bridget Jones - Am Rande des Wahnsinns"

02. Dezember 2004 Da sind sie also wieder. Bridget Jones, erneut gespielt von Renee Zellweger, hat noch ein paar Pfündchen zugelegt, ist ansonsten aber ganz die alte: eine hochnotpeinliche, liebenswerte englische Vollchaotin mit katastrophalem Kleidungsstil, grausam geschmacklosen Eltern und dem attraktivsten Freund, den man sich diesseits und jenseits des Ärmelkanals nur ausdenken kann.

Mark Darcy (Colin Firth), jener unglaublich erfolgreiche, unendlich edelmütige und dabei ungeheuerlich gefühlsstarke Anwalt für Menschenrechte, den Bridget aus Gründen, die kein Kinozuschauer je wird begreifen können, in seiner ganzen Männlichkeit vollkommen für sich eingenommen hat, ist ebenfalls ganz der alte, ebenso wie der überaus gerissene, überaus charmante Schönredner und Herzensschurke Daniel Cleaver - eine Rolle, die Hugh Grant um so vieles besser steht als die des stotternden englischen Lackels.

Der Film wurde wieder von Working Title betreut, jener Produktionsfirma, die uns schon "Vier Hochzeiten und ein Todesfall", "Notting Hill", "About a Boy", "Tatsächlich...Liebe" und andere britische Schmankerl beschert hat. Einzig die Regisseurin Beeban Kidron ist neu. Kurzum: "Bridget Jones - Am Rande des Wahnsinns" besitzt alles, was ein Kinoerfolg in der Winterzeit braucht: Komik, Klischees, Küsse - und mittendrin unvermutet ein bißchen Seele.

Eine Reihe betrüblicher Ereignisse

Die Fettnäpfchen, durch die Bridget diesmal stolpern oder vielmehr watscheln muß (nicht nur im Abendkleid bewegt sie sich wie ein Pinguin), sind nicht weniger geworden, nur noch etwas lächerlicher als zuvor. Bridget, zu Beginn des Films verständlicherweise im siebten Himmel, da seit "sechs Wochen, vier Tagen und 71 Malen wunderbarem Sex" mit dem göttlichen Darcy liiert, verliert ihren Liebsten nach einer Reihe betrüblicher Ereignisse.

Zunächst ist da das Galadiner der Londoner Anwaltskanzleien, bei dem Bridget, rechtschaffen empört über die bornierten Mittelklasse-Meinungen, die ihr dort entgegenzwitschern, sich benimmt wie die Axt im Walde, indem sie Marks Kollegen unverblümt sagt, was sie von ihnen hält: nämlich nichts. Als nächstes gerät ein Ski-Wochenende, bei dem wie aus dem Nichts Marks reizende, bildschöne und selbstredend gertenschlanke Kollegin Rebecca (Männer, hinschauen: Jacinda Barrett) auftaucht, zum absoluten Desaster, vervollständigt durch einen Riesenkrach des ungleichen Paares über die Erziehung potentiell noch zu zeugender und zu gebärender Kinder sowie die - plötzlich nicht mehr gar so bedauerliche - Erkenntnis, daß Bridget ohnehin nicht schwanger ist.

Sie nennt es "unheilbare Inkompatibilität"

Die Trennung, wenngleich von beiden nicht gewollt, ist unvermeidlich, und es spricht für den Film, daß er sie nicht als reine Komödie inszeniert. Denn der Konflikt, den Bridget in einem ungewohnt luziden Moment als "unheilbare Inkompatibilität" auf den Punkt bringt, berührt nicht nur politische Grundfragen (Labour-Wählerin gegen Erzkonservativen), sondern auch entgegengesetzte, urenglische Lebenseinstellungen.

Der Eton-Absolvent Mark Darcy würde auch seine Sprößlinge selbstredend aufs Internat schicken, während Bridget jede Institution verurteilt, die ein Kind aus der liebenden Umgebung des Elternhauses herausreißt. Mark faltet sogar seine Boxershorts, bevor er ins Bett geht; Bridget läßt alles dort liegen, wo sie es gerade ausgezogen hat. So überspitzt formuliert, wie der Film es darstellt: Er ist erfolgreich, ernsthaft und edel, sie natürlich, neurotisch und naiv, ein neckisch veranlagter Kindskopf.

