Video-Filmkritiken

Kino

Eine Skandalgeschichte: „Inside Deep Throat“

Von Peter Körte

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11. August 2005 „Wenn sich doch bloß all die Terroristen davonmachten, statt das Justizministerium in Atem zu halten“, seufzt der Strafverfolger, „dann wäre endlich mehr Zeit, gegen Pornographie vorzugehen.“

Larry Parrish, der in den siebziger Jahren zahlreiche Mitwirkende an dem Pornofilm „Deep Throat“ vor Gericht brachte, ist ein Kreuzzügler mit Babyface, der ganz tapfer gesteht, einige Bilder des Films gingen ihm nicht mehr aus dem Kopf, und der ernsthaft glaubt, die Welt wäre ein besserer Ort, hätte es diesen Film nie gegeben. Das klingt 33 Jahre nach dem legendären Porno, der erst Prominenz von Jackie Kennedy bis Truman Capote und dann die Staatsanwaltschaft ins Kino lockte, fast so absurd wie die anatomische Prämisse des Films, dessen Heldin ihre Klitoris tief im Hals, irgendwo hinter den Mandeln, hat. Und dann auch wieder nicht, wenn man bedenkt, daß in einigen amerikanischen Bundesstaaten Oralverkehr unter Eheleuten noch immer eine strafbare Handlung ist.

Ein prominentes Aufgebot

Die Dokumentation „Inside Deep Throat“ von Fenton Bailey und Randy Barbato versammelt ein prominentes Aufgebot, um des großen Skandals zu gedenken: Dennis Hopper als Off-Erzähler und Norman Mailer, Gore Vidal ist dabei, John Waters, Hugh Hefner, Larry Flynt und natürlich Regisseur Gerard Damiano und Hauptdarsteller Harry Reems, der damals fast für fünf Jahre im Gefängnis verschwunden wäre. Nur Linda Lovelace, die Frau ohne Schluckbeschwerden, ist bloß ein Geist auf Archivmaterial, weil sie 2002 bei einem Autounfall ums Leben kam.

Es gibt viele kuriose Anekdoten und Typen, wie es sich für den erfolgreichsten Film der Kinogeschichte gehört, der rund 25.000 Dollar kostete und 600 Millionen einspielte. Die Dokumentation ist originell gemacht, sie schneidet zwischen die talking heads immer wieder lustige Ausschnitte aus amerikanischen Aufklärungsfilmen und aus „Deep Throat“, und tritt solide-liberal für freie künstlerische Meinungsäußerung ein. Die feministische Kritik wird nicht vergessen, und alle freuen sich, daß der Watergate-Informant nach dem Film benannt wurde - aber der Film strengt sich nicht sonderlich an, die desaströse Ehe und den traurigen Weg der Linda Lovelace näher zu betrachten oder die trostlose Mechanik der Sexindustrie, die auch bei den Dreharbeiten zu „Deep Throat“ natürlich nicht durch Spaß und Rebellion ersetzt wurde.

Statt dessen sprechen alte Männer mit ledrigen Gesichtern, die damals ihren Spaß hatten, sie erzählen sehr vage von der Mafia (die den großen Profit machte) und von ihrem Traum, daß eines Tages Porno- und Hollywoodfilme miteinander verschmelzen würden. Es ist eine amüsante Reunion von Pornoveteranen und alten Hipstern, die eigentlich Schluckbeschwerden bekommen müßten, wenn sie sich mal gefragt hätten, warum eigentlich Janet Jacksons nackte Brust eine Nation hysterisieren konnte und was das mit „Deep Throat“ zu tun hat, der eher Teil eines Problems als dessen Lösung war. Und wenn man etwas über die dunkle Seite der Pornoindustrie wissen will, schaut man sich doch besser einen Spielfilm wie „Boogie Nights“ an.



Text: F.A.Z., 14.02.2005
Bildmaterial: Constantin Film

 
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