Video-Filmkritiken

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Rohe Kraft: „Chiko“

Von Peter Körte

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17. April 2008 „Chiko“ hat Biss. Er ist hart und schnörkellos inszeniert, klar und simpel gebaut. Der Regisseur Özgür Yildirim ist keine dreißig, er kommt aus Hamburg, der Film spielt auch dort, im Stadtteil, der seinen beschaulichen Namen Mümmelmannsberg schon lange konterkariert. Fatih Akins Firma Corazón hat dieses Debüt produziert, und es ist ein Film, der keine Gefangenen macht. Er sieht nicht spektakulär aus, er hat diese etwas monotone Fernsehästhetik mit ihrem Dauerfeuer aus Schüssen und Gegenschüssen und viel zu wenig Weite.

Aber „Chiko“ kommt dafür sofort zur Sache, er wird nicht sentimental, er meidet die Fallen des fernsehproduzierten Sozialdramas, und wenn man auch vorsichtig sein sollte mit der Behauptung, etwas wirke realitätsnah, wenn man in diesem Milieu nicht zu Hause ist, dann kommt es einem doch so vor: Wie da geredet und geschlagen wird, wie die Wut ausbricht und wohin diese Ausbrüche führen, das hat zumindest eine große Glaubwürdigkeit. Probleme, den richtigen Ton zu finden, ihn zu halten und zu modulieren über neunzig Minuten, hat Özgür Yildirim jedenfalls nicht. Und ein gutes Gespür für Schauspieler hat er auch, bis hin zum Casting der sogenannten Porno-Rapperin Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray in einer Nebenrolle.

Träume von Reichtum und Macht

Es ist eine Geschichte von Gangs, Gewalt und Drogen. Isa, der sich Chiko (Denis Moschitto) nennt, will groß rauskommen, Brownie (Moritz Bleibtreu) ist schon eine Kiezgröße, Chikos bester Freund Tibet (Volkan Özcan) will das Geld, um seiner kranken Mutter eine neue Niere zu verschaffen. Es geht um Freundschaft, Familie und Tod, um naive Träume von Reichtum und Macht, die sich nur mit sehr unnaiven Mitteln realisieren lassen, und so spielt der Film meist auf der Straße, in Krankenhausfluren, engen Wohnungen und in einer Moschee. Erst geht es um Gras, dann um Koks, erst sind die Freunde sich einig, dann wird Tibet für riskante Verkäufe mit einem Nagel in den Fuß bestraft und will Rache.

Was „Chiko“ seine rohe Kraft verleiht, ist diese Geradlinigkeit wie in Fatih Akins eigenem Debüt „Kurz und schmerzlos“ (1998). Da ist nicht diese verbreitete Filmhochschulmanie, sich mit großen Gangstervorbildern messen zu wollen und zu stilisieren wie Scorsese. Es ist alles ganz unprätentiös, und genau deshalb wird es tragisch. Chiko, der es zum erträumten weißen Mercedes mit goldenen Felgen bringt, ist hin- und hergerissen, bis er nur noch das Falsche tun kann: zwischen der Freundschaft zu Tibet, den er „Bruder“ nennt, den Regeln des Drogenhandels und seinem Traum vom Leben auf großem Fuß. Und so endet alles in einer tödlichen Umarmung - eine Geste, welche die ganze Stimmung des Films perfekt trifft.



Text: F.A.S.
Bildmaterial: Falcom

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