Zur Verblüffung des Zuschauers

Es würde zu weit führen, die halluzinogenen Umstände, unter denen sich Bridget einige Zeit später schuldlos in einem thailändischen Frauengefängnis wiederfindet, hier wiedergeben zu wollen; verraten sei nur, daß sie große Tapferkeit an den Tag legt und ihre intime Kenntnis der Hits von Madonna endlich gewürdigt wird. Außerdem begreift sie, was wir schon immer wußten, daß nämlich ein Mark Darcy mit seinen Koteletten und anderen Spleens immer noch besser ist als die allermeisten anderen Männer - eine Erkenntnis, die sie erst zu einem weiteren stilistischen Tiefpunkt ihrer Garderobe und dann zurück in die Arme des Mannes führt, der sie liebt, mehr denn je zur Verblüffung des Zuschauers.

Unbedingt notwendig ist es zum schallenden Gelächter bei diesem Film nicht, den Vorläufer gesehen zu haben, aber schaden tut es keinesfalls - zumal viele der besten Witze dieses an Witzen nicht eben armen Filmes sich auf den vorigen beziehen, vor allem jene Szene, in der sich Cleaver und Darcy erneut um Bridget prügeln. Helen Fielding, Erfinderin der Kolumne "Bridget Jones's Diary" und Autorin der beiden Buchbestseller, hat auch diesmal am Drehbuch mitgearbeitet, das jedoch vor allem die Handschrift von Andrew Davies trägt, der mit der BBC-Fernsehadaption von Jane Austens "Stolz und Vorurteil" berühmt wurde. Bei allem Hang zur Vereinfachung besitzt Davies ein sicheres Gespür für Dialoge und Tempo, wobei in der deutschen Synchronisation diesmal aufgrund der Derbheit der meisten Zoten weniger verlorengeht, als es sonst oft der Fall ist.

Entscheidende Abweichung von der Buchvorlage

Es hieße wahrlich mit Kanonen auf Spatzen schießen, diesen Film einer knallharten, womöglich noch feministisch grundierten Kritik zu unterziehen, wie es eine offensichtlich angewiderte Manohla Dargis neulich in der "New York Times" getan hat. Denn die Nöte des Singledaseins, so gnadenlos überzogen sie hier auch dargestellt werden, sind nicht ausschließlich an den unfrisierten Haaren herbeigezogen. Zugegeben, zumal als Frau erschauert man immer wieder im Kinosessel ob Bridgets übertriebener Albernheit, ihrer Klamotten, ihrer Ausdrucksweise oder ihrer schieren Dummheit.

Und tatsächlich gibt es nicht eine einzige Szene, in der die Hauptdarstellerin auch nur ein bißchen hübsch aussehen darf, während die beiden Männer selbstverständlich blendend präsentiert werden. In dieser Hinsicht weicht die Verfilmung erneut entscheidend von der Buchvorlage ab, wo Bridget weniger dumpf, weniger dick, insgesamt pfiffiger und liebenswürdiger erscheint - eher eine Rebellin, die bewußt alle Regeln bricht, die ihre Mutter ihr einst eingetrichtert hat, als eine Idiotin, die sich ihrer Unzulänglichkeiten nicht bewußt ist.

Was bleibt, ist, wie schon beim ersten "Bridget Jones"-Film, ein leises Bedauern darüber, daß man nie mit, sondern immer nur über Bridget Jones lachen darf. Im großen und ganzen aber vergibt man dieser unterhaltsamen Komödie, ähnlich wie der Hauptfigur, ihre offensichtlichen Schwächen. Schließlich möchte jeder trotz seiner "Schwabbelstellen", wie Bridget es nennt, gemocht werden.



Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2004, Nr. 281 / Seite 37

 
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